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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr.1/November 1998 - Seite
4
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Chronologie
einer politischen Initiative
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Chronologie
einer politischen Initiative
München
1992: Die radikale Linke mobilisiert gegen das G 7-Treffen und diskutiert
auf einem Internationalem Gegenkongreß Fragen und Perspektiven antikapitalistischer
Politik angesichts einer 500-jährigen Kolonial- und Widerstandsgeschichte.
Vertre-terInnen der Tupamaros (Uruguay), der NDF (Philippinen), FMLN (El Salvador)
und MLN-Puerto Rico halten in einer schnellen Notiz fest, daß ungeachtet
aller politischen Widersprüche die Frage der politischen Gefangenen weiterhin
ungelöst ist: Wir, die internationalen Organisationen... (halten
es)... für notwendig, unter allen politischen, religiösen, humanitären,
demokratischen, sozialen usw. Organisationen einen Dialog mit dem Ziel zu
initiieren, den 'Welttag der politischen Gefangenen' festzulegen und die Freiheit
derselben zu fordern. Wir haben die Hoffnung, daß dieser Dialog schnell
und wirkungsvoll geführt wird, und daß wir kurzfristig zu definitiven
Übereinkünften kommen können. Koordination dieses Dialogs
soll vorerst in der BRD bleiben. In den Händen derer, die von seiten
des linksradikalen Spektrums den Münchner Kongreß maßgeblich
mitgestalteten. Diese kurze Notiz ist ein erster Schritt. Allerdings, die
darin geäußerte Hoffnung nach einem schnellen Dialog und definitiven
Übereinkünften, blieb unerfüllt.
März
1993: Verschiedene Gruppen und einzelne Personen aus der radikalen Linken
gründen den Initiativkreis Libertad! Eine organisierende Struktur auf
deutscher Seite wird damit geschaffen. Die Münchner Zielsetzung, ein
internationaler Kampftag für die Freiheit der politischen Gefangenen,
soll in der BRD diskutiert und verankert werden. Im Herbst erscheint ein erster
Aufruf für einen Internationalen Kampftag für die Freiheit der politischen
Gefangenen. Die Reaktion innerhalb der linksradikalen Bewegung der BRD bleibt
verhalten.
Herbst
1995: Der Initiativkreis ruft nach Diskussionen mit der Roten Hilfe für
einen bundesweiten Aktionstag gegen staatliche Repression und für die
Freiheit politischer Gefangenen auf. Nicht als Ersatz für internationale
Bemühungen, sondern um erste konkrete Initiativen in der BRD zu starten.
Seit
dem 18. März 1996: In zahlreichen Städten finden jährlich
Informationsveranstaltungen, Kundgebungen und Straßenaktionen für
die Freiheit der politischen Gefangenen und gegen staatliche Repression statt.
Die Unterstützung und Teilnahme wächst langsam aber stetig.
Chiapas
1996: I. Intergalaktisches Treffen im Lacandonischen Urwald: Die EZLN
lädt ein zu einem weltweiten Treffen. Auch Vertreterinnen von Libertad!
reisen nach Mexiko und diskutieren im Rahmen der zapatistischen Solidarität.
In einer der Abschlußresolutionen wird der 10. Dezember als Datum für
den internationalen Kampftag für die Freiheit der politischen Gefangenen
verabschiedet. Auch diese Verabredung bleibt unverbindlich.
Frühsommer
1997: Der Initiativkreis setzt sich eine letzte Frist: Entweder gelingt
es in einem absehbaren Zeitraum erste Schritte internationaler Vernetzung
zu tun, oder aber die Initiative wird mit einem politischen Schlußresüme
beendet.
Ein Organisationskomitee
zur Vorbereitung einer internationalen Konferenz Freiheit für alle
politischen Gefangenen weltweit gründet sich. Die Teilnahme aller
in der BRD ansässigen Gruppen und Organisationen an den Diskussionen
und der praktischen Vorbereitung soll ermöglicht werden. Über den
Initiativkreis Libertad hinaus schließen u.a. das Solida-ritätskomitee
Ramos Vegas und die Informationsstelle Kurdistan zusammen.
Dezember
1997: In zeitlicher Nähe zum 10. Dezember findet in Frankfurt/M.
eine Veranstaltung für die Freiheit der politischen Gefangenen mit internationaler
Beteiligung statt. Vertreter/innen von Gesto-ras Pro Amnestia aus dem Baskenland,
vom Coordinamente nationale Mumia Abu-Jamal aus Italien, vom Komitee zur Verteidigung
der palästinensischen Gefangenen in Israel ADAMEER aus Syrien, von der
Menschenrechtsorgani-sation IHD aus der Türkei/Kurdistan, von Angehörigen
der politischen Gefangenen in Peru und von Angehörigen der politischen
Gefangenen in der BRD berichteten aus der Realität der der politischen
Gefangenen und ihrer Solidaritätsarbeit. Der Vorschlag für eine
internationale Arbeitskonferenz zur Lage der politischen Gefangenen wird einhellig
unterstützt.
Es
ist wichtig, daß eine internationale Konferenz für die politischen
Gefangenen einberufen wird. ...Ich denke es sollte eine allgemeine Sprache
vorhanden sein. Bei den Forderungen sollte man für die politischen Gefangenen
nicht um Gnade, um Amnestie unbedingt bitten, sondern ihre politischen Forderungen
unterstützen und legitimieren. Widerstand ist ein Recht für diejenigen,
die unterdrückt werden. Widerstand zu leisten ist ein allgemeines Recht,
ein globales Recht.
Mahmut Shakar,
Rechtsanwalt aus Diyarbakir und ehemaliger Generalsekretär der IHD-Menschenrechtsvereine
Ende
April 1998: Das italienische Coordinamente nationale Mumia Abu-Jamal richtet
ein erstes Arbeitstreffen mit Vertretern der in Frankfurt anwesenden Organisationen
aus. Das internationale Komitee gegen das Verschwindenlassen (ICAD) nahm zusätzlich
dort als Beobachter teil.
Ein internationales
Vorbereitungskomitee für eine erste internationale Konferenz für
die Freiheit der politischen Gefangenen gründet sich und beschließt
erste Kriterien.
Juni
1998: Das internationale Komitee beschließt die Konferenz Ostern
1999 in Berlin auszurichten. Die Vorbereitungen beginnen konkret zu werden.
Argentinien,
September 1998: Ein internationales Treffen der Solidarität mit politischen
Gefangenen unterstützt die Berliner Konferenz und ruft zur Teilnahme
auf.
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