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So
oder So - Die Libertad!-Zeitung
- Nr.1/November 1998 - Seite
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A.B.Ganusa:
Unsere Organisation wird den Kampf nicht einstellen
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Baskenland:
Unsere Organisation wird den Kampf nicht einstellen, von Aitziber Banuelos
Ganusa
Frau Aitziber
Banuelos Ganusa, Mitglied der nationalen Führung von Gestoras pro Amnistia,
analysiert die Konsequenzen der ETA-Waffenstillstandserklärung für
die politischen Gefangenen. Gestoras pro Amnistia, die linke baskische Gefangenenhilfsorganisation,
gehört dem internationalen Komitee zur Vorbereitung der Berliner Konferenz
an.
Gestoras
pro Amnistia ist eine Volksorganisation mit dem Ziel das Kollektiv der baskischen
politischen Gefangenen politisch, ökonomisch, juristisch sowie medizinisch
zu unterstützen. Wir arbeiten für die Überwindung der politischen
Ursachen des bewaffneten Konflikts zwischen dem Baskenland und dem französischen
und spanischen Staat, was dem Ende politischer Unterdrückung im Baskenland
gleichkommt. Wir klagen Menschenrechtsverletzungen an und bieten den Opfern
von Verhaftungen und Folter, Übergriffen und schmutzigem Krieg, also
allen Opfern der Gewalt des spanischen Staates, solidarische Hilfe.
Die Erklärung
von Lizarra, die am 12. September 1998 von unserer Organisation zusammen mit
knapp 20 weiteren baskischen Vereinen, Organisationen, Gewerkschaften und
Parteien unterzeichnet wurde, ist ein historischer Einschnitt. Die Unterzeichner
repräsentieren die gesellschaftliche Mehrheit des Baskenlandes. Die Übereinkunft
kann der erste Schritt eines langwierigen Prozesses sein, an dessen Ende eine
demokratische Lösung stehen könnte. Für Gestoras pro Amnistia
ist diese Erklärung besonders deshalb positiv, weil sie das politische
Koordinatensystem von Demokraten versus Terroristen hinter sich läßt.
Dieser falsche Widerspruch hat bestimmten Kräften lange als Ausrede für
ihre beharrliche Weigerung gedient, an der Lösung des Konfliktes zu arbeiten.
Der bewaffnete Konflikt ist jetzt zur realen politischen Auseinandersetzung,
Baskenland versus Spanien und Frankreich, in Bezug gesetzt worden.
In der Erklärung
von Lizarra wird festgestellt, daß der baskische Konflikt ein
historischer Konflikt mit politischen Ursachen und Charakteristika ist und
das deshalb seine Lösung ebenfalls nur politischer Natur sein kann.
Das beinhaltet, neben der generellen Absage der Repression, die klare Anerkennung
des politischen Charakters der baskischen Verfolgten. In der Konsequenz bedeutet
dies, daß ihre Rechte als politische Verfolgte und Gefangene respektiert
werden müssen, unabhängig von Fort- oder Rückschritten in diesem
offenen Prozeß. Die Zusammenlegung des Kollektivs der baskischen politischen
Gefangenen in baskischen Knästen und das Asylrecht aller baskischen politischen
Flüchtlinge sind keine Verhandlungsgegenstände.
Ein weiterer
wichtiger Aspekt der Erklärung ist die Bekräftigung des Grundsatzes:
das baskische Volk muß das letzte Wort haben! Das baskische Volk muß
die Fähigkeit zurückerlangen, über seine Zukunft selbst zu
entscheiden. Voraussetzung für einen freien Diskussionsprozeß ist
der Rückzug aller Kräfte der Zivilgarde, der Polizei und des Militärs.
Eine weitere Voraussetzung ist die Beteiligung aller gesellschaftlicher Sektoren,
auch der politischen Gefangenen. Daher muß unsere Arbeit darauf zielen,
die Beteiligung des Gefangenenkollektivs sicherzustellen. Wir denken, mit
dem Fortschritt dieses offenen Prozesses und seinem Eintritt in die Phase
des Dialogs oder Verhandlungen ist eine Lösung für das Kollektiv
der Gefangenen und Flüchtlinge ein zentraler Punkt. Eine wirkliche Lösung
kann nur Amnestie heißen.
Wir befinden
uns in einer historischen Situation. Um auf dem richtigen Weg voranzukommen,
ist es notwendig, daß breite Sektoren durch ihre gemeinsame Arbeit die
Partido Popular und die PSOE zwingen, ihr Beharren auf der bisherigen Situation
aufzugeben. Der von ETA erklärte Waffenstillstand ist eine Initiative
weitreichender politischer Bedeutung und ein Zeugnis der Bereitschaft zur
gemeinsamen Arbeit an der Überwindung des Konflikts. Die Unterzeichner
der Erklärung von Lizarra, müssen dies als Aufforderung betrachten,
den Worten Taten folgen zu lassen.
Gestoras
pro Amnistia begrüßt die Initiative von ETA. Aber wir müssen
festhalten, daß der seit elf Monaten gültige Waffenstillstand an
der Knastfront nicht dazu führte, daß die sozialen und politischen
Kräfte mit all ihrer Kraft für die Menschenrechte der Gefangenen
gekämpft haben. Die Lage in den Knästen ist unverändert oder
sogar noch schlechter als vor der Erklärung des Waffenstillstandes. Heute
müssen alle Sektoren der baskischen Gesellschaft die Verantwortung dafür
übernehmen, daß sich das baskischen Volk die Fähigkeit zur
Diskussion und Entscheidung wiedererobert. Dies betrifft auch die gefangenen
Mitglieder der Verhandlungskommission von ETA. Damit diese ihre Aufgabe ohne
Behinderungen wieder wahrnehmen kann, fordern wir ihre sofortige Freilassung.
Unsere Arbeit
wird darauf zielen, die Beteiligung der politischen Gefangenen an dem Dialogprozeß
sicherzustellen. Wir sagen es deutlich: unsere Organisation wird den Kampf
nicht einstellen, bevor die Amnestie die freie Beteiligung aller politisch
verfolgten Baskinnen und Basken an dem Prozeß der Gestaltung unserer
Zukunft garantiert. Wir werden ohne Unterbrechung kämpfen, bis die politische
Gewalt aufhört eine Realität zu sein. Bis zu dem Tag, an dem die
Zivilgarde, das spanische Militär und die Polizei das Baskenland verlassen
werden. Bis zum Ende der politischen Verfolgung von Organisationen, Vereinen
und Parteien. Bis zum Verschwinden der Folter. Bis zur Einstellung der Angriffe
der Ertzaintza, der von der baskischen Autonomieregie-rung abhängigen
Polizei, gegen die baskische Linke. Bis zur Demokratisierung der Medien.
Angesichts
der positiven Haltung der Organisation ETA ist die zentrale Frage: ist die
spanische und französische Regierung bereit, die Repression gegen das
baskische Volk einzustellen, um zu einer demokratischen Lösung beizutragen.
Oder werden sie an ihrer Unbeweglichkeit, ihrer Blockade, festhalten und unser
Land dazu verurteilen, in einem Zustand des permanenten Konfliktes zu leben?
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