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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - MAGAZIN Nr. 2/Sommer 2000 - Seite 50
So oder So-Webwatchers
[ Inhalt MAGAZIN Nr. 2.]
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Electronic Disturbance Theater

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Am 12. Oktober 1998, jenem Jahrestag, der an die koloniale Invasion Lateinamerikas erinnert, fand vor dem mexikanischen Finanzministerium ein sit-in der besonderen Art statt. Das Computersystem des Ministeriums wurde durch einen koordinierten Angriff linker Hackergruppen mit dem Programm “zapatista flood net” lahmgelegt. Das Electronic Disturbance Theater aus New York, eine der Initiator/innen der Aktion, protestierte so gegen die Massaker der mexikanischen Armee in Chiapas. Seitdem im Frühjahr 2000 eCommerce-Firmen wie yahoo und e-bay immer wieder Opfer von elektronischen Angriffen wurden, ist “infowar” in aller Munde. Der feine Unterschied zwischen diesen Aktionen und den – wie sich nennen – e-Guerillas: die Aktion letzterer beruht nicht auf den Fähigkeiten weniger Hacker, die hunderte Rechner Ahnungs-loser fernsteuern, sondern auf der Mobilisierung der Massen von Internetnutzern. “zapatista flood net” ist ein einfaches Programm, das alle benutzen können. Es ist als “eine Form elektronischer direkter Aktion durch virtuelle Blockaden” zu verstehen, so die EDT-Hacker, die traditionelle Aktionsformen der sozialen Bewegungen aufgreifen wollen, um sie für das WWW zu adaptieren. Auf der Seite des Electronic Disturbance Theater kann man dementsprechend das Programm herunterladen. Ausserdem sind eine interessante Chronologie der bisherigen Aktionen der Gruppe - “EDT's battle against the Penta-gon”, “Bombing the WTO” u.ä. - nachzulesen. Zahlreiche Links geben eine Übersicht über die Diskussion von Militärs und Geheimdiensten wie auch über hacktivist-Gruppen mit skurillen Namen wie eHippies, x-ploit oder kaotic team. Los geht's: http://www.thing.net/~rdom/ecd/ecd

Fünf Sterne Hotel?
Das erste, was auf der Knast.Net-Seite auffällt, ist die Einladung an Gefangene, online über geräumige Besuchszellen und schikanierende Haftbedingungen in der langen (und trotzdem unvollständigen) Liste deutscher Knäste zu urteilen. Bisher wurden aber nur die JVAs Aachen und Hamburg bewertet, beide mit drei Sternen. Das Knast.Net hat mehr zu bieten. Die Seite kann ohne weiteres die längst vergriffene und nicht mehr aktuelle Loseblattsammlung “Ratgeber für Gefangene” ersetzen. Über fast alles, was mit dem Leben von Gefangenen zu tun hat, lässt sich hier etwas nachlesen. Die Aufforderung, sich per email an die Redaktion zu wenden, sollte eine Frage unbeantwortet bleiben, findet sich auf der Seite so häufig, dass deutlich wird, man kann mit einer schnellen Antwort rechnen. Überhaupt haben sich die Macher/innen des Knast.Net bemüht, den Nutzer/innen Möglichkeiten zur Teilnahme zu öffnen. Mittels Diskussionsforen (“Ist der Strafvollzug noch zeitgemäss?”), KnastQuiz und eigenen Beiträgen kann man an der Seite mitwirken. Gefangenen bietet Knast.Net ausserdem an, eine kostenlose Homepage einzurichten. Bleibt die Frage, wieviele Gefangene einen Zugang zum Netz bekommen? Einer der will, darf nicht: Christian Klar (Gefangener aus RAF) verweigert die JVA-Bruchsal den Computerkurs. Er wird nicht der einzige sein. Die Linksammlung ist umfangreich, hier kommen von der Gefangenenzeitung bis zur Polizei alle zu Wort, die “Interesse am Strafvollzug haben.” Sehr nützlich: http://www.knast.net

Gesamtkunstwerk
Die Empörung der Gebildeten über den “kulturellen Verfall”, den “Menschenversuche” bedeuten, war allgemein. Und all dies nicht, weil auf der Berliner Tagung der Gesundheitsministerin über die Aussonderung minderwertigen genetischen Materials diskutiert wurde, sondern aufgrund einer in die Länge gezogenen Reality Show im Fernsehen: Big brother. Was soll man dazu sagen? Bei El gran hermano, der spanischen Ausgabe, war wenigstens etwas los: baskische Aktivist/innen brachen vor laufender Kamera in den in der Kleinstadt Soto befindlichen Wohncontainer ein und erklärten den Zuschauer/innen, wichtig sei nicht was hier passiere, sondern in Soto de Real, dem nur wenige Kilometer entfernten Knast, in dem baskische politische Gefangene hungerstreikten. Eine klare Sache. Aber die ultimative Antwort auf die Hilflosigkeit des aufklärerischen Feuilletons waren die Container, die Christoph Schlingensief in Wien, dem Ort der Regierungsgeschäfte der FPÖ, aufstellte. Ein Transparent mit der Aufschrift “Ausländer raus!” wehte über dem Heim von zwölf Asylbewerbern, die eine Woche lang rund um die Uhr im Internet zu beobachten waren. Per Mausklick konnte der gemeine Haider-Wähler die Kandidaten zur Abschiebung nominieren, bis schliesslich - nach der Ausschaffung von Kurdinnen und Nigerianern - ein 65jähriger Mann aus Sri Lanka, der Sieger, eine Österreicherin heiraten durfte. Davor war einiges geschehen: antifaschistische Bilderstürmer/innen, bei denen unklar blieb, ob sie zur Inszenierung gehörten, befreiten die Flüchtlinge und besprühten den Container. Das nunmehr zerstörte rassistische Transparent ersetzte Schlingensief durch den Wahlspruch der SS “Unsere Ehre heisst Treue” – ein Satz, mit dem nur kurz zuvor die FPÖ eines ihrer langjährigen Mitglieder geehrt hatte. Überhaupt sorgte erst die FPÖ dafür, dass die Aktion zum Gesamtkunstwerk geriet: sie zeigte Schlingensief wegen Volksverhetzung und Ausländerfeindlichkeit an. Das ist alles wahr. Über Schlingensief kann man zurecht viel schlechtes sagen, aber das hier ist ein Volltreffer: http://www.ausländerraus.at
(bb/jf)


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:17
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