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Coca
Columbien
War
on Drugs
Der Krieg der USA gegen die vermeintliche Narcoguerilla
Von
Dario Azzellini
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| Ernte auf
einer Koka-Plantage (Historischer Strich) |
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Die
kolumbianischen Streitkräfte sind nicht mehr in der Lage,
den Vormarsch der Aufständischen aufzuhalten. Kolumbien braucht
dringend unsere Hilfe.
General Charles Wilhelm, US-South Command
US-Militärhilfe
für Kolumbien:
1997
123 Mill. US$
1998 169 Mill. US$
1999 289 Mill. US$
2000 1.600 Mill. US$
Seit
dem Beginn des ersten Friedensprozesses 1984 steigt die US-Militärhilfe
für Kolumbien beständig an. Nach der Verabschiedung
des Plan Kolumbien durch den US-Senat im Mai 2000
wird Kolumbien nun mit 1,7 Milliarden US Dollar nach Israel und
Ägypten zum weltweit drittgrössten Empfängerstaat.
Fünf Elitebataillone sollen mit der Unterstützung von
etwa 1.000 US-Offizieren aufgebaut werden, um den Süden
des Landes wiederzuerobern, so Madelaine Albright. Die Militärhilfe
umfasst neben Waffen, Black Hawk-Hubschraubern und Spionageflugzeugen
auch eine Menschenrechtsschulung für die Armee.
(Quellen:
El Espectador 1/2000, Noam Chomsky 4/2000, www.zmag.com 4/2000)
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Vergiftete
Tauben auf dem Platz San Ignacio in Medellin (1972) / Luz Elena
Castro
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Kolumbien ist mittlerweile
zum drittgrössten Empfänger von US-Militärhilfe nach
Israel und Ägypten avanciert. Das wichtigste von der US-Regierung
verwendete Argument für Militärhilfe an die kolumbianische
Armee ist stets der Antidrogenkrieg und insbesondere die vermeintlichen
Verbindungen der Guerilla zum Drogenhandel. Auch die aktuell in der
Diskussion stehenden 1,6 Mrd. US-Dollar die grösste Militärhilfe,
die Kolumbien jemals erhalten hat sollen primär der Bekämpfung
des Drogenhandels und -anbaus dienen. Wobei gleich hinzugefügt
wird, eine Bekämpfung der Guerilla falle mit in die Aufgaben der
Drogenbekämpfung, da die Guerilla in den Kokainanbau und -handel
verstrickt sei.
Die Behauptung einer Verstrickung der Guerilla in den Drogenhandel hält
sich eisern, obwohl niemals Beweise vorgelegt wurden und bis heute kein
Mitglied der Guerilla wegen Drogenhandel verurteilt wurde. Selbst die
Ermittlungen der kolumbianischen Staatsanwaltschaft im Zusammenhang
mit Drogengeschäf-ten deuten eher in Richtung politischer Eliten
und der Armee. So läuft seit mehreren Jahren ein Prozess gegen
zahlreiche Kongressabgeordnete und die gesamte Regierung des ehemaligen
Präsidenten Samper, in dessen Dienstmaschine 1996 auf dem Flughafen
von New York ein Paket mit 3,5 Kilogramm Kokain beschlagnahmt wurde.
Die kolumbianischen
Guerillas vertreten zwar verschiedene Positionen gegenüber dem
Drogenhandel, doch keiner kann eine Verstrickung in den Drogenhandel
nachgesagt werden, wie selbst Präsident Pastrana zu Beginn der
Gespräche mit der FARC öffentlich zugeben musste. Während
die FARC, in deren Gebieten der Kokaanbau eine zentrale Rolle spielt,
den Drogenanbau akzeptiert, Steuern von den Händlern kassiert und
die Bauern gegen Drogenmafia und Armee verteidigt, lehnt die zweite
grosse Guerilla ELN den Kokaanbau grundsätzlich ab. 1989 veröffentlichte
die Organisation eine für alle Einheiten bindende Grundsatzerklärung,
in der jedwede Beteiligung an Anbau und Handel untersagt und sozio-ökonomische
Massnahmen zur Substitution angekündigt wurden. In den Folgejahren
wurden die Koka-Pflanzungen im Nordosten der Region Antioquia stark
zurückgedrängt. 1995 liess die ELN der Europäischen Union
ein Konzept zur Beseitigung des Kokaanbaus in fünf Jahren zukommen.
Einzige Bedingung dafür war, dass die EU den betroffenen Bäuer/innen
Saatgut und Kredite zur Verfügung stellen müsse. Der Vorschlag
blieb unbeantwortet, stattdessen intensivierte die Regierung in Bogotá
auf internationalen Druck hin die Herbizideinsätze.
Wie die militärische
Antidrogenhilfe innerhalb der US-Armee im Sinne der Aufstandsbekämpfung
ausgelegt wird, macht eine Aussage des Deputy Assistant Secretary for
Inter-American Affairs im State Department, Michael Skol deutlich: Das
ist das kolumbianische Modell. Wir haben das Militär nicht im aktiven
Dienst in Kolumbien im Einsatz aber wir haben Militärhilfe,
die sich als bemerkenswert nützlich dabei erwiesen hat, die kolumbianische
Armee und Luftwaffe zu Einsätzen gegen Drogenziele zu bewegen.
Und wenn sie dabei auch die FARC angreifen, die Drogenlabors bewacht,
hilft das der Polizei, die Labors anzugreifen.
Wie abwegig die
Behauptung der US-Regierung ist, den Drogenanbau und -handel mit Hilfe
der kolumbianischen Armee bekämpfen zu wollen, wird deutlich, wenn
man bedenkt, wie eng kolumbianische Si-cherheitsorgane bereits während
der achtziger Jahre beim Aufbau der Pa-ramilitärs mit den grossen
Drogenhändlern kooperiert haben. Ab Mitte der achtziger Jahre,
so stellte am-nesty international fest, fand zunehmend eine personelle
Verschmelzung der sogenannten Selbstvertei-digungsgruppen
mit den Privatarmeen in den Diensten von Drogenhändlern statt.
Diese hatten in Regionen mit Guerillapräsenz grosse und ertragreiche
Ländereien aufgekauft, wodurch sich zwischen den Drogenbaronen
und örtlichen Armeekommandeuren eine Interes-sensübereinstimmung
einstellte. (amnesty 1994). In der Provinz Putumayo entstanden
der Comisión Andina de Juristas zufolge die paramilitärischen
Organisationen mit Verbindung zum Drogenhandel als bewaffnete
Apparate, um die Gebiete mit Kokainlabors zu kontrollieren, Kampagnen
sozialer Säuberungen gegen sozial Marginali-sierte durchzuführen,
Rechnungen zwischen Drogenhändlern zu begleichen und die bewaffnete
Kontrolle über ihr Einflussgebiet auszuüben, die Auseinandersetzungen
mit anderen Dro-genkartellen und Guerillaorganisationen umfasste, sowie
die Verfolgung der Volksbewegung und der politischen Opposition.
Zwischen 1992 und 1995 führten Soldaten der Brigade mit Sitz in
Cali im Auftrag von Drogenhändlern in Südwestkolumbien mehrere
Massaker durch, um widerspenstige Bäuer/innen aus dem Weg zu räumen.
Dabei unterliefen ihnen so viele Fehler, dass dem kolumbianischen Staat
die Verbrechen vor internationalen Gremien nachgewiesen werden konnten
und dieser die Verantwortung öffentlich zugeben musste.
Trotz aller gegenteiligen
Bekundungen ist es augenscheinlich, dass der Antidrogenkrieg in Kolumbien
(ebenso wie in Peru und Bolivien) weitestgehend gescheitert ist. Selbst
der US-amerikanische Rechnungshof stellte 1992 fest, dass die in den
beiden vorangehenden Jahren durch das Pentagon ausgegebenen zwei Milliarden
Dollar keine bedeutenden Auswirkungen auf den Dro-genschmuggel
gehabt hätten. Das gleiche Bild ergibt sich auch beim Anbau. So
hatte die kolumbianische Regierung 1994 einen Plan bekanntgegeben, innerhalb
von fünf Jahren den Drogenanbau und -handel zu zerschlagen. Fünf
Jahre später hat jedoch beides zugenommen, die Anbauflächen
von Koka und Schlafmohn haben sich spürbar ausgedehnt. Gleichzeitig
ist jedoch auch die Geldmenge gestiegen, die die USA in den Antidrogenkrieg
pumpt: Mittlerweile dürften die Ausgaben für Drogenbekämpfungsmassnahmen
der verschiedenen involvierten US-Behörden 20 Milliarden Dollar
jährlich ausmachen. So stieg allein das National Drug Control Budget
der US-Administration von 4,7 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1988
auf 15,1 Milliarden Dollar 1997, wovon etwa zwei Drittel auf die Bekämpfung
des Angebots und ein Drittel auf die Bekämpfung der Nachfrage zielen.
Hinzu kommen unter anderem die direkten Ausgaben des Pentagons und die
Militärhilfe. Es deutet vieles darauf hin, dass es bei den Aktivitäten
gar nicht primär um den Kampf gegen den Drogenhandel, sondern um
geopolitische Ordnungsversuche der US-Regierung ging. Mit der Gefahr
des internationalen Drogenhandels werden ausgedehnte Luftraumüberwachungen,
Aufstockungen der Militärausgaben, Militärhilfen für
lateinamerikanische Staaten, gemeinsame Manöver, Ausbildung und
auch direkte Interventionen begründet.
Die Heuchelei des
Antidrogenkrieges wird besonders deutlich, wenn berücksichtigt
wird, dass die meisten Chemikalien zur Verarbeitung der Kokapaste aus
den Industrieländern stammen. So kommen nach Angaben der US-amerikanischen
Drogenbekämpfungsbehörde DEA 70 Prozent des bei der Kokaraffinierung
verwandten Acetons und 33 Prozent des benutzten Äthers aus den
USA, der Rest vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus anderen Industriestaaten.
Im April 1999 wurden beispielsweise in Cartagena zwölf Tonnen der
zur Kokaraffinierung unverzichtbaren Pottasche beschlagnahmt, die aus
Belgien stammten. Doch die Ausfuhr der entsprechenden Chemikalien wird
kaum kontrolliert, das Geschäft für die Chemiekonzerne blüht.
Auch wird der vorwiegende Teil der Einnahmen aus dem Drogenhandel in
den Industrieländern reingewaschen, eine Kontrolle des Geldverkehrs
der transnationalen Unternehmen, aufgrund ihrer Struktur und ihres Finanzvolumens
die optimalen Geldwäscher, findet jedoch nicht statt.
Gegen die Legalisierung
der Drogen, nach Einschätzung vieler Drogenexperten der einzige
Weg, um die riesigen Gewinnspannen zu vermindern und durch Regulierungsmöglichkeiten
die illegalen Strukturen mit all ihren Konsequenzen für die Gesellschaft
zurückzudrängen, wehren sich die USA vehement. Vielleicht
weil Kokain eines der wenigen landwirtschaftlichen Exportprodukte ist,
das in der Region verarbeitet wird und vom Anbau bis zum internationalen
Vertrieb nicht von transnationalen Konzernen aus den Industrieländern
kontrolliert wird? Es ist der einzige erfolgreiche lateinamerikanische
Multi, wie der ehemalige peruanische Präsident Alan García
sagte. Vielleicht aber auch, weil der Drogenhandel auf widersprüchliche
Weise eine Schlüsselrolle bei der Wahrung geopolitischer Interessen
der USA spielt.
Von Dario Azzelini und Raul Zelik ist im ISP-Verlag 1999 das Buch Kolumbien
Grosse Geschäfte, staatlicher Terror und Aufstandsbewegung
erschienen.
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