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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - MAGAZIN Nr. 2/Sommer 2000 - Seite 16
FARC-EP: Die älteste Guerilla Lateinamerikas
[ Inhalt MAGAZIN Nr. 2.]
FARC-EP: Die älteste Guerilla Lateinamerikas

“Arturo Alape erzählte mir, dass Manuel Marulanda Vélez, der berühmte kolumbianische Guerillero, ursprünglich einen anderen Namen hatte. Vor vierzig Jahren, als er zur Waffe griff, hiess er noch Pedro Antonio Marin. Marulanda war damals wer anderer: einer mit schwarzer Haut, baumlang, Maurer von Beruf und Linker aus Berufung. Als die Polizisten jenen Marulanda totgeschlagen hatten, versammelten sich dessen Kampfgefährten und beschlossen, ihn weiterleben zu lassen. Durch einstimmigen Beschluss ging sein Name auf Marin über, der ihn seither trägt. Auch der Mexikaner Pancho Villa trug den Namen eines Freundes, den die Polizei getötet hatte”
Eduardo Galeano

Als 1948 der linke Präsidentschaftskandidat Elicier Gaitán ermordet wurde und die Violencia ausbrach, jenes Jahrzehnt, das Kolumbien in das Blut einer Viertelmillion Bauern tränken sollte, zog der Kommunist Pedro Antonio Marin in den Krieg. Nicht um für die Revolution zu kämpfen, sondern um seine Familie gegen die Banden der Grossgrundbesitzer zu verteidigen. 1953 ergriff das Militär die Macht und versprach Reformen. Die Bauernmilizen demobilisierten sich, auch Marin kehrte auf seine Finca zurück. Die Soldaten kamen und brannten sie nieder. Marin bereute sein Vertrauen in das Versprechen und griff erneut zur Waffe. Pedro Marin wurde Manuel Marulanda. 1964 war er einer der 48 Bauern und Bäuerinnen, die die selbstverwalteten Bauerndörfer Marquetalias gegen die Übermacht tausender Soldaten verteidigte. In der legendären Schlacht entstand das Agrarprogramm von Marquetalia, das Gründungsdokument der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens-Armee des Volkes: Fuerzas Revolucionarias de Columbia-Ejército del Pueblo (FARC-EP). Ihr Oberster Kommandant wurde Manuel Marulanda. Er sollte es bleiben, bis heute. Ein siebzigjähriger Kommunist, der stets ein Handtuch um den Hals trägt, ungern mit Journalisten spricht und seit 50 Jahren Krieg führt.

Die FARC-EP war und ist nicht die einzige Guerilla Kolumbiens. Die für ihre spektakulären Aktionen bekannte M-19, die von Che Guevara inspirierte ELN und die maoistische EPL waren die wichtigsten von knapp zwanzig weiteren bewaffneten Organisationen. Paradoxerweise verfolgte die militärisch mit Abstand stärkste FARC-EP, anders als die genannten Gruppen, niemals eine Strategie, in deren Mittelpunkt der bewaffnete Kampf stand. Eng verbunden mit der Kommunistischen Partei, galten die Waffen der FARC-EP immer nur dem Schutz der Bewegung der Arbeiter/innen und Bauer/innen. Die Gründung des breiten Linksbündnisses Unión Patriótica 1985 entsprach diesem Verständnis. Nach Jahren des erstarkenden Guerillakriegs war es 1984 zum Waffenstillstand zwischen FARC-EP, EPL und M-19 auf der einen, der Armee auf der anderen Seite gekommen. Die von der FARC-EP ausgehandelte legale Bewegung erwies sich als erfolgreich, bei den Wahlen errang die Unión Patriótica in ländlichen Gegenden grosse Erfolge. Aber während die Guerilla die Waffen ruhen liess, verlegte sich das Militär auf den Paramilitarismus. Bürgermeister und einfache Mitglieder der Unión Patriotica fielen unter den Kugeln von Attentätern, knapp 4.000 Menschenleben kostete die Legalität.

Dieser Frieden war nicht minder gewalttätig als der Krieg - die FARC-EP änderte ihre vorsichtige Strategie. Mitte der 90er Jahre war aus einigen hundert Guerilleros, die in kleinen Gruppen agierten, eine Volksarmee mit 15 000 Kämpfer/innen geworden, die der Armee offen die Stirn bieten konnte. Die FARC-EP, das Volksheer, besetzte mit mehreren tausend Kämpfer/innen Provinzhauptstädte und rieb die von US-Offizieren geleitete Eliteeinheiten auf. Über den unzugänglichen Süden und Osten des Landes, in dem der Staat noch nie wirklich vorhanden war, verlor die Armee die Kontrolle. In diesen abgelegenen Gegenden hat die FARC-EP mit Richtern und Gesetzen quasistaatliche Strukturen aufgebaut. Aber erst als der Lärm von Guerillaoffensiven auch in der Hauptstadt Bogotá zu hören war, dämmerte einem Teil der politischen Elite endgültig, dass der Krieg vorläufig nicht zu gewinnen ist. So begannen 1998 unter dem Präsidenten Pastrana erneute Friedensgespräche mit der FARC-EP. Seit zwei Jahren wird nun um Steuergesetze und Agrarreform verhandelt – ohne Waffenstillstand. Eine Entwaffnung kommt für die Guerilleros nicht in Frage, sie sehen ihre Zukunft als Kern einer neuen kolumbianischen Volksarmee. Wie die Waffen sind ihnen die Friedensgespräche ein Mittel, den Forderungen der Arbeiter/innen und Bauer/innen Nachdruck zu verleihen. Die Zukunft? Der Sozialismus, so die FARC-EP, mag in Osteuropa gescheitert sein, in der Dritten Welt ist es der Kapitalismus. Das neue Kolumbien kann nur ein sozialistisches sein.


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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:17
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