.: Hallo :.

Saturday, den 11.02.2012 - 05:58



.: online :.

»Editorial
»Online NEWS
»Ergänzungen zu Artikeln


.: zeitung :.

.: index :.
» alle Druckausgaben
» Materialien: Ergänzungen zu Artikeln
» Autor/innen-Index
» Foto-Index
» Editorial-Index
» SoOderSo-Webwatcher
» ...

.: service :.

» Impressum
» Vertrieb
» An die Redaktion
» Artikel schreiben
» Infodienst abonnieren
» SUCHEN

 
Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - MAGAZIN Nr. 2/Sommer 2000 - Seite 4-5
Eine Reise
[ Inhalt MAGAZIN Nr. 2.]
Eine Reise

Das vorliegende Magazin ist das Ergebnis der Eindrücke, Gespräche und Interviews, die wir für Libertad! im Januar 2000 auf einer Reise durch Kolumbien gewonnen haben. Vorangegangen war diesem Projekt der Austausch mit der kolumbianischen Delegation auf der internationalen Konferenz "Befriedung oder Befreiung? Perspektiven internationaler Solidarität - Freiheit für alle politischen Gefangenen", die im April 1999 in Berlin stattfand. 350 AktivistInnen aus 26 Ländern waren der Einladung gefolgt, darunter siebzehn Vertreter/innen kolumbianischer Menschenrechtsorganisationen, Anwaltsvereinigungen und der Guerillaorganisation FARC-EP.

Es folgte die Gegeneinladung an Libertad!: wir könnten, sollten der entmilitarisierten Zone, ein Gebiet unter Kontrolle der FARC-EP, einen Besuch abstatten. In dieser Region von der Grösse der Schweiz sitzen sich seit Anfang 1999 die Unterhändler der konservativen Regierung Pastrana und der FARC bei zwar immer wieder unterbrochenen, aber andauernden Friedensgesprächen gegenüber. Kennzeichnend ist, dass es in diesem Prozess nicht um die Entwaffnung und Integration der Aufständischen, letztlich um die Befriedung des Widerspruchs geht, der zu den bewaffneten Kämpfen des Kontinents geführt hat. Der vierzigjährige Krieg hat die Machtverhältnisse nicht grundlegend zum Kippen gebracht - aber die FARC-EP ist eine Macht, die grosse Teile des Landes kontrolliert und der Regierung Bedingungen diktieren kann. Die USA hat Kolumbien dementsprechend zum militärstrategisch prioritären Gebiet und die FARC zum Problem der nationalen Sicherheit (der USA) erklärt. Trotzdem: die Guerilla - nicht nur die FARC-EP, auch die ELN - sucht den Dialog.
Ein Friedensprozess mitten im Krieg.

Nach langem Tauziehen hat vor kurzem auch die ELN ein kleineres Gebiet von der Regierung zugestanden bekommen, in dem mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen ein gesellschaftlicher Dialog gesucht wird, um Lösungsmöglichkeiten für die gravierenden sozialen und politischen Probleme im Land zu entwickeln. Dass in diesem Magazin der
Schwerpunkt neben der Menschenrechtssituation auf dem Prozess der FARC-EP liegt, soll nicht als politische Stellungnahme missverstanden werden. Es entspricht dem, was wir erfahren haben durch die Kontakte, die wir knüpfen konnten. Ein Ausschnitt also.

Der politische Spielraum für legale politische Opposition ist durch den paramilitärischen Terror extrem eingeschränkt. Für die Aktivist/innen, die wir kennenlernen konnten, gehört die Todesdrohung zum täglichen Leben. In Kolumbien kommen jedes Jahr mehr Oppositionelle um als während der gesamten Pinochet-Diktatur. Knapp zwei Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Dies und den im 21. Jahrhundert ungebrochenen Kampf zweier kommunistischer Guerillaorganisationen vor Augen, ist es doch erstaunlich, dass die kolumbianische Realität hierzulande kaum "Thema" ist. Wir selbst waren erstaunt, wie wenig uns - nach vielen Jahren internationalistischer Aktivität - letztendlich davon bekannt war.

Die FARC-EP - für die einen respektvoll die älteste Guerrilla Lateinamerikas, für die anderen nur die "Narcoguerrilla". In Deutschland und Europa, auch in der solidaritätsbewegten Linken, geniesst sie ein ausgesprochen schlechtes Image. Also doch nur die Bilder von "Koka und Knarren" im Kopf? Gerne hätten wir hier diese Frage beidseitig erörtert: welche Bedeutung maß und mißt die FARC der Solidarität bei? Welche Gründe gab und gibt es für die bundesdeutsche Linke, die die Befreiungskämpfe in Nicaragua, El Salvador und Chiapas unterstützte, so wenig Augenmerk darauf zu legen, was in Kolumbien vor sich geht? Es gelang uns trotz intensiver Bemühungen leider nicht, Beiträge zu diesen Fragen zu erhalten.

Die nicht gekennzeichneten Artikel stammen von Sven Mayer, die Interviews und Reisenotizen von Anne Morell, beide Mitglieder von Libertad!
Für die tatkräftige Unterstützung in Kolumbien bedanken wir uns ganz herzlich bei Jairo Ramirez von der KP-Kolumbien, der Internationalen Kommission der FARC-EP und dem Anwaltskollektiv José Alvear Restrepo.
Juni 2000


[ document info ]
CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:17
[HOCH]Artikel empfehlendrucken
Interessiert an mehr Infos von u. über Libertad! - Abonniere den elektronischen So oder So-Infodienst

CopyLeft © SoOderSo & Libertad!