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Zeitung für internationale Solidarität für die Freiheit der politischen Gefangenen!
So oder So - Die Libertad!-Zeitung - MAGAZIN Nr. 2/Sommer 2000 - Seite 3
Redaktion SO ODER SO / Editorial
[ Inhalt MAGAZIN Nr. 2.]
Redaktion so oder so / Editorial

„Nur sanft sein heisst noch nicht gut sein.“ (Ernst Bloch). Mitten im Krieg: EZLN-Zapatisten wie alte Stadtguerillas der uruguayischen Tupamaros werden in internationalistischen Diskursen häufig zitiert. Widerstandskräfte Kolumbiens dagegen zumeist (wenn überhaupt) als zeitversetzte Verlängerung der historisch längst abgeschlossenen Epoche der Guerilla Lateinamerikas distanziert betrachtet. Liegt es am klassischen=„falschen“ Ton der FARC-Kommuniqués? Einen pfeifeschmauchenden, literarisch-beredten Commandante hat die FARC-EP nicht, dafür aber Hubschrauber und weiteres guerillaunübliches schweres Gerät. Ihr Oberkommandierender Manuel Marulanda (nome de guerre: „Sicherer Schuss“), spricht eher wenig und scheut die Öffentlichkeit. Gründe der auffallend linken Ignoranz? „Die Streitkräfte des Volkes (beweisen) ihre Widerstandskraft und obendrein die Ohnmacht von Armeen, die zur Unterdrückung und Abschreckung der Freiheit eingesetzt werden“. Worte über die kolumbianischen Verhältnisse 1963. Der sie wählte, Che Guevara, wies damals auch auf drohende erneute US-Interventionen hin und nannte als möglichen Ort: Kolumbien. Ein seltsam-„zeitloser“ Krieg also, während in den weiteren Ländern, die Che im gleichen Brief an den südvietnamesischen Widerstand als Focusse der lateinmerikanischen Rebellion ausmachte: Nicaragua, Guatemala, Paraguay, die Diktatur überlebte, die Guerilla im Frieden oder nach erfolgter Revolution wieder verlor? Die Libertad!-Mitglieder Anne Morell und Sven Mayer bereisten zum Milleniumswechsel auf Einladung der FARC kolumbianische Widerstandswelten. Ihre Interviews, Reisenotizen und Reportagen bilden den Schwerpunkt dieser Ausgabe.

Nachtasyl ist die „Kultur“-Rubrik. 1968 übermittelt das Fernsehen allabendlich in Nahaufnahme die neokolonialen Greueltaten der Kriege in Biafra (Nigeria) und Vietnam. Vielleicht zum ersten Mal in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft war visuell das Gemetzel des „freien Westens“ so dicht. Diese inzwischen fast vergessenen Bilder waren Katalysatoren moralischer Empörung, politischen Protestes, schlussendlich auch der Aufnahme des organisiert-bewaffneten Kampfes in den Metropolen. Wole Soyinka, nigerianischer Literaturnobelpreisträger, verarbeitete in „Der Häftling“ 1968 autobiographische Erfahrungen. Der Konspiration beschuldigt, sass er über zwei Jahre in Isolationshaft und entging nur knapp der Liquidation.
Zeit-Messung: Nguyen Duc Thuans Bericht ging 1973 von Ost nach West. Im DDR-Radiofeature erkannten die ersten RAF-Gefangenen nicht nur die Möglichkeit des Widerstandes unter jeglichen Bedingungen, sondern in der Beschreibung der südvietnamesischen „Tigerkäfige“ auch das rohe Pendant zur „sanften“ camera silence, der Totalüberwachung durch Isolation: weisse Folter. Margrit Schiller kämpfte in der RAF und musste diese Bedingungen erfahren. In der Medienkritik hat der Bewegung 2.Juni-Militante (und Redaktionsmitglied) a.-t. vogel ihre in einem jüngst erschienenen Buch gefassten Erinnerungen gelesen. Von Marx stammt der Satz: „Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft von Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten“. Mit Blick auf die Jetzt-Zeit liesse sich fortfahren: „Der Computer ergibt eine Gesellschaft von Globalisierern“. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Internet-Benutzer von 142 Millionen im Jahr 1998 auf 500 Millionen im Jahr 2003 steigen. In den Seitenansichten erkunden so oder so-webwatchers die elektronische Publizistik.
Chronik 2000: Kanzler Schröders vehement betriebene „Entschädigung“ der Zwangsarbeiter des Nazifaschismus ist Teil des deutschen Eintrittsgeldes in die imperialistische Normalität. Korbinian Pfeiffer analysiert die Hintergründe.

Ansonsten: das magazin erscheint max. 2x im Jahr. Die inhaltliche Spannbreite liegt zwischen Dokumentation (siehe Ausgabe 1, die noch immer bestellt werden kann) und Themenheft. Wer die So oder So abonniert, bekommt das magazin umsonst. Ein Förderabo unterstützt daher nicht nur das Erscheinen der Zeitung, sondern garantiert auch die kostenlose Zusendung des magazins. Ein vernünftiges Angebot also.

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CopyLeft © Libertad! / Dokument zuletzt geändert am 11.03.2006 - 18:17
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