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Redaktion
so oder so / Editorial
Nur
sanft sein heisst noch nicht gut sein. (Ernst Bloch).
Mitten im Krieg: EZLN-Zapatisten wie alte Stadtguerillas der
uruguayischen Tupamaros werden in internationalistischen Diskursen
häufig zitiert. Widerstandskräfte Kolumbiens dagegen
zumeist (wenn überhaupt) als zeitversetzte Verlängerung
der historisch längst abgeschlossenen Epoche der Guerilla
Lateinamerikas distanziert betrachtet. Liegt es am klassischen=falschen
Ton der FARC-Kommuniqués? Einen pfeifeschmauchenden,
literarisch-beredten Commandante hat die FARC-EP nicht, dafür
aber Hubschrauber und weiteres guerillaunübliches schweres
Gerät. Ihr Oberkommandierender Manuel Marulanda (nome
de guerre: Sicherer Schuss), spricht eher wenig
und scheut die Öffentlichkeit. Gründe der auffallend
linken Ignoranz? Die Streitkräfte des Volkes
(beweisen) ihre Widerstandskraft und obendrein die Ohnmacht
von Armeen, die zur Unterdrückung und Abschreckung der
Freiheit eingesetzt werden. Worte über die
kolumbianischen Verhältnisse 1963. Der sie wählte,
Che Guevara, wies damals auch auf drohende erneute US-Interventionen
hin und nannte als möglichen Ort: Kolumbien. Ein seltsam-zeitloser
Krieg also, während in den weiteren Ländern, die
Che im gleichen Brief an den südvietnamesischen Widerstand
als Focusse der lateinmerikanischen Rebellion ausmachte: Nicaragua,
Guatemala, Paraguay, die Diktatur überlebte, die Guerilla
im Frieden oder nach erfolgter Revolution wieder verlor? Die
Libertad!-Mitglieder Anne Morell und Sven Mayer bereisten
zum Milleniumswechsel auf Einladung der FARC kolumbianische
Widerstandswelten. Ihre Interviews, Reisenotizen und Reportagen
bilden den Schwerpunkt dieser Ausgabe.
Nachtasyl
ist die Kultur-Rubrik. 1968 übermittelt das
Fernsehen allabendlich in Nahaufnahme die neokolonialen Greueltaten
der Kriege in Biafra (Nigeria) und Vietnam. Vielleicht zum
ersten Mal in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft war
visuell das Gemetzel des freien Westens so dicht.
Diese inzwischen fast vergessenen Bilder waren Katalysatoren
moralischer Empörung, politischen Protestes, schlussendlich
auch der Aufnahme des organisiert-bewaffneten Kampfes in den
Metropolen. Wole Soyinka, nigerianischer Literaturnobelpreisträger,
verarbeitete in Der Häftling 1968 autobiographische
Erfahrungen. Der Konspiration beschuldigt, sass er über
zwei Jahre in Isolationshaft und entging nur knapp der Liquidation.
Zeit-Messung: Nguyen Duc Thuans Bericht ging 1973 von
Ost nach West. Im DDR-Radiofeature erkannten die ersten RAF-Gefangenen
nicht nur die Möglichkeit des Widerstandes unter jeglichen
Bedingungen, sondern in der Beschreibung der südvietnamesischen
Tigerkäfige auch das rohe Pendant zur sanften
camera silence, der Totalüberwachung durch Isolation:
weisse Folter. Margrit Schiller kämpfte in der RAF und
musste diese Bedingungen erfahren. In der Medienkritik
hat der Bewegung 2.Juni-Militante (und Redaktionsmitglied)
a.-t. vogel ihre in einem jüngst erschienenen Buch gefassten
Erinnerungen gelesen. Von Marx stammt der Satz: Die
Handmühle ergibt eine Gesellschaft von Feudalherren,
die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.
Mit Blick auf die Jetzt-Zeit liesse sich fortfahren: Der
Computer ergibt eine Gesellschaft von Globalisierern.
Schätzungen zufolge wird die Zahl der Internet-Benutzer
von 142 Millionen im Jahr 1998 auf 500 Millionen im Jahr 2003
steigen. In den Seitenansichten erkunden so oder so-webwatchers
die elektronische Publizistik.
Chronik 2000: Kanzler Schröders vehement betriebene
Entschädigung der Zwangsarbeiter des Nazifaschismus
ist Teil des deutschen Eintrittsgeldes in die imperialistische
Normalität. Korbinian Pfeiffer analysiert die Hintergründe.
Ansonsten: das magazin erscheint max. 2x im Jahr. Die
inhaltliche Spannbreite liegt zwischen Dokumentation (siehe
Ausgabe 1, die noch immer bestellt werden kann) und Themenheft.
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der Zeitung, sondern garantiert auch die kostenlose Zusendung
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die
redaktion
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