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Zelten für
Bewegungsfreiheit
Freedom of movement
ist die zentrale Forderung der No Border Camps in Südspanien, Ostpolen
und Slowenien Anfang Juli, bei den Aktionstagen gegen den Weltwirtschaftsgipfel
in Genua Mitte Juli und beim mittlerweile vierten »kein mensch
ist illegal«- Grenzcamp Ende Juli, das dieses Mal rund um den
Abschiebeflughafen bei Frankfurt am Main stattfinden wird.
[Artikel aus "deportation.class",
gemeinsame Zeitung von 'kein mensch ist illegal' und 'Libertad!' - Juni
2001, Seite 1]
Grenzcamp
im südspanischen Tarifa:
Die Straße von Gibraltar gilt seit Jahren als Massengrab der Festung
Europa. Denn Tausende von Flüchtlingen und MigrantInnen sind schon
ertrunken beim Versuch, von Marokko aus nach Europa zu gelangen, zumeist
mit kleinen Holzbooten, den pateras. Sie verloren ihr Leben
an einer militarisierten Seegrenze, an der die spanische Marine und
die Grenzpolizei alles dafür tun, um unerwünschte EinwanderInnen
abzufangen und gleich wieder auf den afrikanischen Kontinent zurückzuschieben.
Zwar
benötigt auch Spanien mehr und mehr MigrantInnen zur Deckung des
Arbeitskräftebedarfs. Jedoch stehen der zeitlich begrenzten Visaerteilung
für solche Arbeitseinsätze sowie limitierten Regula-risierungen
von Illegalisierten, die schon längere Zeit im Arbeitsmarkt integriert
sind, immer rigidere Maßnahmen gegen die illegale, unkontrollierte
Migration gegenüber. Aufrüstung der Grenzkontrollen, Abschiebungen
und Abschiebegefängnisse gehören mit dem Schengenbeitritt
und der europäischen Vereinheitlichungung der Migrationspolitik
auch in Spanien zunehmend zum Alltag. Vor diesem Hintergrund bereiten
antirassistische Gruppen aus mehreren spanischen Städten erstmals
ein Grenzcamp vor, das einerseits die bessere Vernetzung der Initiativen
anstrebt und andererseits nicht zufällig direkt am Brennpunkt der
Jagd auf Einreisende, der Stadt Tarifa an der Südspitze Spaniens,
stattfindet. Neben Öffentlichkeitsaktionen, die an die Bevölkerung
gerichtet ist, die sich durchaus der von Madrid aus geschürten
Denunziationsstimmung widersetzt, sollen auch Neuankömmlinge direkt
unterstützt werden.
Grenzcamp
in Bialystok/Krynki in Polen:
Bereits zum zweiten Mal laden Gruppen aus Polen zu einem Grenzcamp ein.
Nachdem vergangenes Jahr ein Pilotprojekt im Dreiländereck zur
Ukraine und der Slowakei stattfand, werden dieses Jahr die Zelte in
der Nähe von Bialystok an der weißrussischen Grenze aufgeschlagen.
Die Forderung nach Freizügigkeit richtet sich in erster Linie gegen
die migrationspolitischen Bedingungen, die Polen im Rahmen der anstehenden
EU-Mitgliedschaft zu erfüllen hat und insbesondere an dessen Ostgrenze
immer deutlicher zu spüren sind. Verschärfte Einreisebestimmungen
oder gar Visumspflicht zerstören nicht nur den regional sehr bedeutenden
grenzübergreifenden Kleinhandel. Das neue Grenzregime zerschneidet
auch gewachsene Verbindungen in traditionell multiethnisch geprägten
Regionen wie im Gebiet von Bialystok. Große Teile der dort lebenden
Bevölkerung sehen die mit EU-Geldern finanzierte Grenzaufrüstung
entsprechend kritisch. Der Vorbereitungskreis des polnischen noborder-camps
ist international zusammengesetzt: Gruppen aus Grodno und Minsk (Weißrußland),
aus Kiew (Ukraine) und Moskau beteiligen sich neben den polnischen Gruppen
an der Programmgestaltung.
Grenzcamp
in Petisovci bei Lendava in Slowenien:
Die Vorverlagerung der Abschottung, den Druck, den die EU in Sachen
Grenzkontrollen auf Slowenien ausübt, thematisiert auch das »Open
borders summer camp«, das in unmittelbarer Nähe zur ungarischen
und kroatischen Grenze stattfinden wird. Schon in den vergangenen Monaten
wurden mehrere antirassistische Kundgebungen veranstaltet, die zumindest
auf die Medienberichterstattung Einfluß nehmen konnten, wenngleich
dies die zunehmend repressiven, staatlichen Vorgehensweisen gegenüber
Flüchtlingen und MigrantInnen nicht verändert hat. »Right
of global movement and universal citizenship« sind zentrale Forderungen,
die die slowenischen AktivistInnen gemeinsam mit Gruppen im benachbarten
Italien entwickelt haben. Ein transalpines Netzwerk zielt auf eine grenzfreie
Region zwischen Adria und Alpen, die Mobilisierung nach Genua spielt
insofern auf dem slowenischen Camp eine wichtige Rolle.
Aktionstage
gegen den G-8-Gipfel in Genua:
Die Karawane aus Österreich wird zunächst im Camp in Slowenien
Station machen, um dann gemeinsam mit dortigen TeilnehmerInnen nach
Genua aufzubrechen. »Ein neues Gespenst geht um in Europa, das
der Illegalen, der MigrantInnen, der Flücht-linge...« So
beginnt der Aufruf italienischer AktivistInnen für den 19. bis
22.Juli nach Genua, wo den Mächtigen anläßlich des Weltwirtschafts(G-8)-Gipfels
ein heißer Empfang bereitet werden soll. Ein antirassistischer
Ansatz steht demnach im Mittelpunkt der Mobilisierung gegen dieses Symboltreffen
neoliberaler Politik, der Kampf gegen die Mauern der Festung Europa
wird in den Kontext antikapitalistischer Bewegung gerückt. Dementsprechend
beginnen die Aktionen am 19.Juli mit einem »Tag der MigrantInnen«.
Getragen wird diese Auftaktdemonstration einen Tag vor Gipfelbeginn
von MigrantInnencommunities aus Genua, mobilisiert wird zudem von den
»italienischen Sans Papiers«, die in den vergangenen Monaten
in einigen Städten beachtliche Erfolge in ihren Kämpfen für
Legalisierungen verbuchen konnten. Am 20. Juli starten frühmorgens
die Blockadeaktionen, die ausdrücklich die Verhinderung des G-8-Gipfels
zum Ziel haben. Eine zentrale Rolle wird hierbei den Gruppen zukommen,
die als sog. »Tute Bianche« behelmt, unter den weißen
Overalls gut ausgepolstert und mit LKW-Reifen gegen Polizeiketten vorgehend,
mittlerweile europaweit für Aufsehen gesorgt haben. Je nach Verlauf
dieser Blockaden wird sich der nächste Tag in Genua gestalten:
Fortsetzung der Blockaden und/oder Teilnahme an einer Großdemonstration,
zu der auch viele linke Parteien und Gewerkschaften aufrufen, und zu
der über 100.000 Menschen erwartet werden.
"kein
mensch ist illegal"-Grenzcamp bei Frankfurt am Main:
Nach drei Camps gegen die Jagd auf Flüchtlinge und MigrantInnen
an der Grenze zu Polen und Tschechien, zielt das diesjährige Projekt
auf die »wichtigste Binnengrenze« der BRD: auf den Rhein-Main-Airport
als Abschiebeflughafen Nr. 1 sowie auf das dort eingerichtete Internierungslager.
Das Camp in Frankfurt will darüberhinaus rassistische Kontrollen
und Razzien in den Innenstädten thematisieren und die vorgeblich
multikulturelle Metropole im Hinblick auf die neuen migrationspolitische
Entwicklungen herausfordern. Programm und aktuelle Informationen unter:
<http://www.aktivgegenabschiebung.de>
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