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Lets go.to/online-demo
* Links im Netz und andere Verknüpfungen
[Artikel aus "deportation.class",
gemeinsame Zeitung von 'kein mensch ist illegal' und 'Libertad!' - Juni
2001, Seite 2]
Die Bewegungsweise einer Information ist nicht identisch mit der Bewegungsweise
einer Auseinandersetzung. Ist das erste vielleicht auch eine Frage der
Menge und Geschwindigkeit, ist das zweite vor allem eine Frage der Tiefe
und praktischen Orientierung."
Vor Jahren plakatierte der inzwischen längst verblichene linksradikale
Mailboxverbund SpinnenNetz diesen Satz. Er hat seine Aussagekraft über
die Jahre nicht verloren. Im Gegenteil: Die Geschwindigkeit, mit der
uns Informationen über Ereignisse und Aktivitäten - der Linken,
mehr noch aber über die unterdrückerischen Maßnahmen
der verschiedensten Staatsapparate rund um den Globus - vorliegen, ist
realtime. Nahezu alles ist heute erfahrbar, soweit es elektronisch verfügbar
ist. Das hat unsere Wahrnehmungsweise verändert, nicht aber unbedingt
unsere Praxis. Wie nie zuvor entlarvt sich der Vorbehalt, es müßten
erst mehr Infos vorliegen, bevor etwas zu machen wäre. An schnellen
Meldungen mangelt es nicht, auch nicht an einer Fülle von Hintergrundinformationen.
Es ist alles da - es kommt aber immer noch darauf an, was wir aus den
Nachrichten machen. So ist Information nichts, wenn sich aus ihr keine
Konsequenzen ergeben. Und so sind es die Mühen realer Aktivität,
das Planen, Agitieren und Organisieren, aus denen alles entspringt.
Weltweiter Widerstand
Als Geisterfahrer auf der Datenautobahn fühlen wir uns nicht. Das
Internet hat sich längst als öffentlicher Raum etabliert.
Hier werden Geschäfte gemacht, Kriegspropaganda betrieben, Ideologie
produziert - wie in der wirklichen Welt auch. Ein öffentlicher,
aber kein freier Raum, wie die Straße nicht uns gehört, sondern
sie immer wieder erobert werden muss. Das Internet ist schon jetzt für
uns ein Medium der gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions-
und Solidaritätsgruppen, der Verabredung zur gemeinsamer Praxis.
Mumia Abu Jamal, Chiapas, Seattle, Prag oder auch Porto Alegre stehen
als Namen und Orte für einen sich weltweit vernetzenden Widerstand,
der sich im virtuellen Raum verständigt, um real zu handeln. Mit
der ersten Online-Demo in Deutschland gehen wir einen Schritt weiter.
Im Internet kollektiv solidarisch handeln gegen staatlichen Rassismus
und Menschenmisshandlung, eröffnet, wie wir hoffen, neue Aktionsformen,
die auch zu ganz anderen Anlässen
Den virtuellen Raum nutzen
und anderen Zwecken zur Wirkung kommen können. Denkbar sind ähnliche
Proteste gegen Firmen, die sich weigern, Zahlungen an NS-ZwangsarbeiterInnen
zu entrichten oder ihren Profit mit der Produktion von Überwachungs-
und Repressionstechnologien erwirtschaften. Auch wenn der online-Protest
in seiner Materialität nicht zu fassen ist, kann er durchaus handfeste
Folgen haben. Trotz der Symbolik bleibt der reale Ausgangspunkt die
Teilnahme Vieler. Um die Simulation einer Realität geht es dabei
nicht, sondern den virtuellen Raum mittels massenhaften und realen Protest
zu nutzen - um in die herrschenden Verhältnisse zu intervenieren.
Und die sind ebenfalls alles andere als virtuell. Die neuen Sitzblockaden
auf dem Datenhighway machen Sinn und können politische Wirkung
haben. Nur eins sind sie nicht: Ersatz für den Protest in der harten
Realität der herrschenden Verhältnisse. Wenn geglaubt wird,
dass der Mausklick im Internet die Anstrengung des offline-Aktivismus
ersetzt, wird die Form zum Inhalt und erliegt der gute Gedanke der Verblendung
der Simulationsindustrie.
Kein Mausklick macht satt, keine Internet-Blockade ersetzt die reale
Demontage der Herrschaft. »let's go.to/online-demo« ist
eine der Kampagnen von »Libertad!«. Eine andere versucht
Solidarität und Unterstützung mit dem Hungerstreikkampf der
politischen Gefangenen in der Türkei zu organisieren. Am 19. Dezember
wurden innerhalb weniger Stunden 31 Gefangene massakriert, als türkische
Militärs ihre eigenen Gefängnisse stürmten und hunderte
Gefangene in Isolationszellen verschleppten. Die Bilder rauchender Knäste
waren auf allen türkischen Kanälen online. Und der Hungerstreik
geht weiter - 22 Gefangene starben bislang. Das ist die Hardware...
Redaktion "So oder So"/Libertad!
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