![]() |
||||||
|
||||||
|
|
Eine Demo durch Frankfurt, da
sollte die Wertpapierbörse nicht fehlen. Denn sie ist ein Symbol für Macht und Kapital, aber auch für Angriff und Widerstand weltweit. Frankfurt, schon seit hunderten von Jahren Handels -und Bankenzentrum, wird jetzt Europas Finanzplatz Nr.1. Fast jede Bank der Welt hat hier eine Filiale. Auch durch das Zusammenspiel von Bundesbank und Europäischer Zentralbank (EZB) hat die Frankfurter Börse eine zentrale Stellung im europäischen Kapitalmarkt. Die Vereinigten Staaten von Europa sind eine technokratische Diktatur. Und dafür ist die Rhein-Main-Region eine der Steuerungszentralen. Hier wird das Geld gemacht. Und die Börse ist der Götze des Mammons. Hier macht man die schnelle Mark, hier werden ganze Volkswirtschaften verjubelt. Sie reden vom "Europa ohne Grenzen", vom freien Kapital- und Warenverkehr. Wir wissen, daß dieses Europa für uns grenzenlose Armut, Ausbeutung, Kontrolle und ökologische Zerstörung heißt. Ich war vor 9 Jahren schon mal hier. Zusammen mit anderen stürmten
wir die Börse und warfen Mollis auf die Computer. Unser Ziel war:
zumindest kurzfristig die Börse in ihrer Funktion lahmzulegen, aber
auch die strategische Ausrichtung Frankfurts zu behindern. Leider waren
die beschädigten Computer nach einigen Stunden ausgewechselt. Und
die Börsianer stolz auf ihr "Business as usual". Eine Parole der Aktion lautete: Den Aufstieg des euroäischen
Imperialismus hindern und zu Fall bringen! Was ist nun mit dem Euro? Gehören wir mit dieser Demo auch zu den deutschnationalen D-Mark-Verteidigern? Manche Argumente linker Währungshüter klingen so. Da wird eine Finanzplutokratie gewittert, die "nationale Rechte" aushebelt und heimtückisch unser Land der hemmunglosen Globalisierung preisgibt. Also rettet die D-Mark? Von wegen! schon 1971 stellte die mozambikanische Befreiungsbewegung Frelimo in einem Brief an Bundeskanzler Willy Brandt fest, daß es langsam Zeit wird, daß die Deutsche Mark ihren Geschmack von Blut und Leiden verliert. Also, scheißen wir auf die D-Mark. Reden wir nicht vom Geld, reden wir von den Verhältnissen. Ob drei oder vier Währungen oder Europäisches Einheitsgeld,
keine dieser Perspektiven ist besonders verteidigungswert! Sollen sie
doch die Euro - Aber das ist natürlich nicht Sinn und Zweck dieser "europäische Vereinigung". Denn außer, daß wir innerhalb Europas kein Geld mehr umtauschen brauchen, haben wir ja nichts davon. Oder haben wir Produkte und Dienstleistungen, die wir europaweit zu gleichen Konditionen unters Volk bringen wollen? Nein, natürlich nicht. Wir sehen, wenn wir nichts davon haben, dann ist es auch nicht für uns gemacht. Ja, noch immer gilt: Eigentum ist Diebstahl am Volk. Und an der Börse wird mit dem Diebesgut gehandelt. Jede Aktie ist ein Anteilschein am Eigentum, das uns gehört. Seien es Fabriken, Grundstücke oder Hightechlabors. Und am liebsten möchte man uns das Diebesgut noch mal verkaufen. Ein Volk von Kleinaktionären sollen wir werden, nach dem Motto, wer sich erst an dem Unternehmen "Standort Deutschland" beteiligt, wird es schon nicht zur Explosion bringen. Auch wenn's manche altmodisch finden, die Eigentumsfrage ist noch
immer eine der Hauptfragen: Wem was warum gehört. Und beantworten
läßt sich diese Frage nur, wenn wir die Verhältnisse wieder
zurechtrücken: die Kapitalisten und Banker enteignen. Von einem Tag
zum anderen hat dann die Börse keine Funktion mehr. Wenn allen alles
gehört, wenn die Produktionsmittel in Volkes Hand sind, ist den Börsen
der Stoff ausgegangen. Und das es ab und zu mal kracht - na gut. Und das nicht nur am "schwarzen
Freitag" 1929, dem Tag des größten Massensterbens in der
Spekulationsgeschichte. Damals sprangen in der New Yorker Wallstreet dutzende
Banker aus dem Fenster. Und weil die Börse ein Symbol des Kapitalismus ist, ist sie auch
immer wieder Ziel von Aktionen: Sicher, diese Aktionen hatten unterschiedliche Zwecke und Hintergründe, aber eins haben sie gemeinsam: Die Börse als Sinnbild des Kapitalismus. Und dieser Kapitalismus ist aggressiver denn je. Es ist nichts anderes
als ein permanenter Kriegszustand. Wenn diese Beschreibung des Kapitalismus als ein permanenter Kriegszustand richtig ist, und sie ist es. Dann muß sich eine Linke die Frage gefallen lassen, wie sie diesem Krieg begegnet. Klar, unsere Kräfte sind bescheiden. Aber die Frage ist: Rettet sie in den Industriemetropolen, in diesen Reichtuminseln ihre noch immer vorhandenen Privilegien gegenüber den Ausgegrenzten dieser Welt oder versucht sie Antworten zu finden, die den Verhältnissen angemessen sind. Und angemessen kann nur heißen: Antworten zu finden, die auf die Überwindung des Kapitalismus hinarbeiten. Über die Wege und die politischen Vorstellungen wird man streiten. Erfahrungen, wie es nur begrenzt geklappt hat gibt es einige. Großer Optimismus herrscht gerade nicht. Wir sollten uns nur gemeinsam darauf verpflichten, die Antworten auf den kapitalistischen Krieg zu suchen und sie auch zu geben. Ob es gemeinsame sein werden, werden wir sehen. Gerade im Rhein-Main-Gebiet haben wir sehr viele Möglichkeiten zu
stören, einzugreifen und zu behindern. Einzelne Regionen haben fürs
Kapital eine spezifische Bedeutung. Je wichtiger sie für die Menschenfresser
sind, desto mehr Möglichkeiten haben wir ihnen die Suppe zu versalzen. Nein, nicht das Glück liegt auf der Straße. Aber all das,
was uns davon abhält glücklich zu sein. Man muß sich nur
umschauen und ein wenig Mut, List und Phantasie entwickeln. [HOCH] [Kontakt: Über Literaturversand,
Falkstr. 74, 60487 Frankfurt]
[ CopyLeft: Nieder mit dem bürgerlichen CopyRight! Alles was für die Öffentlichkeit geschaffen wurde, gehört auch allen. Warum wäre es sonst publiziert worden? Natürlich, hier ist es unsere Arbeit, unsere Ansichten, Meinungen und Schlußfolgerungen. Ihr könnt sie euch zu eigen machen und damit übereinstimmen. Geändert werden können sie aber nur durch Diskussion, nicht durch Willkür und technische Manipulation. Deshalb gilt für unsere Publikationen, dass alle sie weiter veröffentlichen können. Bestehen tun wir auf Quellenhinweis und Nachricht an uns (bei Druckerzeugnissen auf ein Belegexemplar) und natürlich darauf, dass nichts ohne Absprache mit uns verändert wird. Bei Veröffentlichungen kommerzieller Art muss vorher unser Einverständnis eingeholt werden. Sofern es nicht anders vermerkt ist liegt das Copyleft © des WebDesign by MachWerk und das CopyLeft © der Texte by Kein Friede ] |
|||||
|
|
||||||