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Es sind Texte über den Aufbau des KZ Buchenwald, und vor allem über den Aufbau und die schrittweise Übernahme der inneren Selbstverwaltung durch die kommunistischen und antifaschistischen Gefangenen. Ein Sieg dieser jahrelangen Arbeit war die Rettung von 903 jüdischen Kindern. Dazu gehören auch die Sabotageaktionen durch ZwangsarbeiterInnen in der NS-Rüstungsproduktion, die Waffenbeschaffung in den Vernichtungsfabriken, ohne die der Aufstand nicht möglich gewesen wäre. Orginaldokumenten kommt an dieser Stelle besondere Bedeutung zu. Heute, 50 Jahre später, wird der antifaschistische Widerstand denunziert und verfälscht. Staatlich forcierte Abwicklung der Widerstandsgeschichte macht die Entfaltung revanchistischer Großmachtpolitik einfacher. Mit der wissenschaftlich aufbereiteten Erfahrung "des Totalitarismus von rechts und links" soll alles eingemacht werden. Die deutschen Opfer der alliierten Kriegsbombardements und die Opfer der faschistischen Vernichtungspolitik: alles wird gleichgesetzt, alle haben gelitten - das Unrecht ist verteilt. So wird die historische und zukünftige Verantwortung eingeebnet im demokratischen Diskurs. Die Geschichte kann abgeschlossen werden. Nun ist man "demokratisch gewappnet". Mehr noch, die "deutsche Besonderheit", "die Erfahrung des doppelten Totalitarismus" ist die ideologische Aufrüstung und der Genuß des späten Sieges der alten und neuen imperialistischen Macht. Man hat gewonnen. Das Ende des "Leidensweges" wird auf den Tag des Zusammenbruchs der alten DDR datiert. Den seit über 10 Jahren öffentlich betriebene Geschichtsrevisionismus ordnen wir nicht als zufällig unterschiedliche Interpretationen der Geschichte ein. Im Gegenteil, damit werden Grundlagen für gegenwärtige und zukünftige Politik gelegt. Der Versuch, die Erfahrung, daß auch in scheinbar ausweglosen Situationen Widerstand möglich ist, staatspolitisch zu säubern - unterfüttert mit den neuesten "Sensationen" aus den Giftschränken des alten SED-Parteiarchivs - findet genau dort seinen Platz. Es geht nicht nur um Buchenwald, es geht auch nicht um die angebliche oder tatsächliche Verstrickung und Kungelei einzelner Häftlinge mit ihren mörderischen Bewachern. Abgeurteilt und moralisch diskreditiert werden sollen in "wissenschaftlicher" Präzision diejenigen, die die faschistische Vernichtung überlebten, und die in der Mehrzahl versuchten im Rahmen der ehemaligen DDR einen nichtkapitalistischen Gesellschaftsentwurf zu verwirklichen. Eine Auseinandersetzung damit kann sich nicht auf die Zeit bis 1945 beschränken. Daher auch ein paar kurze Beiträge, die sich mit dem Revisionismus am Beispiel Buchenwald beschäftigen. Bewußt sind es Stellungnahmen ehemaliger Häftlinge und Teilnehmer am Aufstand. Der antikapitalistische und antiimperialistische Widerstand hat sich in der BRD in den letzten 25 Jahren zum Teil sehr bewußt aus Schlußfolgerungen aus dem Kampf der KPD im Faschismus entwickelt. Die Kritik revolutionärer Gruppen am Organisationskonzept der KPD, die Ablehnung einer mechanistischen Übertragung auf die bundesrepublikanischen Verhältnisse nach 1968, hatte im Ursprung nur wenig mit dem Vorwurf des "kleinbürgerlich-anarchistischen Abenteurertums" zu tun, wie es die diversen ML-Gruppierungen der 70iger Jahre, und vor allem die legalistische DKP, unendlich wiederholten. Unsere Ablehnung an einer autoritären, dem demokratischen Zentralismus verpflichteten Parteihierarchie, der Trennung von Politik und Militär, der Spaltung in Führung und Basis, basierte nicht nur auf der Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen, sondern war auch eine entscheidende Konsequenz aus der Niederlage der KPD gegenüber dem Nazifaschismus. In keinster Weise vorbereitet, die Illegalität nur als letzten defensiven Rückzugsraum begreifend, konnten die Nazis im Handstreich den gesamten Parteiapparat durch Verhaftung und spätere Liquidierung des ZK und der Führungskader ausschalten. Das "zahlenmäßig stärkste und bestorganisierteste Proletariat der Welt" (Lenin) streckte seine Waffen, ohne sie jemals erhoben zu haben. Die Basis, in einer starren und obrigkeitsfixierten Parteihierarchie erzogen, hat es nicht gelernt selbstständig und unabhängig von politischen Anweisungen die Sache in die Hand zu nehmen. Sie wartete ab. Und das lag nicht an ihrer mangelnden Kampfbereitschaft. Unter großer Opferbereitschaft wurden aus der Illegalität unzählige Flugblätter gegen den faschistischen Terror produziert, gefährdete Genossinnen und Genossen ins Exil geschleust. Viele deutsche Kommunisten und Kommunistinnen kämpften mit allem Mut in Spanien. Im Nazideutschland wurde dagegen aufgrund der offiziellen Parteilinie keine Waffe organisiert erhoben. Die wenigen, die es taten, handelten zum Teil im ausdrücklichen Widerspruch dazu. In Buchenwald begann die KPD unter den Bedingungen des absoluten Terrors, der tagtäglichen Folter und Vernichtung, den Widerstand und letztlich den bewaffneten Aufstand zu organisieren. Das hebt Buchenwald aus der kommunistischen Widerstandsgeschichte gegen den Nazifaschismus heraus, das zeichnet die Selbstbefreiung aus. Daß bei dem Versuch die innere Kontrolle des Lagers zu erlangen, die illegal operierenden Kader und Funktionsträger möglicherweise auch zum Teil nach parteiintener Opportunität handelten, oder Einzelne Vergünstigungen innerhalb der Lagerordnung individuell ausnutzten, können wir uns ohne Schwierigkeiten vorstellen. Warum soll in Buchenwald etwas anderes geschehen sein, wie es in jedem Kampf, in jeder kämpfenden Organisationen auf der Welt, und gerade unter den extremsten Bedingungen menschlicher Existenz, passieren kann und immer wieder passiert? Wir wissen selbst, daß etwa parteiinterne Auseinandersetzungen mit vermeintlichen oder tatsächlichen "Abweichlern" in der KPD nur selten gerecht und demokratisch gelöst wurden. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber die, die jetzt als aufrechte Bewahrer der weißen Weste schulmeisterlich und akademisch die moralischen Benotung vornehmen, können uns gestohlen bleiben. Sie wissen nichts vom Kampf und seinen Widersprüchen. Sie wissen nicht was zählt, worauf es ankommt, und was kritisch diskutiert und begriffen werden muß. Fakt ist der Widerstand, die internationale Solidarität und Hilfe, Fakt ist die bewaffnete Selbstbefreiung unter Leitung des ILK und seinem militärischen Ausschuß. Genau das soll in der neuen Gedenkstätte relativiert und zubetoniert werden. Auf ihre Gestaltung hatten ehemalige Häftlinge keinen Einfluß. Noch leben einige von ihnen und können sagen wie es wirklich war, was den Widerstand ausgezeichnet hat, wer ihn verantwortlich organisiert und siegreich durchgeführt hat. Die "Neuorientierung" in der aktuellen Gedenkstätte ist die versuchte Antizipation des "Danach". Die Erfahrung, daß auch in scheinbar ausweglosen Situationen Widerstand möglich ist, soll ausgelöscht, gerade der deutsche kommunistische Widerstand für immer moralisch korrumpiert werden. April 1995 [HOCH][Kontakt: Über Literaturversand,
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