mg wurde nicht enttarnt

Presseberichte zur angeblichen Enttarnung der militanten gruppe (mg)


Initiative Libertad!
Falkstr. 74
60487 Frankfurt

24.11.2003

Zu den Pressemeldungen über die "Enttarnung der Anführer der militanten gruppe (mg)"
Viel Rauch, kein Feuer

Am 8.11.2003 lancierte das Magazin Focus die Vorabmeldung, dem Bundeskriminalamt seien die "Anführer der militanten gruppe (mg) ins Netz gegangen." Zahlreiche Medien übernahmen und verbreiteten die Meldung, in der vier Männer aus Berlin mit Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt wurden. Am Montag, den 10.11.2003 erschien schließlich ein Artikel, in dem Details aus abgehörten Telefongesprächen wiedergegeben und über das Privat- und Arbeitsleben der Betreffenden berichtet wurde. Der Autor der reißerischen Geschichte, Focus-Redakteur für "besondere Aufgaben" Josef Hufelschulte, ist einschlägig bekannt. Er verfasst kaum einen Artikel, der nicht auf unbestätigten "Informationen" aus dem Geheimdienstmilieu beruht.

Die militante gruppe hat seit dem Jahr 2001 mehrere Anschläge unternommen, unter anderem gegen multinationale Konzerne, Justizbehörden und Arbeitsämter. Sie hat sich an einer Diskussion über militante Politik in linken Medien intensiv beteiligt. In den vergangenen Monaten wurde mehrfach berichtet, dass Staatsschutzbehörden deshalb unter starkem Druck stehen, Erfolge in der Fahndung gegen die Gruppe vorzuweisen. Zuletzt wurden in der Woche vor der Focus-Meldung Überlegungen bekannt, deshalb eine Sitzung der Koordinierungsgruppe Terrorismus (KGT) einzuberufen.

Wir erklären dazu:
Die vier Personen sind keiner Sicherheitsbehörde ins Netz gegangen. Es gab weder Festnahmen noch Hausdurchsuchungen. Die Beschuldigungen gegen die vier Personen wurden in den Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen erhoben; vom BKA gibt es dazu keine Stellungnahme. Ein Fahndungserfolg gegen die militante gruppe ist dies offensichtlich nicht.

Die vier Personen sind langjährige politische Aktivisten. Sie arbeiten unter anderem in Initiativen, die sich für die Entschädigung der NS-ZwangsarbeiterInnen und für die Freiheit von politischen Gefangenen einsetzen; einige sind Mitglieder der Initiative Libertad!.

Mit publizistischen Tricks wird der Öffentlichkeit ein Fahndungserfolg gegen "gefährliche linksradikale Terroristen" vorgegaukelt. Das mag verschiedene Gründe haben. Sicherlich stehen sie alle in Zusammenhang mit der Kriminalisierung linker Politik und dem Versuch, Initiativen und AktivistInnen zu verunsichern. Seit Jahren beschuldigt ein vom Staatsschutz abhängiger Kronzeuge im Verfahren um die Revolutionären Zellen zahlreiche Berliner Linke. Aktuell versuchen die Staatsschutzbehörden, die Magdeburger Linke mit einem Terrorismusprozess gegen drei Antifaschisten einzuschüchtern.

Im Magdeburger Verfahren zeigt sich, dass das BKA keine Skrupel hat, kriminelle Methoden einzusetzen, wenn die Beweislage dünn ist: Bei Verhören erpressten sie Aussagen mit der Drohung, die sexuelle Orientierung eines Zeugen dessen Verwandten zu offenbaren. Es zeigte sich auch, dass der Staatsschutz mit seinen schmutzigen Methoden kaum Erfolge vorweisen kann. Am 25. Oktober demonstrierten 2000 Menschen eindrucksvoll ihre Solidarität mit den drei angeklagten Magdeburger Antifaschisten. Am 21. November kamen sie frei.

Linke Politik verteidigen!
Initiative Libertad!


ak - analyse + kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 478 / 21.11.2003

Von wegen Fakten, Fakten, Fakten
Focus fantasiert Berliner "Terroristen" herbei
"BKA enttarnt angebliche Extremisten" (Berliner Zeitung), "Feierabend-Terroristen auf der Spur" (Die Welt) oder "BKA kreist Militante ein" (Berliner Kurier) - die Vorabmeldung des Focus zeigte seine beabsichtigte Wirkung. Aus einer internen Quelle des Bundeskriminalamts (BKA) entsprechend versorgt, machte das "moderne Nachrichtenmagazin" aus München aus Mutmaßungen und Unterstellungen eine Skandalstory - das besondere Perdu: Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder durfte eine Statistenrolle spielen. Dass an der Sache nichts dran ist, musste selbst das BKA zugeben. Doch offenbar ist jedes Mittel recht, um den Druck auf die militante gruppe (mg) zu erhöhen und deren Gefährlichkeit ins Maßlose zu steigern.

Reißerischer geht es wohl kaum noch: Unter der Überschrift "Familienfoto mit Kanzler" (1) veröffentlichte der Focus die Geschichte seines Autors Josef Hufelschulte, der für seine intimen Kontakte zu den Staatsschutzbehörden sattsam bekannt ist. Handfestes hat der Staatsschutzschreiberling jedoch nicht zu bieten: Nach "zuverlässigen Focus-Informationen" habe das BKA vier Berliner im Alter zwischen "30 und 49 Jahren" identifiziert, "die zum konspirativen Kern der ,Militanten Gruppe` gehören sollen". Der Tipp sei vom Berliner Verfassungsschutz gekommen, die Personen stünden bereits längere Zeit unter Beobachtung, hätten aber alle keine "dicke Staatsschutzakte", wusste Focus zu berichten.

Die vier Berliner erfuhren erst aus der Presse, dass gegen sie wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung" nach §129a StGB ermittelt wird. Festnahmen und Durchsuchungen fanden bislang nicht statt. Zur Begründung liest sich das im Focus so: ",Uns fehlen noch ein paar hieb- und stichfeste Beweise, gibt ein Kenner des Falls unumwunden zu." Also baut das BKA Hand in Hand mit dem Focus schon mal vor. Das Magazin fabuliert geheimnisvoll, "niemand will ausschließen", dass es sich bei dem "enttarnten Quartett" nur um die "ideologischen ,Schreibtischtäter" handelt und "andere Komplizen die eigentlichen Brandsätze" zünden. Mit anderen Worten: Man hält sich alle Optionen offen. Entweder man legt nach und spitzt die Vorwürfe gegen die vier hinsichtlich "Rädelsführerschaft" zu, oder man hat so schon vorgesorgt, um die Sache sang- und klanglos fallen zu lassen.

Für die letztere Variante spricht einiges. Denn darüber, wie man die militante gruppe einzuschätzen habe, gibt es offenbar zwischen den verschiedenen Staatsschutzbehörden erhebliche Differenzen. Die mg war nicht zuletzt durch Diskussionen um eine Vernetzung militanter Gruppen und über die Frage nach dem Grad der Militanz bekannt geworden. (2) Eine ihrer ersten Aktionen war die Verschickung von scharfen Patronen an Mitglieder der "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft". Daneben ist sie vor allem im Raum Berlin mit zahlreichen Anschlägen in Erscheinung getreten, zuletzt am 29. Oktober auf zwei Fahrzeuge der Entsorgungsfirma Alba wegen deren Entlassungs- und Ausbeutungspolitik.

"Der Berliner Verfassungsschutz betrachtet die Gruppe eher gelassen", so Otto Diederichs im Berliner Tagesspiegel. (15.5.02) Der ausgewiesene Experte in den Bereichen "Innere Sicherheit", Polizei und Geheimdienste verweist auf die Berliner VS-Chefin, Claudia Schmidt, die im parlamentarischen Verfassungsschutzausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses letztes Jahr die Meinung vertrat, mit Angriffen der mg auf Personen sei nicht zu rechnen, dies sei "in der Szene nicht zu vermitteln". Auch im aktuellen Berliner VS-Bericht nimmt man die vollmundige Verbalradikalität der mg nicht für bare Münze: "Mit ihren militanten Aktionen hebt sich die ,mg` nur unwesentlich von anderen militant agierenden Gruppierungen ab. Der Unterschied zu
Brandanschlägen und sonstigen Sachbeschädigungen durch andere autonome Gruppierungen ... besteht in der Art der Selbstbezichtigung. Hier verwendet die ,mg` einen theoretisch-abgehobenen Duktus, der sich am Stil der ,Roten Armee Fraktion` (RAF) orientiert." Es gebe keine Erkenntnis "über eine Eskalation der militanten Aktionen", so die Berliner Verfassungsschützer. (3)

Beweise: Fehlanzeige
Beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln fällt die Bewertung anders aus. Laut Welt attestiert man dort der mg und anderen autonomen Gruppen eine "zunehmende Bereitschaft", neben "sachschadenorientierten" auch "personenschadenbezogene Praktiken" anwenden zu wollen. (10.11.03) Spiegel Online berichtete zeitgleich mit der Vorabveröffentlichung des Focus über eine vertrauliche Analyse der Kölner GeheimdienstlerInnen, in der davon die Rede sei, die mg treibe "maßgeblich die Vernetzung von Untergrundzellen" voran. (8.11.03) Gemeint ist damit wohl die von der mg angestoßene so genannte Militanzdebatte, die seit 2001 in der Berliner Szenezeitschrift interim geführt wird. (vgl. ak 477) Die Kölner VS-AnalystInnen warnen in ihrem Bericht vor einer bevorstehenden Anschlagsserie. Hintergrund laut Spiegel Online: Mitte Oktober seien an acht Orten in einer "bundesweit koordinierten Aktion" Anschläge auf Arbeitsämter verübt worden. "Die Behörden erwägen deshalb, eine Sondersitzung der ,Koordinierungsgruppe Terrorismus` (KGT) einzuberufen." An der KGT nehmen
unter Federführung des Bundesamts für Verfassungsschutz u.a. VertreterInnen des BKA, der Länderpolizeien und der Bundesanwaltschaft teil. Wollte da jemand durch seine Indiskretion gegenüber dem Focus für eine entsprechende mediale Vorbereitung sorgen? Focus wusste jedenfalls zu berichten: "Die BKA-Fahnder stehen seit Monaten unter Druck."

Wer treibt da wen?
Während man im Bundesamt für Verfassungsschutz also meint, vor einer "latenten Bereitschaft zu terroristischen Aktivitäten" warnen zu müssen, hat das BKA keine Hinweise auf geplante Anschläge gegen Personen. "In den Sicherheitsbehörden gibt es derzeit keine einheitliche Linie", konstatiert die Welt. (10.11.03) Es kann vermutet werden, dass diese Feststellung auch für das BKA zutrifft. Die Focus-Veröffentlichung ist zumindest nicht die erste Indiskretion aus Reihen des BKA im Zusammenhang mit der mg. Im April machte die Bild mit der Schlagzeile auf, fünf Jahre nach der Selbstauflösung der RAF würde sich eine neue "linke Terrorszene" bilden. Als Beleg präsentierte Bild eine Namensliste potenzieller Attentatsopfer, die - so Bild - laut BKA die mg erstellt haben soll. Das BKA dementierte umgehend die Existenz einer solchen Liste. Offensichtlich gibt es eine undichte Stelle im BKA, die Interesse daran hat, den Fahndungs- und Ermittlungsdruck auf die mg zu erhöhen.

Dass das BKA "offenbar die Anführer einer gefährlichen linksradikalen Gruppierung enttarnt hat", wie Focus weismachen will, darf getrost bezweifelt werden. Um die magere Kost aufzuwerten, musste dann eine zufällige Begegnung zwischen einem Beschuldigten und Gerhard Schröder herhalten. Der war mit Frau, Kind und Schwiegereltern italienisch essen - am Nebentisch der Kanzler nebst Gattin, wobei das "Familienfoto mit Kind" entstand. Mehr als Banalitäten, die unter den Händen von Staatsschutz und Staatsschutzjournaille ins gewünschte "Terror"-Bild gepresst werden, bietet die Focus-Story nicht. Das BKA will durch abgehörte Telefonate von dieser Begegnung erfahren haben, so Focus. Dass sich der Beschuldigte seit über einem Jahr gegen seine Telefonüberwachung - von der er nur durch Zufall erfahren hat - anwaltlich wehrt, verschweigt man dann
lieber, passt das doch nicht ins Bild eines "gemeingefährlichen Terroristen". Stattdessen dreht man die Sache um, und spricht von einer "fatalen" Fahndungspanne. Überrascht wird man beim Focus wahrscheinlich gewesen sein, dass sich der Beschuldigte presserechtlich gegen die Veröffentlichung - und zwar mit Erfolg - gewehrt hat.

Nicht nur die aktuelle Focus-Veröffentlichung zeigt das gesteigerte Interesse der Staatsschutzbehörden an der mg. Laut Berliner Zeitung hat das BKA bestätigt, dass sich die Ermittlungen nicht nur auf die vier Berliner beschränken. (10.11.03) Dass die Staatsschutzbehörden mit allen Mitteln in dieser Sache Erfolge erzielen wollen, zeigt auch das Beispiel Magdeburg. (vgl. ak 477) In der Elbstadt war es seit 2001 zu vier Brandanschlägen gekommen, zu denen sich verschiedene Kommandos bekannt hatten. Nach monatelanger Totalüberwachung der Magdeburger linken Szene präsentierte die BAW erst zwei, dann drei Szeneaktivisten, denen momentan in Halle der Prozess wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung" nach §129a StGB gemacht wird. Für das angebliche "Zusammenwirken" in einer "militanten Offensive" mit der mg blieb in der Anklage nichts übrig, auch wenn etwa der VS Berlin die Festnahmen in Magdeburg als "erste Exekutivmaßnahme gegen eine an der Militanzdebatte beteiligten Gruppierung" gefeiert hatte. Ob diese Bewertung dem Urteil des zuständigen Oberlandesgerichts
Naumburg standhält, daran gibt es momentan Zweifel.

Desinformation als Mittel zum Zweck
Der Magdeburger §129a-Prozess wie auch die Focus-Veröffentlichungen zeigen deutlich: Bei der Kriminalisierung gegen Linke ist die über Jahrzehnte eingeübte Repressionslogik der bundesdeutschen Sicherheitsapparate trotz aller gesellschaftlichen Brüche und des Bedeutungsverlustes der radikalen Linken ungebrochen. Ist der Apparat erst einmal auf die Spur gesetzt, kommt das gesamte, umfangreiche Arsenal polizeilicher und geheimdienstlicher Ermittlungsmethoden zum Einsatz - inklusive Desinformation. Die Wette gilt: Das Focus-Beispiel war nicht das letzte seiner Art.

mb., Berlin

Anmerkungen:

1) alle Zitate, soweit nicht anders gekennzeichnet, aus; Focus Nr. 46, 10.11.2003
2) dokumentiert unter: http://www.geocities.com/militanzdebatte/
3) http://www.berlin.de/seninn/verfassungsschutz/Publikationen/jb_akt.htm


jungle world, Nummer 48 vom 19. November 2003

Der Feind an seinem Tisch
Die angebliche Enttarnung von Mitgliedern der »Militanten Gruppe« war ein reines Medienspektakel. Weil die Staatsgegner abhanden gekommen sind, müssen neue gesucht werden. von christoph villinger

Du sitzt am Frühstückstisch, knabberst an deinem Marmeladenbrötchen und liest die Zeitung. »Fahnder enttarnen vier Terroristen«, steht da. »Mitglieder der ›militanten gruppe‹ (mg) aber noch nicht festgenommen.« Dazu vier Namen, die Vornamen ausgeschrieben, die Nachnamen abgekürzt, und eine ausführliche Beschreibung der beruflichen Tätigkeiten der Personen. Ein Vorname, der Anfangsbuchstabe des Nachnamens, Ort und Beruf treffen auf dich zu. »Kann das ein Zufall sein? Oder meinen die etwa mich?« Erschrocken springst du auf. Steht die Polizei schon vor der Tür?

Am Samstag vor zehn Tagen gab der Focus eine seiner berüchtigten Vorabmeldungen heraus. In der Geschichte, um die es geht, schreibt der Autor Josef Hufelschulte, das Bundeskriminalamt (BKA) habe vier Mitglieder der Berliner MG enttarnt, und fragt empört, warum sie immer noch nicht festgenommen seien. Die Meldung verbreitet sich in der ganzen Republik. In den Nachrichten des Info-Radios, in der lokalen Fernsehsendung »Abendschau« und im Tagesspiegel wird die Neuigkeit ungeprüft als Tatsache wiedergegeben.

Besonders tut sich der Berliner Kurier hervor. Die Boulevardzeitung stürzt sich auf die Anekdote, einer der Betroffenen habe vor einem Jahr gemeinsam mit seiner Frau, seinem Kind und seinem Schwiegervater in einem edlen italienischen Restaurant am Nachbartisch von Gerhard und Doris Schröder gesessen. »Unser Kanzler« also gleich neben »einem Terroristen«.

Im zwei Tage später erscheinenden gedruckten Artikel schränkt der Focus ein, »ein Kenner des Falls« habe gesagt: »Uns fehlen noch ein paar hieb- und stichfeste Beweise.« Das heißt auf Deutsch: Es gibt keine Beweise. Auch eine Woche nach der Focus-Meldung fand bei den vier Betroffenen weder eine Hausdurchsuchung statt, noch wurde ein Haftbefehl ausgestellt.

»Das ist alles hochgradig nebulös«, sagt der Anwalt Sven Lindemann, der einen der vier Betroffenen vertritt. »Uns ist kein anderes Beispiel bekannt, bei dem Namen mit solchen Vorwürfen in der Presse genannt werden und nichts passiert.« Dass es »Ermittlungen des BKA im Auftrag der Bundesanwaltschaft (BAW) wegen der Mitgliedschaft in der MG gegen mehrere Personen gibt«, bestätigt Martina Link, die Pressesprecherin der Fahndungsbehörde, der Jungle World. Doch gegen wen und wie viele Personen sie sich richten, lässt auch sie im Unklaren. Gegenüber der Berliner Zeitung sprach sie davon, dass »noch die entscheidenden Beweise fehlen«.

Auch dass es inzwischen im BKA ein internes Ermittlungsverfahren wegen »Verrats von Dienstgeheimnissen« gibt, will Link nicht bestätigen. Die vier Betroffenen schalteten inzwischen den in Presserechtsfragen versierten Anwalt Johannes Eisenberg ein, um gerichtlich gegen den Focus und den Berliner Kurier vorzugehen. Der Kurier bot sofort einen Vergleich an.

In der Berliner Szene spekuliert man nun über den Hintergrund der Pressemeldung. Konnte ein Fahnder des BKA abends in der Kneipe seinen Mund nicht halten, bekam der Focus-Reporter dies zufällig mit, und sorgte der Konkurrenzdruck zwischen den Medien für den weiteren Ablauf? Wollte das BKA einfach mal schauen, wer auf eine solche Meldung reagiert? Rächen sich frustrierte BKA-Fahnder nach jahrelangen erfolglosen Ermittlungen? Zumindest einem der Betroffenen ist seit über einem Jahr bekannt, dass sein Handy abgehört wird, weil seine Telefongesellschaft ihm fälschlicherweise die Kosten für die Überwachung auf die Rechnung setzte.

Seit Jahren fahndet der Staatsschutz vergeblich nach der MG, die sich für rund 20 Anschläge auf Finanzämter, Justizgebäude und Autohäuser in Berlin und Umgebung verantwortlich erklärte. Bekannt wurde die Gruppe, als sie im Juni 2001 auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern Otto Graf Lambsdorff und zwei weiteren herausragenden Vertretern der deutschen Industrie jeweils »persönlich eine scharfe Patronenkugel« zuschickte. »Die Täter von gestern und heute zur Rechenschaft ziehen«, lautete die Parole im mitgeschickten Schreiben.

In der autonomen Szene stieß das Kokettieren mit »dem Einsatz weiter gehender Mittel« als Sachbeschädigung größtenteils auf Ablehnung. Dafür war der Fahndungsapparat alarmiert, dem in den letzten Jahren der Gegner abhanden gekommen war. Den Sicherheitsbehörden macht der von der MG in der Szenezeitschrift Interim betriebene Versuch Sorgen, eine »militante Plattform« aufzubauen. Nach Angaben des Spiegel erwägen sie deshalb, eine Sondersitzung der »Koordinierungsgruppe Terrorismus« einzuberufen, in der unter anderem Polizei, Verfassungsschutz und die BAW vertreten sind.

Überhaupt brauchen diese Behörden neue Betätigungsfelder. Denn die BAW ist im Augenblick mit einem juristischen Problem konfrontiert, das einige ihrer Mitarbeiter arbeitslos machen könnte. 20 Jahre lang haben viele hoch bezahlte Staatsanwälte einen entscheidenden Satz im Paragrafen 129a überlesen. Darin heißt es mit Verweis auf den Paragrafen 129, Absatz 6: »Das Gericht kann die Strafe nach seinem Ermessen mildern oder von einer Bestrafung nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Täter sich freiwillig und ernsthaft bemüht, das Fortbestehen der Vereinigung oder die Begehung einer ihren Zielen entsprechenden Straftat zu verhindern (…) Erreicht der Täter sein Ziel, das Fortbestehen der Vereinigung zu verhindern, oder wird es ohne sein Bemühen erreicht, so wird er nicht bestraft.« Gilt das, sobald die Auflösungserklärung einer Gruppe vorliegt?

Zum ersten Mal spielte die Formulierung im Verfahren gegen drei Männer aus Magdeburg vor dem Oberlandesgericht (OLG) Naumburg eine Rolle (Jungle World, 43/03). Die drei sollen diverse Brandanschläge verübt und einer terroristischen Vereinigung angehört haben, die jedoch, davon geht die Bundesanwaltschaft schon in ihrer Anklageschrift aus, inzwischen aufgelöst sei. Deshalb stellte das OLG bei einer Haftprüfung die eigene Zuständigkeit in Frage und legte den Fall dem Bundesgerichtshof (BGH) vor. Dieser übergab das Problem zwar wieder dem OLG und beauftragte es festzustellen, ob die Vereinigung wirklich aufgelöst sei. Zwischen den Zeilen gab der BGH aber zu, dass an der Argumentation etwas dran sei.

Sollte sich die Interpretation durchsetzen, dass man wegen der Mitgliedschaft in einer inzwischen aufgelösten terroristischen Vereinigung nicht bestraft werden kann, hätte das weit reichende Folgen. Der Anwalt Sven Lindemann erklärt, dann würde beispielsweise im Prozess gegen die Magdeburger »der Paragraf 129a als Anklagepunkt komplett wegfallen, weshalb dann die BAW nicht mehr zuständig wäre, sondern eine normale Staatsanwaltschaft und ein normales Landgericht«. Die Beschuldigten könnten nur noch wegen konkreter Straftaten angeklagt werden.

Große Bedeutung hätte das auch für die heute noch als Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) Gesuchten. Schließlich liegt seit April 1998 eine »amtliche« Auflösungserklärung der RAF vor.

Im Berliner Verfahren gegen angebliche Mitglieder der Revolutionären Zellen (RZ) versuchen seit Wochen einige Anwälte, ihre Interpretation diverser Texte der RZ zwischen 1988 und Anfang der neunziger Jahre als faktische Auflösungserklärungen durchzusetzen. Sollten sie erfolgreich sein, müsste das Ermittlungsverfahren nach Paragraf 129a gegen mehrere Personen, die seit 1988 unter anderem wegen angeblicher Mitgliedschaft in den RZ gesucht werden, ganz eingestellt werden. Übrig blieben Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz. Doch nur damit konfrontiert, könnten sie schon etwas ruhiger das Frühstück genießen.



Bürgerliche Presse

Berliner Morgenpost, Montag, 10. November 2003
Plante die "Militante Gruppe" Attentate in Berlin?

Von Hans H. Nibbrig

Die Enttarnung mehrerer Anführer der linksradikalen "Militanten Gruppe" durch das Bundeskriminalamt (BKA) hat umgehend eine Debatte über die von dieser Gruppierung ausgehende Bedrohung ausgelöst. Eine einheitliche Linie in der Bewertung der Gruppe gibt es in den Sicherheitsbehörden derzeit nicht. Die Einschätzungen von Staats- und Verfassungsschützern reichen von "Phrasen dreschenden Feierabend-Revoluzzern", die man nicht sonderlich ernst nehmen müsse bis zu einer zu allem entschlossenen fanatischen Gruppe, die "mittelfristig zu einer ernsthaften terroristischen Bedrohung werden kann".

Wie berichtet, waren die Staatsschützer des BKA bei ihren Ermittlungen zu mehreren Brandanschlägen auf Firmen und Behörden in der Hauptstadt vier in Berlin lebenden Männern auf die Schliche gekommen, die als Anführer der "Militante Gruppe" gelten. BKA-Sprecherin Martina Link bestätigte auf Anfrage der Berliner Morgenpost entsprechende Verdachtsmomente, wollte jedoch keine Einzelheiten zu dem laufenden Ermittlungsverfahren nennen.

In der Vergangenheit trat die Gruppe vor allem durch Brand- und Sprengstoffanschläge in Erscheinung. Die Berliner DaimlerChrysler-Niederlassung gehörte dabei ebenso zu den Zielen der Gruppe wie das Entsorgungsunternehmen Alba. Inzwischen allerdings propagiert die Gruppe offen den Wechsel von "Sachschaden orientierten" zu "Personenschaden orientierten" Praktiken. "Weg von den Angriffen auf materielle Objekte, hin zu Attacken auf verantwortliche Subjekte", lautet nach Verfassungsschutzerkenntnissen eine der Parolen der radikalen Truppe.

Was man bei der "Militanten Gruppe" unter Attacken auf verantwortliche Subjekte versteht, wird unverhohlen in Szenepublikationen und via Internet verbreitet: Liquidierung von Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft. Über die Durchführung solcher politischer Exekutionen, verkünden die Wortführer der Radikalen, sei allerdings erst nach intensiver Diskussion zu entscheiden. Beim Bundesamt für Verfassungsschutz bewertet man derartige Äußerungen mit Vorsicht. Ein Verfassungsschützer: "Von einer neuen RAF zu sprechen, wäre zurzeit völlig überzogen. Es gibt aber durchaus ein Bedrohungspotenzial, das man im Auge behalten muss."


yahoo news, Sonntag 9. November 2003, 13:49 Uhr
Polizei findet laut Magazin linksextreme Terrorzelle

München/Berlin (AP) Ermittler des Bundeskriminalamts haben einem Pressebericht zufolge eine linksextremistische Gruppierung in Berlin identifiziert, die möglicherweise auch Anschläge plante. Wie das Nachrichtenmagazin «Focus» vorab berichtete, hatte die schlicht «Militante Gruppe» (mg) genannte Zelle seit Juni 2001 ein Dutzend Brandanschläge auf Finanzämter, Justizgebäude und Autohäuser überwiegend im Großraum Berlin verübt. Als Anführer seien vier Männer aus Berlin im Alter zwischen 30 und 49 Jahren enttarnt worden.

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts bestätigte dem Bericht zufolge, dass gegen mehrere Personen ermittelt wird, lehnte aber weitere Auskünfte ab. Konkrete Beweise gegen die Vier gebe es noch nicht, heißt es in dem Magazinbericht. Sie seien dem Staats- oder Verfassungsschutz zuvor noch nicht aufgefallen.

Sie arbeiteten demnach unter anderem als Taxifahrer und Mitarbeiter einer alternativen Bäckerei-Kollektivs in der Hauptstadt. Die Aktivisten seien «eine Art von Feierabend-Terroristen», zitierte das Magazin einen namentlich nicht genannten Ermittler. Einer Verfassungsschutz-Analyse zufolge schloss die Gruppe «personenbezogene Straftaten» für die Zukunft nicht mehr aus.

Zuletzt sollen mg-Mitglieder nach Informationen des Berliner «Tagesspiegels» auf dem Militärübungsplatz im brandenburgischen Wittstock - dem umstrittenen «Bombodrom» - die Scheiben eines Lastwagens eingeschlagen und Motorkabel durchtrennt haben.

Auch gegen Personen sei die Gruppe bereits aktiv geworden. So habe im Februar 2002 ein Stadtrat des Nordbezirks Reinickendorf einen Drohbrief erhalten, dem eine scharfe Patrone und ein Messer beigelegt gewesen seien. Zuvor hätten Unbekannte versucht, eine Tür in einem Sozialamtsgebäude in Brand zu setzen. Das entsprechende Bekennerschreiben an Zeitungen und TV-Anstalten sei mit «Militante-Gruppe» unterzeichnet worden.


Der Standard, Wien, 09. November 2003

Focus: LinksextremeTerrorzelle in Berlin
Gruppe um vier Berliner soll Brandanschläge verübt haben - "Eine Art von Feierabend-Terroristen"

München - Ermittler des deutschen Bundeskriminalamts haben einem Pressebericht zufolge eine linksextreme Gruppierung in Berlin identifiziert, die möglicherweise auch Anschläge plante. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag im Voraus berichtete, hatte die schlicht "Militante Gruppe" genannte Zelle seit Juni 2001 ein Dutzend Brandanschläge auf Finanzämter, Justizgebäude und Autohäuser überwiegend im Großraum Berlin verübt. Als Anführer seien vier Männer aus Berlin im Alter zwischen 30 und 49 Jahren identifiziert worden.

Bundeskriminalamt bestätigte Ermittlungen

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts bestätigte dem Bericht zufolge, dass gegen mehrere Personen ermittelt wird, lehnte aber weitere Auskünfte ab. Konkrete Beweise gegen die Vier, die dem Staats- oder Verfassungsschutz zuvor noch nicht aufgefallen seien, gebe es noch nicht, heißt es weiter in dem Magazinbericht.

"Feierabend-Terroristen

Sie arbeiteten demnach unter anderem als Taxifahrer und Mitarbeiter einer alternativen Bäckerei-Kollektivs in der Hauptstadt. Die Aktivisten seien "eine Art von Feierabend-Terroristen", zitierte das Magazin einen namentlich nicht genannten Ermittler. Einer Analyse des deutschen Verfassungsschutzes zufolge habe die Gruppe "personenbezogene Straftaten" für die Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. (APA)


BBC, November 11, 2003 9:42am
German article says leaders of 'extremist leftwing group' allegedly identified

Germany's Federal Office of Criminal Investigations believes it has identified the four leaders of a "dangerous leftwing extremist group" it believes is responsible for almost a dozen arson attacks, but there have been no arrests as further evidence is needed. The four are described as "leisure time terrorists" as they have no previous records and all hold down ordinary jobs. There are fears they could move on to target people, not just property. The following is text of Josef Hufelschulte article by German news magazine Focus on 10 November entitled "Attacks: Family photo with chancellor: Federal Office of Criminal Investigations apparently identifies leaders of dangerous extremist leftwing group":

Headlines aplenty were what the arsonists were looking for. Feeling that some of their actions had been "ignored by the media", they wrote admissions of responsibility to Berlin dailies, claiming to have been driven "out of political necessity".

This led to the destruction of two all-terrain vehicles belonging to the Bundeswehr, parked outside a Mercedes workshop in the Brandenburg town of Eggersdorf, which went up in flames early in the morning of 26 February 2003. The attack, conceived as a "hot protest" against "the DaimlerChrysler Corporation's military-industrial complex and the Red-Green [Social Democratic Party of Germany/SPD-Greens] peace policy," inflicted damage running to 100,000 euros. This time the self-styled "Militant Group" which had signed the letter made it to several front pages.

This extreme leftwing gang's inglorious media career is likely to be terminated shortly. The Federal Office of Criminal Investigations (BKA), which reckons the group is to blame for almost a dozen arson attacks on tax offices, law courts and garages since June 2001 (see FOCUS, 11/2003), has now identified four men believed to form the "covert core" of the group, according to reliable information received by FOCUS. The four, Wolfgang B., Jonas Erik F., Markus H., and Ernst-Joachim U., whose ages range between 30 and 49, have been under observation for some time.

The lack of any arrests or searches so far resulting from the BKA's investigations is due to the fact that "We are still short of a few watertight, cast-iron pieces of evidence," as one expert frankly puts it.

The BKA's investigators have been under pressure for months now. Following the attack on the Bundeswehr vehicles in Eggersdorf, "Militant Group" launched a discussion in Interim, an underground magazine. "Attacks on warmongers and war profiteers are entirely justified" was the gang's unequivocal message. It continued ominously: "The torching of vehicles does not and cannot exhaust the methods available."

An internal analysis by Berlin's constitutional protection authorities, which passed the crucial leads on the four activists to the BKA, no longer rules out "criminal acts targeting persons". In other words, attacks on politicians and industrialists are also possible.

The targets could well include the hated "social technocrats" recently identified by "Militant Group". The list details the names, licence plate numbers, and addresses of the managers of employment offices and registration centres given the task of tracking those engaged in unlawful work.

From the outset, the group has made no secret of its mode of thinking. During negotiations on compensation for forced labourers, it sent letters containing live cartridges to Government Commissioner Otto Count Lambsdorff, DaimlerChrysler Finance Director Manfred Gentz, and Wolfgang Gibowski, spokesman for the German Economy Foundation Initiative Steering Group, on 12 June 2001. "Bullets draw a line too" was the threatening message to the automobile manufacturer's senior managers, who the gang claimed wished to draw a "cynical line" as a "substantial profiteer from German fascism" by means of a "cheap symbolic payment to the victims".

The verbal extravagances of the suspected members of "Militant Group" are in inverse proportion to the low profile they adopt in their daily routine. All four suspects appear to lead normal lives in Berlin, as a taxi driver, a hardworking member of a bakery, or as a consultant to a human rights group.

None of the four has much of a previous record of felonies, leading a senior BKA officer to conclude: "'Militant Group is apparently composed of leisure-time terrorists."

The Federal Prosecutor's Office and the BKA are presently pondering whether this extreme leftwing grouping could include other members, besides the four men identified as suspects. The possibility is left open that the four suspects are just the ideological "masterminds", and that the actual arson attacks might have been carried out by accomplices.

"We are investigating several people," stated BKA spokeswoman Martina Link last Friday [7 November], though she declined to divulge further details of the secret inquiries still in progress.

At least one of the suspects, Jonas Erik F., may well have been aware of being the target of intensive BKA surveillance over a year ago. This was when a cellphone firm suffered a disastrous computer breakdown, enabling F. to discover from his phone bill that dozens of his calls had been officially monitored from September 2002 onward.

This was not the only hiccup in the investigation of Jonas Erik F. Soon after the telephone mishap, the suspected terrorist came into close contact with Federal Chancellor Gerhard Schroeder (SPD). Some BKA staff responsible for personal protection still shudder at their memories of the evening of 20 October 2002.

F. had managed to give the normally so zealous observation team the slip, before taking his wife, baby, and parents-in-law to an upmarket Italian restaurant in downtown Berlin. Sitting at the table alongside theirs were Gerhard and Doris Schroeder, and friends. The chancellor's fondness for children led him to accede to the invitation from F.'s father-in-law to be photographed with the baby and the rest of its family at the adjoining table.

This charming photo opportunity only came to the BKA's attention as a result of a phone conversation monitored later. The young mother had apparently had a great time with Schroeder - only Jonas, she felt, had not enjoyed the experience.

Source: Focus, Munich, in German 10 Nov 03


Focus, 8.11.2003
BKA entlarvt „Feierabend-Terroristen“

Fahndern sind die Anführer einer linksextremistischen Vereinigung ins Netz gegangen, die ein Dutzend Brandanschläge verübt haben sollen. Vier Männer aus Berlin im Alter zwischen 30 und 49 seien als Mitglieder der „Militanten Gruppe“ identifiziert worden, berichtet FOCUS.

In diesem Zusammenhang werde „gegen mehrere Personen“ wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) zu FOCUS. Nähere Angaben zu dem Fall lehnte sie ab.

Nach FOCUS-Recherchen sind die Tatverdächtigen bislang durch keine Staatsschutz-Delikte aufgefallen. Wolfgang B., Jonas Erik F., Markus H. und Ernst-Joachim U. arbeiteten unter anderem als Taxifahrer sowie als Mitarbeiter eines alternativen Bäckerei-Kollektivs in Berlin. Die Aktivisten der „Militanten Gruppe“ seien eine Art von Feierabend-Terroristen, sagte ein Ermittler zu FOCUS. Das BKA schließe derzeit nicht aus, dass die Untergrund-Gruppe, die vorwiegend im Großraum Berlin Finanzämter, Justizgebäude und Autohäuser mit Brandsätzen angegriffen hatte, noch weitere Mitglieder habe. Einer internen Verfassungsschutz-Analyse zufolge hat die Gruppe aber auch „personenbezogene Straftaten“ für die Zukunft nicht mehr ausgeschlossen.

Wie FOCUS weiter berichtet, hatte einer der mutmaßlichen Terroristen direkten Kontakt zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Unbemerkt vom BKA-Oberservationsteam, habe Jonas Erik F. im Oktober 2002 mit seiner Familie in einem italienischen Restaurant in Berlin am Nebentisch des Regierungschefs und dessen Frau Doris gesessen. Schröder habe sich auf Wunsch des Schwiegervaters von F. zu der jungen Familie gesetzt und habe sich mit deren Baby fotografieren lassen. Das BKA habe von dem Vorfall erst durch abgehörte Telefonate erfahren, so FOCUS unter Berufung auf Ermittlerkreise.


Indymedia, 08.11.2003
BKA findet angeblich militante gruppe (mg)

Laut "Focus" haben BKA-Fahnder die seit zwei Jahren gesuchte autonome berliner Gruppierung "militante gruppe (mg)" dingfest gemacht. Zusätzlich zu den davon natürlich völlig unabhängigen Magdeburger Verfahren droht somit nun ein weiterer großer 129a Prozess.

Die "Feierabend-Terroristen" (Focus) seien bisher beim Staatsschutz noch nicht in Erscheinung getreten gewesen, erst im Zuge der Ermittlungen nach der (mg) seien die vier Männer zwischen 30 und 49 Jahren ins Visier geraten und werden nun mit dem Vorwurf der Bildung einer Terroristischen Vereinigung schwer zu tragen haben. Ob es allerdings wirklich zu einem Prozess kommt steht noch völlig in den Sternen: Beweise gegen die vier gebe es nocht nicht.

Die (mg) war nicht zuletzt durch lange Szenediskussionen um eine gruppenübergreifende Vernetung (Militante Plattform) und über die Frage nach dem Grad der Militanz bekannt geworden, schickte dem einen oder anderen ihrer Zielpersonen auch mal scharfe Patronen per Post und verübte zahlreiche Brandanschläge vor allem im Raum Berlin bereits seit Februar 2001. Die in der Debatte ebenfalls von der (mg) angestoßene Frage über die "gezielte Liquidierung von Entscheidungsträgern" stoß im Übrigen auch bei einigen autonomen Gruppen auf wenig positive Resonanz. Auch der Verfassungsschutz analysiert in seinem Bericht 2002, dass ein unmittelbarer Übergang in den bewaffneten Kampf seitens der (mg) nicht in Rede stehe.

Bundesweit in die Schlagzeilen geriet die (mg) spätestens im April diesen Jahres, als sie für den Berliner ersten Mai bis dahin ungekannte Gewaltorgien androhte und die "Bild" noch einen drauflegte indem sie mitteilte, die (mg) habe eine schwarze Liste von "Sozialtechnokraten" erstellt.

Die vier beschultigten Personen arbeiteten laut "Focus" als Taxifahrer und Mitarbeiter einer alternativen Bäckerei-Kollektivs in Berlin. Eine besondere Brisanz erhält die Gruppierung durch den Zufall eines Italien-Aufenthalts einer der vieren: Jonas Erik F. habe im Oktober 2002 im selben Ort wie BK Gerhard Schröder seinen Urlaub verbracht und einmal am selben Tisch gegessen, sogar ein Foto soll dabei entstanden sein.

Dass gegen mehrere Personen im Bezug zur (mg) ein Ermittlungsverfahren wegen "Bildung einer terroristischen Vereingung" laufe sagte eine Sprecherin des BKA. Ob Wolfgang B., Jonas Erik F., Markus H. und Ernst-Joachim U. die einzigen sind beruht einzig auf "Focus"-Recherchen und kann sich dementsprechend also noch als völlig falsch erweisen.


Berliner Kurier
BKA kreist Militante ein

Berlin - Sie verbreiten Angst und Terror, mindestens zwölf Attentate gehen auf ihr Konto. Jetzt aber wird es langsam eng für die gefährlichen Links-Chaoten der "militanten gruppe" (mg). Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) haben vier von ihnen enttarnt.

Nach einem "Focus"-Bericht stehen die vier (30-49) im dringenden Verdacht, Mitglieder der "Terroristischen Vereinigung" zu sein. Festnahmen oder Durchsuchungen gab es bisher aber nicht. Laut BKA-Fahndern fehlen Beweise gegen die mutmaßlichen Täter, die nach Aktenlage und beruflich ziemliche Biedermänner sind, als Taxifahrer, Öko-Bäcker, Berater arbeiten. Der "mg" werden unter anderem Brandanschläge auf die Sozialämter Neukölln und Reinickendorf, auf Bundeswehr-Jeeps, DaimlerChrysler und einen Alba-Mülllaster vorgeworfen. In Schreiben bedrohte die "mg" Politiker, schickte Otto Graf Lambsdorff (FDP) und Reinickendorfs Sozialstadtrat Frank Balzer (CDU) Messer und scharfe Patronen. Für Unruhe unter Personenschützern sorgte einer der vier. Im Oktober 2002 besuchte er mit Familie zum Pizza-Essen einen Nobel-Italiener in Mitte. Am Nebentisch saßen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), und Ehefrau Doris Schröder posierte für ein gemeinsames Foto. scha


Gegendarstellung

Im Berliner Kurier vom 9.11.2003 verbreiten Sie unter der Überschrift "Berlin: BKA enttarnt linksradikale Gruppe. Terroristen aßen Pizza mit dem Kanzler" über mich unzutreffende Darstellungen:

Zu Ihrer Überschrift halte ich fest: Ich bin kein Terrorist.

Soweit Sie weiter verbreiten, ich hätte "direkten Kontakt zu Gerhard Schröder gesucht", halte ich fest: Ich habe keinen Kontakt zum Kanzler gesucht. Der Mann war zufällig auch Gast in einem Restaurant, in dem ich aß.

Sie schreiben auf der Seite 4 unter der Überschrift "Die Feierabendterroristen aus Berlin" über mich: "Denn F. zählte für den BKA Staatsschutz ... zu den Berliner Anführern der Links-Chaoten, die seit Juni 2001 mindestens ein Dutzend Anschläge ... begingen." Dazu stelle ich fest: Wenn das BKA mich für tatverdächtig hält, liegt es falsch. Ich habe weder mit den Anschlägen noch mit der genannten Gruppe etwas zu tun.

Sie schreiben: "Dass Polizisten ihnen dicht auf den Fersen sind, wissen die identifizierten ,Terroristen‘ wohl seit einem Jahr. Durch die fatale Computer-Panne eines Telefon-Konzerns konnte F. auf seiner Handy-Rechnung detailliert ablesen, welche Gespräche von staatlichen Stellen abgehört wurden. Seitdem schweigt er." Dazu stelle ich fest: Soweit Sie mit dieser Darstellung den Eindruck erwecken, ich hätte mich nach der Offenbarung der Abhöraktion bezüglich des Handy und der geführten Ferngespräche anders verhalten als vorher, ist das falsch. Ich habe das Handy genau so weiter genutzt wie vorher.

Berlin, den 11.11.2003

RA Johannes Eisenberg


Berliner-Zeitung, 10. November 2003

BKA enttarnte angeblich Extremisten
Militante Gruppe verübte Brandanschläge


VON ANDREAS KOPIETZ

Die Polizei hat angeblich mehrere linksextremistische Gewalttäter enttarnt. Sie sollen zur berüchtigten Militanten Gruppe (mg) gehören, die in Berlin für mehrere Brandanschläge verantwortlich ist. "Wir ermitteln gegen mehrere Personen", sagte die Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA), Martina Link gestern. Festnahmen gab es noch nicht, weil noch entscheidende Beweise fehlen.

Die Militante Gruppe wurde im Sommer 2001 bekannt. Damals verschickte sie an prominente Personen Drohbriefe, die scharfe Patronen enthielten. Zu den Empfängern gehörten unter anderem Otto Graf Lambsdorff und ein DaimlerChrysler-Vorstand. Seitdem ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Unauffälliges Leben als Bäcker
Laut Polizei sind die jetzt enttarnten Täter nicht vorbestraft und führen ein unauffälliges Leben in Berlin, zum Beispiel als Taxifahrer und Bäcker. Einer der Enttarnten soll im Oktober 2002 sogar bis an Bundeskanzler Gerhard Schröder herangekommen sein. In einem italienischen Restaurant tafelte er rein zufällig Tisch an Tisch mit ihm. Wie viele Verdächtige enttarnt wurden, ist unklar. "Zu Einzelheiten geben wir keine Stellungnahme ab", sagte die BKA-Sprecherin. Meldungen, wonach es sich um vier Personen handelte, bezeichnete sie als falsch.

Erst kürzlich bekannte sich die Militante Gruppe zu einem Brandanschlag auf zwei Autos der Firma Alba in Reinickendorf am 29. Oktober. 2002 verübte sie Brandanschläge auf eine DaimlerChrysler-Vertretung und auf das Sozialamt Reinickendorf. Der "Personifizierung des alltäglichen Sozialamtsterrors", wie sie Sozialstadtrat Frank Balzer bezeichneten, schickten die Täter per Post ein Messer und eine Patrone.

Trotzdem glauben Verfassungsschützer nicht, dass die Terroristen demnächst Politiker töten. Die Polizei ist jedoch von der Gefährlichkeit der Gruppe überzeugt und bezieht sich dabei auf Diskussionen, die in der Szenezeitschrift "Interim" zum Thema bewaffneter Kampf geführt werden. "Wir müssen neben anonymen Institutionen die real verantwortlichen Personenkreise der kapitalistischen und imperialistischen Ausbeutungs- und Unterdrückungsstrukturen ins Visier unserer Politik nehmen", heißt es dort in einem Text vom 9. Mai 2002.

Die mg will gleich gesinnte Gruppen zu einer "militanten Plattform" vernetzen. Diese Gruppen zündeten in Berlin in letzter Zeit Konzern-Autos an oder warfen Brandsätze auf die Dächer der Arbeitsämter Wedding und Steglitz. In Bekennerbriefen nannten sie sich "Autonome Gruppen", "Autonome Miliz", "Revolutionäre Aktion Carlo Giuliani" oder "Autonome WIR-AG". Polizisten schließen nicht aus, dass mitunter die selben Personen hinter den Taten stecken. Nennenswerte Erfolge bei der Aufklärung hat der Staatsschutz bisher aber nicht.


Berliner Morgenpost

Feierabend-Terroristen im Visier
Bundeskriminalamt ermittelt gegen mutmaßliche Führung der "Militanten Gruppe" - Anschläge vor der Aufklärung?


Von Michael Behrendt

Das Bundeskriminalamt scheint die Anführer der linksextremistischen "Militanten Gruppe" enttarnt zu haben. Das berichtet der "Focus". Auf das Konto der "Feierabend-Terroristen" gehen zahlreiche Anschläge in Berlin. BKA-Sprecherin Martina Link bestätigte der Berliner Morgenpost gestern, dass es eine "Verdachtslage" gebe, die Ermittlungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Berliner Sicherheitsbehörden wollten den Vorgang gestern nicht kommentieren.

Laut Bericht soll es sich bei den enttarnten Anführern der Links-Terroristen, die seit Juni 2002 ein Dutzend Brandanschläge verübt haben sollen, um vier Männer aus Berlin im Alter zwischen 20 und 40 Jahre handeln. Sie sollen unter anderem als Taxifahrer oder in einem alternativen Bäckerei-Kollektiv in der Hauptstadt arbeiten. BKA-Sprecherin Martina Link bestätigte, dass gegen mehrere Personen wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt werde.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Gruppe, die vorwiegend im Großraum Berlin Finanzämter, Justiz-Gebäude und Autohäuser mit Brandsätzen angegriffen hatte, weitere Mitglieder hat.

Einer internen Verfassungsschutz-Analyse zufolge habe die Gruppe auch "personenbezogene Straftaten" für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Dazu Martina Link: "Wir beim Bundeskriminalamt haben dazu keine Hinweise."

In diesem Zusammenhang ist die Darstellung des Nachrichtenmagazins brisant, wonach einer der Verdächtigen direkten Kontakt zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gehabt haben soll. Unbemerkt vom Observationsteam des Bundeskriminalamtes habe er mit seiner Familie im Oktober 2002 in einem Berliner Restaurant am Nebentisch des Regierungschefs und seiner Frau Doris gesessen. Schröder habe sich auf Wunsch des Schwiegervaters des Mannes zu der Familie gesetzt und sich mit deren Baby fotografieren lassen. Das BKA habe von dem Vorfall erst durch abgehörte Telefonate erfahren, heißt es.

Erst am 2. November hatte die "Militante Gruppe" ein Selbstbezichtigungsschreiben an die Berliner Morgenpost geschickt und sich zum Brandanschlag auf ein Müllfahrzeug des Entsorgungsunternehmens Alba gekannt. Die Täter hatten - so die Ermittlungen der Polizei - Benzin über das am Betriebsgelände geparkte Auto geschüttet und angezündet. Der Schaden ging in die Zehntausende, der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Zuletzt war die Gruppe mit den Anschlägen auf zwei Arbeitsämter in Steglitz und Wedding in der Nacht zum 14. Oktober in Verbindung gebracht worden. Erstmals in Erscheinung trat die Gruppierung 2001, als im Sommer ein Drohbrief mit Patronen bei dem FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff einging. Später folgten Attacken auf zwei Mercedes- Niederlassungen in Marienfelde und im brandenburgischen Großziethen sowie auf Fahrzeuge der Bundeswehr. Auch Reinickendorfs Sozialstadtrat Frank Balzer (CDU) wurde schriftlich bedroht


Tagesspiegel

Panne beim Zugriff auf Terroristen
Verdächtige wussten offenbar, dass ihre Handys abgehört wurden

Bei der Enttarnung von vier mutmaßlichen Mitgliedern der linksextremen „Militanten Gruppe“ („mg“) hat es offenbar bei der Polizei eine Panne gegeben. Bereits seit einem Jahr seien die Fahnder des Bundeskriminalamtes den vier Männern aus Berlin auf der Spur, schreibt das Nachrichtenmagazin „Focus“. Festgenommen werden konnten sie – wie berichtet – bislang noch nicht. Denn: Zumindest einer der Männer konnte aufgrund einer Panne seines Telefon-Anbieters an der Handy-Abrechnung ablesen, dass seine Gespräche abgehört werden. Dadurch war er gewarnt.

Genauso eine Panne ist ebenfalls vor ziemlich genau einem Jahr öffentlich geworden. Wegen eines Software-Fehlers des Mobilfunkanbieters O2 sind rund 50 Personen bundesweit darüber informiert worden, dass ihre Gespräche abgehört werden. Auf der Rechnung war zu erkennen, dass „abgehende Mailbox-Verbindungen“ zu einer immergleichen Festnetznummer ausgedruckt wurden, hinter der sich der Abhör-Anschluss verbarg. Möglicherweise war der enttarnte Terrorist auch ein Nutzer einer solchen 0179-Mobilnummer von O2.

Die „mg“ wird für rund 20 Anschläge – unter anderem auf Justizgebäude, Sozialämter oder Autohäuser – verantwortlich gemacht. Die vier enttarnten Anführer gelten als „Feierabend-Terroristen“, die unauffällig als Öko-Bäcker, Taxifahrer oder Berater von Menschenrechtsgruppen arbeiten. Zuletzt bekannte sich die „mg“ in einem Schreiben Anfang November zu Anschlägen auf zwei Alba-Müllautos. Auf dem Reinickendorfer Betriebsgelände in der Montanstraße hatten die Täter Benzin über die Wagen geschüttet und angezündet. Doch auch gegen Personen richtete sich der Terror der „mg“, die 2001 erstmals in Erscheinung trat, schon: Drohbriefe mit beigelegten Patronen erhielten FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff (damals Beauftragter für die Zwangsarbeiter-Entschädigung) sowie Reinickendorfs Sozialstadtrat Frank Balzer (CDU). tabu


taz, 10.11.2003
BKA enttarnt militante Gruppe

BERLIN dpa Das BKA hat laut Focus die Anführer einer linksextremistischen Vereinigung enttarnt, die seit Juni 2001 ein Dutzend Brandanschläge verübt haben soll. Vier 20 bis 40 Jahre alte Männer aus Berlin seien als Mitglieder der so genannten militanten Gruppe (mg) identifiziert worden. Nach Focus-Recherchen arbeiteten die Verdächtigen unter anderem als Taxifahrer oder in einem alternativen Bäckereikollektiv in Berlin. Nach Darstellung eines Ermittlers seien sie eine Art von Feierabendterroristen. Es werde nicht ausgeschlossen, dass die Gruppe, die vorwiegend im Großraum Berlin Finanzämter, Justizgebäude und Autohäuser mit Brandsätzen angegriffen hatte, noch weitere Mitglieder habe. Einer Verfassungsschutzanalyse zufolge habe die Gruppe auch "personenbezogene Straftaten" für die Zukunft nicht ausgeschlossen.


junge welt, 10.11.2003

Hobbybastler des Tages
militante gruppe (mg)

Als MG firmierten früher praxisfeindliche Studenten aus Bayern. Ganz anders drauf ist die kleingeschriebene Viererbande aus Berlin, gegen die das Bundeskriminalamt seit neuestem wegen »Bildung einer kriminellen Vereinigung« ermittelt. Die Herren im gesetzten Alter gingen tagsüber stinklangweiligen Berufen wie Taxifahrer oder Bäcker nach, waren aber als »Feierabendterroristen« (Focus) recht kreativ. Erstmals in Erscheinung getreten sei die Gruppierung im Sommer 2001, als sie einem Drohbrief an Otto Graf Lambsdorff ein paar Patronen beilegte. Später folgten Attacken auf zwei Mercedes-Niederlassungen sowie auf Fahrzeuge der Bundeswehr auf dem Bombodrom-Gelände in Wittstock. Auch Reinickendorfs Sozialstadtrat Frank Balzer fühlte sich bedroht, unter anderem war er als «Personifizierung des alltäglichen Sozialamtsterrors» bezeichnet worden. Außerdem hatte die Gruppe ein Alba-Müllfahrzeug flambiert und in zwei Arbeitsämtern eine Feuerzangenbowle gezündet.

Der schlimmste Anschlag der MG: Unbemerkt vom BKA-Oberservationsteam hatte der Rädelsführer im Oktober 2002 mit seiner Familie in einem italienischen Restaurant in Berlin am Nachbartisch neben Gerhard Schröder und dessen Frau Doris gespeist. Der Kanzler hatte sich sogar auf Wunsch des Schwiegervaters des MGlers zu der jungen Familie gesetzt und sich mit deren Baby fotografieren lassen.

Das beweist, wie zynisch und menschenverachtend diese Terroristen sind. Der Generalbundesanwalt sollte dringend eine einstweilige Erschießung beantragen.