Kunst und die RAF
Auch Künstler haben die RAF
zum Thema gemacht. Die Motivation war dabei ganz unterschiedlich.
Einige nutzten des hippe Thema um Geld zu scheffeln, andere
drückten damit ihre Solidarität aus.
Zwei Jahre nach unserer Initiative griff
der Holzbildhauer Günter Schumann Bad Kleinen auf,
schuf Holzskulpturen, darunter unter anderem ein vermummter
Polizeibeamter, der auf einen am Boden liegenden Menschen
schießt. Die Ostsee-Zeitung brachte darüber
am 28. Juni 2005 einen Bericht "Bildhauer provoziert
Erinnerung an Polizeiaktion" mit Foto. Sie schreibt
dazu: "Holzbildhauer Günter Schumann als Provokateur
der Erinnerung. Gestern stellte er vor dem Bahnhof Bad
Kleinen ein Schild mit der Aufschrift "Wolfgang-Grams-Platz"
in eine von ihm geschaffene Holzplastik. Am 27. Juni 1993
starben dort bei einer groß angelegten Polizeiaktion
gegen RAF-Terroristen zwei Menschen. Der Polizist Michael
Newzella und der Terrorist Wolfgang Grams. Wie sich später
herausstellte, waren den Fahndern kaum glaubliche Pannen
unterlaufen."

Mehr zu Günter Schumann auf folgendem
Bild und in folgendem Text zu einen Film über ihn.
Quelle: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID728120,00.html
Ein skurriler Skulpturenpark
in Mecklenburg
Hitler und Muhammad Ali in Holz
Lynndie England als Holzskulptur
In einem Mecklenburger Garten steht die
US-Foltersoldatin Lynndie England mit einem nackten Iraker
an der Hundeleine neben Hunderten Hitler und Muhammad
Ali - alle überlebensgroß und aus Holz geschnitzt.
Der Bildhauer Günter Schuman aus Woserin macht diese
Skulpturen ausschließlich für sich selbst.
Das Kulturjournal durfte 'mal gucken kommen.
Nicht weit von Kukuk, tief im Herzen Mecklenburgs, ein
Eigenbrödler bei der Arbeit. Günter Schumann
macht Kunst, die man hier draußen nicht erwartet
hätte. Lynndie England mit einem irakischen Häftling
an der Hundeleine, einem Folteropfer aus Abu Ghraib.
Ein monumentales Denkmal für Muhammad Ali. Acht Meter
hoch. Auf dem Gürtel steht: Der Vietkong hat mir
nichts getan. Das Schulmassaker von Erfurt. 16 Erschossene.
Tragödien und Ereignisse aus der täglich vorbeirauschenden
Medienflut, für viele längst erledigt, Schumann
hält sie fest. In Eiche massiv.
Günter Schumann, Bildhauer: "Wann hat sich etwas
erledigt? Also offensichtlich hat sich für mich das
noch nicht erledigt, selbst wenn paar Jahre vergangen
sind. "Ungefähr vor einem Jahr haben in Stralsund
diese beiden Staatsbeamten", sagt Schuman und zeigt
auf eine Skulptur", "diesen Mann, er war betrunken,
an den Stadtrand von Stralsund gebracht, es war eine kalte
Nacht, in der Früh ist er dann erfroren. Das ist
kein Einzelfall. Das war und ist in Mecklenburg-Vorpommern
übliche Praxis. Menschen, die irgendwie nicht hineinpassten
in die Gesellschaft, die wurden wie Müll aus der
Stadt entfernt."
Nicht
nur mit dieser Skulptur eckte Schumann bei der Polizei
an. Bad Kleinen vor elf Jahren. Das RAF-Mitglied Wolfgang
Grams kommt bei einem Feuergefecht mit der Polizei ums
Leben, Selbstmord heißt es offiziell. Schumann schnitzt
Grams Tod als gezielte Hinrichtung: "Ich hab' zuerst
Grams gemacht und seinen, ja, Mörder darf ich ja
nicht sagen, da krieg ich gleich wieder Polizei auf den
Hals. Dann hab' ich diese, das ist Frau Baron, die hat
das alles gesehen... und die beiden Rentner, die haben
'ne Brille auf, die konnten auch gut sehen. Was mich so
interessiert hat, sind diese Lügen und Verdrehungen
und Vertuschungen, was da alles gelaufen ist, von Staats
wegen."
Während der Arbeit wurde Schumann überfallen.
Er rief die Polizei doch die brachte gleich die Amtsärztin
mit. "Die wollten mich in die Klappsmühle stecken",
sagt Schumann. Er fühlte sich bedroht. "Mein
Gefühl war: Das ist ja hier wie bei Hitler. Ich war
hilflos, ich hab' mich ausgeliefert gefühlt, und
als ich den ersten Hitler gemacht hab', das ist der erste
Hitler, dann ging's mir wieder besser."
Schumann schnitzt sich seine Wut aus dem Bauch: "Hundert
Hitler für Mecklenburg" hieß seine trotzige
Reaktion. Der ganze Garten: grob geschnitzte Realitätsbewältigung.
Schriftsteller wäre er gerne geworden. Aber seine
Gefühle könne er besser mit Holz statt mit Worten
ausdrücken. Günter Schumann ist einer, der sich
seine Wahrheit, wenn's sein muss, auch einfach selbst
zurechtschnitzt. Und die, sagt er, solle man ihm lassen:
"Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass ich jemandem
erzählen will: So ist gewesen. Was ich hier mache,
ist das, was ich empfinde, und überhaupt nichts...kein
bisschen mehr. Und wenn jemand anders empfindet, auch
gut."
Weitere Künstler/innen zur RAF

Gerhard
Richter aus Frankfurt am Main, heute Köln,
malte den Zyklus "18. Oktober 1977" mit insgesamt
15 Bildern. Dieser wurde vom MoMA in New York gekauft.
Auf der Pressekonferenz zur ersten Ausstellungeröffnung
in Krefeld sagte Richter: "Die tödliche Realität,
die unmenschliche Realität, unsere Auflehnung, Ohnmacht,
Scheitern, Tod - deshalb male ich diese Bilder."
1994 erstellte Richter seinen 23-teiligen Zyklus "Stammheim".
("Plattenspieler", 1988, Öl auf Leinwand,
62 cm x 83 cm; rechts Stammheim. Öl of gedrucktem
Papier, von Pieter H. Bakker Schut "Stammheim: Der
Prozess gegen die Rote Armee Fraktion, 19 cm x 11,6 cm)
Wolf Biermann spendete 1969 das
für den Fontane-Literaturpreis verliehene Preisgeld
an den damaligen APO-Rechtsanwalt Horst Mahler und erklärte
sich mit der RAF solidarisch.
Joseph
Beuys präsentiert 1972 auf der Documenta-Ausstellung
eine Installation mit dem Titel "Dürer, ich
führe persönlich Baader und Meinhof durch die
documenta V". Das Werk war eindeutig als kollegiale
Solidaritätskundgebung zu verstehen
(rechts).
Ein erster Film der sich mit der entstehenden Guerilla
befasst ist "Wilde Tiere Rote Knastwoche"
(D 1969/70), Regie: Katrin Seybold und Gerd
Conradt
Ab Mitte der 1970er
entstanden auch einige Filme
Volker Schlöndorff drehte nach
Heinrich Bölls Roman "Die verlorene Ehre der
Katharina Blum" unter gleichem Titel einen Film (BRD
1975, 106 Minuten) mit Angela Winkler, Mario Adorf und
Dieter Laser.
Alexander Kluge, Edgar
Reitz und Volker Schlöndorf stellten 1978 "Deutschland
im Herbst" fertig (BRD 1978, 116 Min), in dem Rainer
Werner Fassbinder und Armin Meier als Schauspieler auftreten.
Rainer Werner Fassbinder
führte selbst Regie für "Die dritte Generation"
(BRD 1979, 110 Minuten) mit Eddie Constantine, Hanna Schygulla,
Bulle Ogier, Volker Spengler, Harry Baer und Hark Bohm).
Margarethe von Trotta drehte "Die bleierne
Zeit" (BRD 1981, 107 Min) mit Jutta Lampe und Barbara
Sukowa und der Musik von Nicolas Ecounomou.
Reinhard Hauff machte "Stammheim" (BRD
1985, 103 Min.) Mit Ulrich Pleitgen und Ulrich Tukur sowie
Musik von Marcel Wengler.
Yvonne Rainers 16mm-Film von 1980 heißt "Journeys
from Berlin 1971".
Heiner Carow drehte 1992 den Fernsehfilm "Vater
Mutter Mörderkind" nach dem Drehbuch von Ulrich
Plenzdorf
Dara Birnbaum fertigte zwei Videoinstallationen
"Hostage" von 1994 und "Outtake" von
1998.

Klaus
Staecks Plakat "Quick" (oben links) entstand
bereits 1972. Es ist Teil einer aus Photos und Texten
geschaffenen Poster- und Postkartenserie des Künstlers
und Verlegers. Mit seinem Cartoon "Ruf doch mal an"
nahm Staeck sich im deutschen Herbst 1977dem Überwachungsstaat
an.
Mit dem gleichen Thema beschäftigte sich der Maler
Sigmar Polke in seinen Werken Dr. Bonn (130 cm
x 130,5 cm) (1978, siehe oben rechts) und
Sicherheitsverwahrung (1978). Polke war ein Weggefährte
Gerhardt Richters. Zusammen gründeten sie das kurzlebige
Pendants zur Pop Art, den Kapitalistischen Realismus.
Der Norweger Odd Nerdrum malte
1977/78 "Der Mord an Andreas Baader" (Öl
auf Leinwand, 330 cm x 270 cm, siehe rechts). Das Bild
mit der eindeutigen Aussage gehört zur Osloer Astrup
Fearnley Collection.

Von
Josef Leonhard Krancher kommt die 1980 erschienene
Mappe "Baader-Meinhof Ballade", (rechts) mehr...
Uwe Ahrens,
Helmut Kubitschek und Günter Vossiek
erstellten 32 Zeichnungen und eine Plastik zur Isolationshaft
(Zeichnung mit dem Titel "Hochsicherheitstrakt"
siehe rechts). Sie zeichneten und modellierten nach Schilderungen
ehemaliger Isolationshäftlinge. Dokumentiert sind
sie in den Heft "Machen Sie sofort die Schranktür
zu!", Berlin 1986 (ganz rechts).

Sigurd Wendland malte die "Verhaftung von
Holger Meins" (siehe Schwarz-Weiß-Bild rechts)
Im Merlin-Verlag (Gifkendorf) wurde 1999
"Born in the R.A.F. Lebensbeichte eines Terroristenkindes.
Monolog" des Dramaturgen John von Düffel
veröffentlicht. Mit seinem Buch erinnerte Hans
Peter Feldmann an »1967-1993. Die Toten«.
Die RAF zum Thema machten außerdem der Aktionskünstler
Wolf Vostell und der Musiker Christoph
Korn.

Gregor Cuerten stellte 1999 "Ulrike
Marie M." fertig. Eitempera, Photo und Enkaustik
auf Leinwand 130 x 180 cm (rechts).
Ab 2000 entstanden wieder Kino-Filme
Die innere Sicherheit. BRD 2000. 101 Min. Mit Julia Hummer
und Barbara Auer. Regie: Christian
Petzold. Musik: Stefan Will.
Die Stille nach dem Schuss. BRD 2000. 98 Min. Mit
Bibiana Beglau, Nadja Uhl. Regie: Volker Schlöndorff.
Baader. BRD 2001. 110 Min. Mit Frank Giering und Laura
Tonke. Regie: Christopher Roth. Musik: Bob Last
.
Black Box BRD. BRD 2001. Regie: Andres Veiel. Musik:
Jan Tilman Schade.
Starbuck Holger Meins. BRD 2001. Mit Michael Ballhaus,
Suzanne Beyeler. Regie: Gerd Conradt. Musik: Lars
Löhn.
In Love with Terror. The Baader-Meinhof-Gang. UK 2002.
70 Min. Mit Helmut Schmidt. Regie: Ben Lewis.
Die Filminstallation "Hans und Grete"
(40 Min) von Sue de Beer über Jugendgewalt
in den USA enthält Anspielungen auf Andreas Baader
und Ulrike Meinhof.
Wolfgang Szepansky gehörte
zu den 24 bildenden Künstlern, die zusammen ihre
Werke in der Ausstellung »Fingerabdrücke«
- eine Ausstellung für die Freiheit der Gefangenen
aus der RAF - 2001 in der Kulturbrauerei in Berlin-Prenzlauer
Berg zeigten. Johannes Kahrs aus Berlin, übertrug
mit seinem Gemälde "Meinhof 2001" perfekte
fotorealistische Malerei in das ungewöhnliche Medium
der Kohlezeichnung.
Thomas Rösch und Barbara Frenz erstellten
etwa 2002 ein Original Lebkuchenherz ca. 45 x 35 cm in
einer Auflage von 20 Exemplaren. Die Photographie der
Edition "Backspin" ist oben zu sehen.
Thomas
Kilpper zeigte 2004 in der Galerie "Meerrettich"
im Glaspavillon an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-
Platz in Berlin die Holz-Skulptur "ulrike meinhof"
(links; rechts seine dazugehörige Skizze, die als
Motiv für die Einladung genutzt wurde).
Stahljustiz beschäftigen sich
in ihrer Theaterperformance bzw. ihrem Musical "Dance
Baader, Dance", mit den 70er Jahren.
Bruce LaBruce drehte 2004 den RAF-Schwulen-Porno
"The
Raspberry Reich". Produzent war Jürgen
Brüning, die Musik kam von The Ray Makers.
Folgende drei Photos sind aus diesem Film.


siehe auch Literatur zur RAF
und Kulturelles unter Links