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Glaubt den Lügen der Mörder nicht!
Information zum Prozess gegen Birgit Hogefeld vor dem OLG Frankfurt

von "Kein Friede"

Am 15. November beginnt vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt ein weiterer Prozeß gegen die Rote Armee Fraktion.

Angeklagt ist die Genossin Birgit Hogefeld.

Ihr wird von der Bundesanwaltschaft (BAW) vorgeworfen, als Mitglied der Guerillaorganisation RAF an verschiedenen bewaffneten Angriffen beteiligt gewesen zu sein. Birgit Hogefeld wurde durch den Agenten des Verfassungsschutzes (VS), Klaus Steinmetz, verraten und am 27.6.1993 in Bad Kleinen festgenommen. Während dieser Verhaftung wurde der Genosse Wolfgang Grams erschossen und dabei, nach den Umständen zu urteilen, regelrecht hingerichtet. Die regierungsamtliche Version ist allerdings die eines Selbstmordes. Bei der Festnahmeaktion wurde auch ein Angehöriger des anwesenden Spezialkommandos der GSG-9 getötet. Birgit Hogefeld wird, obwohl zum Zeitpunkt des Schußwechsels schon längst entwaffnet und festgenommen, zusätzlich der Mord an diesem GSG-9-Mann vorgeworfen.

Nachdem die erste öffentliche Empörung über das staatliche Vorgehen und die Vertuschungsversuche verflogen ist, bedeutet dieser Prozeß auch die justizielle Festschreibung der offiziellen Todesversion von Wolfgang Grams. Zugleich bietet er eine der wenigen Möglichkeiten die Wahrheit der Todesumstände aufzuklären und in die Öffentlichkeit zu bringen. In diesem wichtigen politischen Prozeß geht es aber auch um die Politik der Rote Armee Fraktion. Zur juristischen Aburteilung steht die politische Entwicklung der RAF und ihre Praxis des letzten Jahrzehnts. Und dies nicht nur im Verhältnis zur langjährigen Unterwanderung der radikalen Linken durch den Spitzel Steinmetz und seine Verantwortung für Bad Kleinen.


Die Anklage gegen Birgit Hogefeld

Angeklagt ist die Genossin Birgit Hogefeld u.a. wegen verschiedener Aktionen der RAF zwischen 1985 und 1993: Die Bombenattacke auf die US-Airbase in Frankfurt 1985 und in diesem Zusammenhang die Erschießung des US-Soldaten Pimental, der Feuerüberfall 1987 auf den damaligen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und heutigen Präsidenten der Bundesbank Tietmeyer während der IWF-Tagung und die Sprengung des Knastneubaus von Weiterstadt im März 1993. Außerdem wird ihr Mord und sechsfacher Mordversuch an dem Bullenkommando, daß sie in Bad Kleinen festnahm, vorgeworfen.

Seit ihrer Verhaftung war Birgit Hogefeld in Bielefeld unter Isolationshaftbedingungen: ohne Kontakt zu anderen Gefangenen und allen Schikanen des Sonderhaftstatuts ausgesetzt. Seit September ist sie in der JVA Preungesheim. Die Haftbedingungen wurden insofern geändert, daß sie zwar Umschluß auf der Station hat, was erstmals die Begegnung mit anderen Gefangenen ermöglicht, nach wie vor aber besteht ein absolutes Kontaktverbot zu Eva Haule, Gefangene aus RAF.

Der vorsitzende Richter des anklagenden 5.Strafsenat ist Dr. Schieferstein. Er hat sich in der Vergangenheit bereits in mehreren Prozessen gegen Genossinnen und Genossen als ein willfähriger Bürokrat der Staatsschutzjustiz ausgezeichnet. Unter seiner Federführung lief der Startbahn-Prozeß wegen zwei erschossener Polizisten. Er war der Chef in mehreren Verfahren gegen Genossinnen aus der RAF und verfügte Aburteilungen aufgrund angeblicher Unterstützung der Guerilla. Den todkranken ehemaligen politischen Gefangenen Ali Jansen traktierte er bis zuletzt mit dem ihm zur Verfügung stehenden Arsenal justizieller Anweisungen und Unterwerfungsversuche. Als Ali Jansen schon längst haftunfähig auf der Intensivstation lag, zeigte Schieferstein 2 Monate lang keine Reaktion auf einen vorzeitigen Haftentlassungsantrag. Obwohl selbst der schwalmstädter Knastarzt kalte Füße bekam, weil ein möglicher Tod ihm angelastet worden wäre, versuchte Schieferstein noch immer die politische Reuebekundung als Bedingung vorzeitiger Entlassung durchzuhalten.


10 Jahre Politik der Guerilla

Die RAF wurde 1970 gegründet, um auch in der Bundesrepublik innerhalb der revolutionären Linken eine illegal und bewaffnet kämpfende Organisation zu schaffen. Obwohl die eigenen Kräfte schwach und der Machtapparat der herrschenden Klasse stark war, wurde es für notwendig und möglich gehalten, eine Gegenmacht zu entwickeln, die fähig ist, die eigenen Vorhaben zu verteidigen und den Staat anzugreifen. Durch eine Guerilla sollte aus der eigenen Schwäche Stärke entstehen und Energien für die allgemeine Entfaltung von Klassenkämpfen freigesetzt werden. Sich in einer internationalen Strategie mit den antikolonialen Kämpfen und Befreiungswegungen des Trikonts begreifend, wurde in den kapitalistischen Zentren der Macht selbst der Kampf eröffnet. Die RAF griff in mehreren offensiven Kampagnen u.a. 1972 in der Kriegsführung gegen Vietnam zentrale US-Militärbasen, 1977 den Justizapparat und führende deutsche Industrie- und Bankenbosse, in den 80er Jahren militärische und politische Funktionäre an. Neben der RAF entstanden Anfang der 70er Jahre auch die Bewegung 2.Juni, die Revolutionären Zellen und später die Frauenguerilla Rote Zora.

Birgit Hogefeld, die gemeinsam mit Wolfgang Grams in der "Roten Hilfe Wiesbaden" und antiimperialistischen Gruppen des Rhein-Main-Gebietes aktiv war, schloß sich Mitte der 80er Jahre der RAF an. Damit gehört sie mit zu den am längsten in der Illegalität kämpfenden Genossinnen und Genossen. Über ihre Aktivitäten in der RAF wissen wir schon der Natur nach wenig. Aber da sie nach einem schweren Verhaftungsschlag (1984, sieben Festnahmen innerhalb kurzer Zeit) zur RAF ging, wird es eine ihrer Aufgaben und Ziele gewesen sein, die von der RAF 1982 beabsichtigte Politik einer revolutionären Front antiimperialistischer Guerilla- und Widerstandsgruppen in Westeuropa umzusetzen. Dieses Konzept sah die gemeinsame politisch-militärische Organisierung dieser Gruppen und damit den Aufbau einer revolutionären Gegenmacht vor.

Dieser Aufbau weitete sich aus verschiedenen Gründen nicht gemäß den eigenen Vorstellungen und Absichten aus. Aber die RAF ist bis heute die einzig kontinuierlich existierende Organisation aus dieser Phase. Ihre Guerillapolitik der letzten Jahre soll jetzt gegen Birgit abgeurteilt werden, weil sie diese Kampfphase mitgestaltet hat. Zumal ihre Verhaftung seit der von Eva Haule im August 1986, der erste "Fahndungserfolg" gegen die RAF ist.

Die Angriffe gegen die US-Airbase, Tietmeyer und Weiterstadt; die "Revolutionäre Front" und Bad Kleinen sind Stationen einer Entwicklung, die mit der heutigen Lage der revolutionären Linken in diesem Land eng verknüpft sind. Aber erst die Entscheidung der RAF für eine Feuerpause in ihrem Kommunique vom April 1992 erzeugte eine öffentliche Auseinandersetzung in breiteren Kreisen der radikalen Linken über diese Kampfphase.
Die "Gefangenenfrage" - die Freiheit der politischen Gefangenen - und die Perspektive der revolutionärenn Linke wurde in-eins-gesetzt und mit der staatlichen Reaktion verknüpft. In dem für und wider dieser Entscheidungslinie wurde die RAF, die Gefangenen und die sich damit im Zusammenhang verstehende Linke neutralisiert, politisch entwaffnet und demontiert. Die Folge waren Spaltung und weitere Zersplitterung. Die Tatsache des Verrats und der geheimdienstlichen Infiltration setzte dem Ganzen noch eins drauf.

Dieser Zersetzungsprozeß innerhalb der revolutionären Linken prägt auch Birgits politische Ausgangsvorausetzungen und die der Solidarität in diesem Staatsschutzverfahren. Birgit Hogefelds Kontinuität im Kampf ist untrennbar mit der Entfaltung revolutionärer und bewaffneter Strategie in den 80er Jahren und dem Versuch der politischen Neuorientierung der Guerilla seit 1992 verbunden. Der Staatschutz versucht nicht zuletzt auch deshalb seit ihrer Gefangennahme mittels rigider Postzensur, Besuchsüberwachung und Interviewverboten ihre Teilnahme an einer öffentlichen linken Diskussion zu blockieren.
Sorgen wir für die Verbreitung ihrer Prozeßerklärungen! Lassen wir das Kalkül von Bullen und Justiz, die Genossin auf immer mundtot zu machen, nicht aufgehen!


Der Tod von Wolfgang Grams: Glaubt den Lügen der Mörder nicht!

Während im Volk alle mehr oder weniger der Meinung sind, das Spezialkommando der Bullen hat Wolfgang Grams, schwerverletzt und angeschossen auf den Gleisen liegend, exekutiert, versucht die BAW der schon längst mit entsicherter Knarre am Kopf auf den Boden geworfenen Birgit Hogefeld den Tod des GSG-9'lers zuzuordnen. Dieser Aberwitz der Anklage wird durch die alte in Prozessen gegen die RAF schon dutzendfach zur Anwendung gekommene Kollektivschuld-These fortgeschrieben: Die Organisierung in der RAF beinhalte die Feuereröffnung bei Festnahmesituationen. In diesem Sinne habe Birgit in einer stillen Übereinkunft mit Wolfgang geschossen, ohne geschossen zu haben. Dementsprechend sei sie verantwortlich und schuldig.

Der Fakt der Festnahme wird für die Öffentlichkeit in einen Mordversuch verdreht. 100 Jahre Perfidie und Kontinuität einer Klassenjustiz, die etwa Folter und Mißhandlungen von Gefangenen zur "kulturellen Eigenheit eines Volkes" zählt, die das Anstecken einer roten Nelke als "Unterstützung einer kriminellen Vereinigung" wertet, oder die die Handwurzelknochen minderjähriger Flüchtlinge mißt zum Hochlügen der "Abschiebereife" (18 Jahre)... - garantieren genug Eifer um die Verurteilung von Birgit Hogefeld wegen Mordes in Bad Kleinen zu versuchen.

Im Gegenzug wurde das Ermittlungsverfahren gegen die Bullen der GSG-9 wegen Mord an Wolfgang Grams eingestellt. Die Justiz flankiert die Direktive aus dem Bundeskanzleramt. Kohl's Stellungnahme bei seiner Visite beim Grenzschutzkommando stellte unmißverständlich klar, daß die "Jungs von der GSG-9" nicht mit Schmutz beworfen werden dürfen. Dieser Marschbefehl wirkte: Die anfänglich kritische Berichterstattung schlug um und wich der Selbstmordbehauptung. Der "Spiegel" demontierte seinen eigenen Polizeizeugen und kaufte im Gegenzug bereits im August 1993 ein Interview mit dem VS-Agenten Steinmetz.


Bad Kleinen und das linksradikale Schweigen

Die vertuschte Erschießung von Wolfgang Grams auf den Gleisen von Bad Kleinen führte zur annähernd größten staatlichen Legitimationskrise im Zusammenhang mit der RAF seit 1977 (Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Schleyer, die Todesnacht in Stammheim am 18.10.77). Der Innenminister trat zurück, der Generalbundesanwalt wurde geschaßt, verschiedenste Untersuchungskomissionen wurden eingesetzt und wochenlanges Medieninteresse füllte die Schlagzeilen.

Im krassen Gegensatz dazu stand das nahezu vollständige Schweigen der in den Verratsfall Steinmetz involvierten Struktur der revolutionären Linken. Aufzuklären und öffentlichen Druck zu machen, hätte beinhaltet die Tatsache des Verrats und der geheimdienstlichen Unterwanderung ohne Umschweife zu benennen und somit die staatlichen Stellen unter öffentlichen Zugzwang zu setzen. In politisch unverantwortlicher Weise wurde dagegen der Spitzel so lange gegeneinander und untereinander gedeckt ("weil nicht sein darf, was nicht sein kann"), bis sich der Bullenapparat in seiner Version einigen konnte. Heute wird diese Behauptung seitens der Regierung wie eine Staatsdoktrin gehandhabt. Die Selbsttötung von Wolfgang Grams ist in Amt und Würden.

Der kurze Moment einer realen Staatskrise, wie er vielleicht im Zusammenhang mit der RAF in dieser Form einzigartig war, wurde weder erkannt noch ernst genommen. In absurder Weise kam ein dogmatischer Staats- und Gesellschaftsbegriff zum tragen: Die unterschiedlichen Apparate der Staatsmacht, etwa seine ideologischen wie die Medien, würden keine relative Autonomie haben, sondern nur auf Befehl reagieren. Die realen Abstimmungsschwierigkeiten innerhalb der Chefetagen von Bullen, Geheimdienst und Justiz im Verhältnis zur anfangs den Skandal witternden Presse, wurden in ein gezielt inszeniertes Kesselstreiben gegen den vermeintlichen Genossen Klaus Steinmetz und die revolutionäre Linke uminterpretiert.


Steinmetz'sche Folgeverfahren

Im Verfahren gegen Birgit Hogefeld wird Steinmetz von der BAW vorerst nicht in die erste Reihe geschoben. Dagegen spielt er eine zentrale Rolle in eingeleiteten Ermittlungsverfahren gegen Genossinnen und Genossen, die laut seinen Berichten mittelbar oder unmittelbar Kontakte zum bewaffneten Kommando der RAF herstellten bzw. dafür aufgrund ihrer politischen Geschichte in Frage kommen könnten. Von der BAW zirkuliert eine Liste mit über 20 von ihm genannten Namen. In den Prozeßakten gegen Birgit Hogefeld sind über 300 Seiten Steinmetz-Aussagen freigegeben. Stefan Frey, ein ehemaliges Mitglied der RAF, und Gila Pohl, Ehefrau eines politischen Gefangenen, die in einer Infostelle für politische Gefangene aktiv war, werden beschuldigt Kontakte vermittelt zu haben. In diesem Verfahren sind drei weitere Angehörige der ehemaligen Infostelle als ZeugInnen von der Staatsschutzpolizei festgenommen und vor den ermittelnden Richter des Bundesgerichtshofes zwangsvorgeführt worden. Alle haben jegliche Aussage, belastende wie entlastende, vor der Justiz abgelehnt. Zwei von ihnen, Anne Rauch und Gisela Dutzi, wurden zur Erpressung von Aussagen für vorläufig 4 und 5 Monaten in Beugehaft genommen.

Steinmetz war 10 Jahre in der radikalen und revolutionären Linken aktiv. Trotzdem wird noch immer geschwiegen! Und das nicht nur im Zusammenhang Bad Kleinen. Die öffentliche Sprachlosigkeit über die eigene Geschichte, politische Verwicklung und Verantwortung, sowie die daraus zu ziehenden Konsequenzen, vereinfachen es den Justizbehörden politische Vorgänge kriminalistisch zu handhaben. Die Tatsache etwa, daß eine politische Gruppe auf einer öffentlichen Ebene mit Steinmetz zu tun hatte, ist heute im Rahmen einer Gerichtsvorladung zwangsläufig eine Zeugenaussage. Vor anderthalb Jahren wäre genau das ein Beitrag und Bestandteil der so notwendigen Diskussion gewesen. Einer Diskussion, die in ihrer Bedeutung und Tragweite weit über den engeren politischen Zusammenhang bewaffneter Politik hinausgeht.

Aber das Schweigen erzeugt nur neues Schweigen. Außer den Genossinnen und Genossen der RAF und Birgit selbst hat sich niemand sonst aus dem geheimdienstlich direkt infiltrierten politischen Zusammenhang, in dem Klaus Steinmetz organisiert war, zu Wort gemeldet.
Dieses Dilemma und das offensichtlich gesellschaftliche Desinteresse macht sich die Bundesanwaltschaft zu nutze. Es ist keine Panikmache oder falsche Übertreibung, wenn noch mit hunderten von Ermittlungsverfahren gerechnet werden kann, in denen es auch immer wieder Zeugenvorladungen geben wird. Möglicherweise auch in den Prozessen gegen Birgit Hogefeld. Und das muß nicht Morgen sein. Noch heute gibt es Zeugenladungen und Verfahren im Zusammenhang von Aktivitäten und Aktionen bewaffneter und militanter Gruppen oder Organisationen der 70er Jahre. Bullen und Justiz haben also erfahrungsgemäß Zeit.

Im Hinblick darauf war die Haltung der Genossinnen Anne Rauch und Gisela Dutzi bewußter Widerstand. Dies gilt nicht nur im Zusammenhang weiterer Verfahren durch Steinmetz-Protokolle, sondern grundsätzlich, wenn Staatsanwälte und Gerichte durch Zeugenvorladungen Aussagen erpressen wollen. Sei es zur juristischen Abwicklung der Politik bewaffneter und unbewaffneter antiimperialistischer Gruppen, oder aber in Verfahren gegen Antifaschistinnen und Antifaschisten.


Solidarität mit Birgit Hogefeld und allen anderen revolutionären Gefangenen!

Der reaktionäre Trend staatlicher Bekämpfung linker und radikaler Opposition hat unübersehbar Aufwind. Längst nicht nur in der "Gefangenenfrage". Das Szenario der innenpolitischen Apartheidsstrategie richtet sich beispielsweise gegen die Genossinnen und Genossen der göttinger Antifa(M), die den Weg bundesweiter Organisierung antifaschistischer Kräfte versuchen voranzutreiben, wie auch gegen die in Deutschland lebenden Kurdinnen und Kurden, die die blutige Zerschlagung ihres Freiheitskampfes durch türkisches Militär mit bundesdeutschem Beistand nicht stillschweigend akzeptieren. Dort, wo Integration und Eindämmung nicht mehr greift, wird hemmungslos auf Polizeiknüppel und Kriminalisierung, Abschiebung und politische Ausgrenzung gesetzt.

Birgit Hogefelds Freiheit wird in diesem Staatsschutzbunker nicht durchsetzbar sein. Da dürfen keine Illusionen aufkommen. Ihr Lebenslänglich ist in den Akten der bundesdeutschen Staatssicherheit längst festgeschrieben.
In diesen Schauprozessen sind schon andere Genossinnen und Genossen mit wesentlich "geringfügigeren" Anklagen zu langen Knastjahren verurteilt worden. Zuletzt Rolf-Clemens Wagner, dem im gleichen Gerichtssaal zusätzlich die "besondere Schwere der Schuld" durch Kronzeugenaussagen der "DDR-Heimkehrer" aus der RAF in ein bereits bestehendes lebenslänglich gemeißelt wurde. Das heißt nach 15 Jahren wird keine formale Überprüfung eingeleitet. Wie schon bei Christian Klar, Heidi Schulz, Eva Haule und noch kommenden Verfahren bedeutet dies die justizielle Absicherung des Knast auf ewig.

In der Frage der politischen Gefangenen setzt die Regierung auf die zerrüttende Wirkung der Zeit. Mindestens 15 bis 20 Jahre Isolation im Beton, der sichere Knast ins nächste Jahrtausend, verwoben mit wenigen längst überfälligen Freilassungen einzelner, wie den langjährig haftunfähigen Bernd Rössner oder möglicherweise Irmgard Möller nach 23 Jahren Hochsicherheitsknast, sollen Moral und Überlebenswillen der gefangenen Genossinnen und Genossen entgültig zermürben und neuen Mut zum Kampf fesseln.

Trotz und gerade wegen dieser schlechten Voraussetzungen ist es wichtig den Prozeß gegen Birgit Hogefeld zu besuchen.
Damit die Genossin nicht mit dieser zynischen Staatsschutzjustiz allein gelassen wird! Damit eine aufmerksame Prozeßbeobachtung und öffentliche Kritik möglicherweise bewirkt, daß die regierungsamtlichen Lügner zu den Vorgängen um Bad Kleinen nicht völlig ungehindert schalten und walten!


Besucht diesen Prozeß und macht die Vorgänge öffentlich!


Prozeßtermine: jeweils um 9.30h
Dienstag und Donnerstag, 15.11.- 20.12.94
Freitag, 23.12.94
Dienstag und Donnerstag, 3.1.- 17.1.95
Montag, 30.1.95

Ort:
Gerichtsgebäude E, Saal II
Konrad-Adenauerstr./Ecke Seilerstr.
Frankfurt


No Justice - No Peace! Ohne Gerechtigkeit keinen Frieden!

Frankfurt, 7.11.94