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MASSENABSCHIEBUNGEN AUF LAMPEDUSA
(it) Comunicato della Rete Antirazzista Siciliana sulle deportazioni di massa

 

Auf Lampedusa ist in den vergangenen Tagen das Schlimmste passiert. Die italienische Regierung hat eine Serie von Massenabschiebungen geplant, organisiert und durchgeführt, um schnell das "Temporäre Aufenthaltszentrum" der Insel zu "entleeren". Hunderte und aberhunderte von ImmigrantInnen wurden buchstäblich nach Libyen deportiert, mit Praktiken und Methoden, die an die finstersten Perioden der europäischen Geschichte erinnern.

MASSENABSCHIEBUNGEN AUF LAMPEDUSA
(it) Comunicato della Rete Antirazzista Siciliana sulle deportazioni di massa

Auf Lampedusa ist in den vergangenen Tagen das Schlimmste passiert. Die italienische Regierung hat eine Serie von Massenabschiebungen geplant, organisiert und durchgeführt, um schnell das "Temporäre Aufenthaltszentrum" der Insel zu "entleeren". Hunderte und aberhunderte von ImmigrantInnen wurden buchstäblich nach Libyen deportiert, mit Praktiken und Methoden, die an die finstersten Perioden der europäischen Geschichte erinnern. Wir sind in eine Situation zurückgekehrt, in der der Staat denen den Krieg erklärt, die anders, unerwünscht, wehrlos sind.

In der betäubenden Ruhe der Fernsehsender und Zeitungen – zu sehr daran gewöhnt, die Papierchen der Polizeipräsidien oder die heuchlerischen Erklärungen von [Innen-, Üs.] Minister Pisanu zu veröffentlichen – hat sich ein kollektives Drama mit systematischen und fortgesetzten Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen abgespielt. Einige AktivistInnen des Sizilianischen Antirassistischen Netzwerks haben sich persönlich nach Lampedusa begeben, um den Horror aus der Nähe zu beobachten und nach außen mitzuteilen. Das "Temporäre Aufenthaltszentrum" (CPT) von Lampedusa ist ein Lager [im Original deutsch, Üs] in jeder Hinsicht: Die ImmigrantInnen werden in großer Zahl im Inneren ungastlicher Container zusammengepfercht. Sie schlafen auf dem Boden, im Dreck, ohne jegliche Ausstattung. Die hygienischen Verhältnisse der äußeren Höfe sind irrsinnig: Stapel von Müll, brechreizerregender Geruch und Gestank, Bäder ohne Türen, überall Exkremente und Urin.

Die ImmigrantInnen werden in unmenschlichen Bedingungen festgehalten, und auch vom juristischen Gesichtspunkt wird keines der Verfahren eingehalten, die für Neuankömmlinge in unserem Land vorgeschrieben sind. Niemand wird gefragt, ob er/sie politisches Asyl beantragen will, niemand bekommt ärztliche oder anwaltliche Hilfe. Die Delegationen von AktivistInnen und ParlamentarierInnen, die sich Zugang zum CPT verschafft haben, haben festgestellt, daß sich unter den Festgehaltenen dort auch Minderjährige befinden, und Minderjährige können – laut Gesetz – dort nicht festgehalten werden.

Die Abschiebungen wurden in erschreckender Weise durchgeführt: Gruppen von dreißig, vierzig Menschen mit dem Gesicht an der Wand, gefesselt mit Plastikbändern, warten unter der brennenden Sonne, ohne daß sie jemand informiert, wo sie hingebracht werden. Schließlich kommen vier oder mehr militärische C-130-Frachtflugzeuge, in die die Personen unter strenger Bewachung von Carabinieri, Polizei und Personal des Vereins "Misericordia" [Barmherzigkeit, Üs] aus Palermo gebracht werden.

Die "Misericordia" aus Palermo verwaltet das Lager von Lampedusa: Verantwortliche und Angestellte dieses Vereins sind in allem und durch alles ExekutorInnen und KomplizInnen dieses Gemetzels. Im CPT von Lampedusa gibt es weder Aufnahme noch Hilfe. Die "Misericordia" aus Palermo beteiligt sich aktiv an der Verladung und Deportation hunderter von Menschen. Es ist eine Schande, die in deutlichen Worten angeprangert wird: Es ist unerträglich, daß gewisse Subjekte sich weiterhin als freiwillige HelferInnen der praktischen Nächstenliebe ausgeben. Alle Internierungszentren für ImmigrantInnen sind Lager, weil sie der Anforderung nachkommen, BürgerInnen anderer Länder festzuhalten und einzusperren, die nicht die geforderten Papiere haben. Und auf Lampedusa haben wir mit eigenen Augen Sachen gesehen, die nicht verschwiegen werden können. Die Abkommen, die die italienische Regierung mit der libyschen Regierung geschlossen hat, dienen dazu: Im Austausch für Geld, Waffen und Ausbildung für die libysche Polizei wird sich Gaddafi darum kümmern, die ImmigrantInnen, die nach Italien kommen, "angemessen" aufzunehmen. Deswegen werden die Leute nach Libyen abgeschoben, und so werden die Geschäfte der Mächtigen auf dem Rücken derer ausgetragen, die keine Stimme haben.

WIR WERDEN DIESE VERBRECHEN WEITER ANPRANGERN, SOLANGE ALL DAS NICHT AUFHÖRT!
FREIHEIT FÜR ALLE MIGRANTiNNEN!

Von: FdCA Palermo
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http://www.ainfos.org/04/oct/ainfos00285.html
(it) Comunicato della Rete Antirazzista Siciliana sulle deportazioni di massa


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Dokument veröffentlicht am 22.10.2004 um 21:52 Uhr durch OnlineRedaktion
zuletzt geändert am 17.06.2005 - 06:31
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