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Freilassung aller Gefangenen aus Action Directe!
Kundgebung am 25. Juni um 16.00 Uhr vor der französischen Botschaft am Pariser Platz in Berlin

 



Freilassung aller Gefangenen aus Action Directe

Seit einiger Zeit läuft in Frankreich eine Mobilisierung zur Freilassung aller Gefangenen aus Action Directe,
von denen einige schwer erkrankt sind. In Paris und anderen französischen Städten finden in bestimmten Abständen Kundgebungen statt und es werden andere öffentliche Aktionen durchgeführt wie die kurzfristige Besetzung der Ärztekammer in Paris. Auch in der BRD gab es in den letzten Wochen Kundgebungen vor dem französischen Konsulat in Frankfurt und Saarbrücken und vor der französischen Botschaft in Berlin.

Endlich ! Joelle Aubron wurde am 16. Juni freigelassen !

Am 14. Juni wurde dem Antrag auf Haftaussetzung aus gesundheitlichen Gründen stattgegeben, nachdem er vorher drei Mal aufgeschoben wurde. So ist am 16. Juni Joelle endlich freigelassen worden.. Obwohl es angesichts des Gesundheitszustandes von Joelle selbstverständlich wäre, musste die Entscheidung dem Staat abgerungen werden. Dies ist ein erster Erfolg der Mobilisierung für die Freilassung der Gefangenen aus Action Directe. Ein Ergebnis aller Bemühungen und Solidarität, die zum Teil seit vielen Jahren, und auch verstärkt in den letzten Monaten in Frankreich und international (z.B. Belgien, Spanien, Deutschland) zum Ausdruck kamen.
Das französische Kollektiv NLPF hat unmittelbar nach der Entscheidung erklärt:“Dieser erster Sieg gegen das Programm der Vernichtung der Militanten aus Action Directe verlangt nach weiteren: unser Kampf wird nicht enden, bevor alle 5 GenossInnen befreit sind“
Genau deswegen halten wir auch hier wieder vor der französischen Botschaft eine weitere Kundgebung ab.

Was war Action Directe ?

Viele wissen es nicht. In den 80er Jahren gab es eine Guerillaorganisation in Frankreich mit diesem Namen. Während sie ab 1979 Angriffe gegen politische Einrichtungen organisierte, ging sie ab 1985 dazu über, gemeinsam mit der RAF eine westeuropäische Front aufzubauen. Ihre Aktionen richteten sich gegen einen Verantwortlichen für Waffenhandel (General Audran) und gegen den Großunternehmer Georges Besse, eine treibende Kraft für industrielle Umstrukturierung und Massenentlassung.
In dieser Zeit gab es Mobilisierungen gegen die Aufrüstung der NATO, deren Hochrüstung und Kriegsführung auf niederer Ebene. Viele hatten sich zum Ziel gesetzt zu verhindern, was in den 90ern Realität wurde: die NATO in Jugoslawien und weltweite Kriegseinsätze. Es war die Zeit, in der linke Bewegungen und Mobilisierungen zusammenkamen, der Aufbruch zu einer gemeinsamen westeuropäischen Front des Widerstandes mobilisierte sich. Action Directe und RAF unternahmen gemeinsame bewaffnete Aktionen.
Von beiden Guerillaorganisationen sind noch heute Gefangene im Knast – in Frankreich und in Deutschland. Hier sind es Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar, Eva Haule und Birgit Hogefeld. In Frankreich

Die Gefangenen aus Action Directe

Regis Schleicher, Nathalie Menigion, Jean-Marc Rouillan und Georges Cipriani.
Regis wurde 1984 verhaftet und zu lebenslänglich verurteilt. Mittlerweile sitzt er seit 20 Jahren im Knast. Seit Herbst 2001 hat er drei Anträge auf Freilassung gestellt. Alle drei wurden abgelehnt! Einer der Haftrichter forderte ihn auf, sich von den Kämpfen der türkischen und palästinensischen Gefangenen zu distanzieren. Als Regis dies ablehnte,sagte ihm der Richter, dass er solch einer Position niemals aus dem Gefängnis kommen würde. Mit anderen Worten: wenn die Gefangen nicht abschwören, sollen sie im Knast krepieren.
Im Februar 1987 wurden auch Nathalie, Joelle, Jean-Marc und Georges verhaftet. Auch sie wurden zu lebenslänglich, zu mindestens 18 Jahren, verurteilt. Sie hatten über Jahre sehr scharfe Isolations- und Sonderhaft, die weisse Folter, die bei politischen Gefangenen immer auf das Abschwören von ihrer politischen Identität zielt. Keine/r der Gefangenen hat dies getan. Die körperlichen und psychischen Folgen einer solchen Haft bleiben nicht aus. Auch wenn die Isolationshaft beendet ist, hält deren Wirkung an. Die beiden gefangenen Frauen hatten nach 12 Jahren Isolationshaft durch viele Kämpfe z.B. Hungerstreiks „normale“ Haftbedingungen erstritten.

Die aktuelle Situation

Nathalie hatte seit 1996 drei Schlaganfälle, von denen sie sich unter den Bedingungen des Knastes nie richtig erholt hat. Seit dieser Zeit ist sie ohne angemessene medizinische Versorgung. Ihre Anträge auf Haftaussetzung wurden immer wieder abgelehnt, zuletzt ihr dritter im April 2004.

Mitte März wurde bei Joelle eine Krebserkrankung diagnostiziert, nachdem sie neurologische Ausfälle hatte und mehrmals bewusstlos wurde. Es wurde eine Metastase im Gehirn entdeckt und sofort operiert, der Ursprungs-
tumor konnte bisher jedoch nicht gefunden werden. Infolge der Operation leidet Joelle an epileptischen Anfällen, die medikamentös behandelt werden müssen. Zuletzt erhielt sie eine zweiwöchige Strahlentherapie und es müssen nun engmaschige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um eine Ausweitung des Krebses zu verhindern. Im Kampf gegen eine solche Erkrankung wird alle Kraft gebraucht und es muss eine Umgebung sein, die einen stützt und nicht zusätzlich belastet.
Erinnern wir uns an die Bedingungen während ihrer stationären Aufenthalte im Krankenhaus Lille: 10 Tage ohne jeden Kontakt, dann eingeschränktes Besuchsrecht für eine halbe Stunde nur für die Angehörigen, keine Post, kaum Materialien, unter Dauerbewachung von 3 Polizisten bei meist offener Türe sowie Ankettung einer Hand mit Handschellen ans Bett, die erst nach Protesten draußen und auf ärztliche Anordnung aufgehoben wurde. Genug Fakten um zu erkennen, dass eine angemessene Behandlung unter diesen Bedingungen nicht möglich ist.
Die Statistiken geben eine ungünstige Prognose für solche Art von Krebserkrankung – aber jeder Mensch ist anders und Joelle hat das Recht auf eine Chance gegen diese Krankheit anzugehen – und dass kann nur draußen sein.
Deshalb hatte Joelle im April einen Antrag auf Haftentlassung gestellt, drei Mal wurde eine Entscheidung unter verschiedenen Vorwänden herausgezögert und aufgeschoben. Damit spielte das Gericht auf Zeit in einer Situation, wo die gerichtlich bestellten Gutachter eine begrenzte Lebenserwartung für Joelle diagnostiziert hatten und eine absehbare Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes prognostizierten. Trotzdem befürworteten sie nicht die sofortige Haftentlassung, da sie sogar behaupteten, eine Behandlung wäre im Knast möglich. Die Gutachter machten sich damit zu Handlangern in einem brutalen Kalkül. Es war offensichtlich, sie wollten Joelle solange im Knast behalten, bis die Chance einer möglichen Genesung auf ein Minimum gesunken wäre. Erst durch die Proteste in Frankreich und anderen Staaten Europas sah sich das Gericht genötigt, Joelle endlich frei zu lassen.

Trotz der Haftaussetzung von Joelle hat sich indessen in den letzten Wochen der Druck auf die übrigen Gefangenen aus Action Directe noch weiter erhöht. Jean-Marc, bei dem vor mehreren Monaten ein Verdacht auf Lungenkrebs diagnostiziert wurde, wurde Mitte Mai in einer Nacht- und Nebelaktion von Moulin nach Fleury-Merogis verlegt. Ihm und drei anderen Gefangenen wurde unter fadenscheinigen Gründen die angebliche Vorbereitung einer Flucht vorgeworfen. Bei der Durchsuchung der Zellen wurden die Gefangenen unter den Augen des Knastdirektors den scheinbar international vereinheitlichten Formen der Demütigung unterzogen: Sie wurden von der vermummten Spezialeinheit ERIS nackt aus den Betten gezerrt, im Gefängnis herumgeschleift, auf die Knie gezwungen und mit einem Handtuch geknebelt. Jean-Marc sagte dazu, dass er in seiner langen Haftzeit von 18 Jahren schon einiges an Gewalt und Schlägen erlebt hat, aber noch nicht eine solche Art der Erniedrigung. Gegen diese Behandlung hat Jean-Marc Anzeige erstattet.
Am 17. Juni ist Jean-Marc nach Fresnes verlegt worden. Damit können endlich die dringend notwendigen Untersuchungen wieder aufgenommen werden, die nach seiner brutalen Verlegung von Moulin nach Fleury-Merogis ausgesetzt wurden.

Georges war in Folge der Isolationshaft 1 ? Jahre in der Gefängnispsychiatrie.

Das im Knast keine angemessene Behandlung stattfinden kann, zeigt allein die Tatsache, dass sich der Gesundheitszustand der Gefangenen im Laufe der Jahre immer weiter verschlechtert hat. Im Knast ist eine medizinisch notwendige Behandlung nicht selbstverständlich. Es gibt dort Hürden, Verzögerungen, Nichtbehandlung. Behandlung aber bedeutet nicht die Verwaltung von Krankheit, sondern die Chance wieder gesund zu werden, diese Möglichkeit wird den Gefangenen unter den Knastbedingungen verwehrt. Deshalb müssen alle Gefangenen aus Action Directe sofort freigelassen werden.

Kundgebung am 25. Juni um 16.00 Uhr vor der französischen Botschaft am Pariser Platz in Berlin

Initiative für die Freilassung der Gefangenen aus Action Directe / Bewegung 18. Oktober (weitere Infos unter: www.action-directe.net)


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Dokument veröffentlicht am 24.06.2004 um 16:20 Uhr durch Libertad_Berlin
zuletzt geändert am 05.08.2004 - 09:06
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