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Voraussichtlich ab dem 10. Mai 04 findet vor dem Geschworenengericht in Zürich ein weiterer Prozess gegen unseren Freund und Genossen Marco Camenisch statt: die Schweizer Rachejustiz will es nochmals wissen.
SOLIDARITÄT MIT MARCO CAMENISCH
Voraussichtlich ab dem 10. Mai 04 findet vor dem Geschworenengericht in Zürich ein weiterer Prozess gegen unseren Freund und Genossen Marco Camenisch statt: die Schweizer Rachejustiz will es nochmals wissen.
Und noch ein Prozess?
Seit gut zwei Jahren sitzt Marco, Militanter der Anti-AKW-Bewegung und kämpferischer Anarchist, wieder in Schweizer Knästen, nachdem er in Italien ua. für Sabotage-Aktionen an Strommasten mehr als zehn Jahre in Hochsicherheitsknästen bei permanenter Kleingruppenisolation abgesessen hat.
Die Schweiz wollte ihn, weil er hier noch gut acht Jahre Knast offen hat: 81 wurde er vom Kantonsgericht Chur für Sabotage an einem Strommasten und an einem Unterwerk der Nordostschweizer Kraftwerke (NOK) bei Bad Ragaz zur drakonischen Strafe von zehn Jahren verurteilt - ein weiterer Mitangeklagter kassierte siebeneinhalb Jahre. Ende 81 floh Marco zusammen mit fünf weiteren Gefangenen aus dem Knast bei Regensdorf/ZH. Also sind noch gut acht Jahre offen. Das ist das eine.
Andererseits gab es für den Ausbruch, bei dem ein Wärter verletzt, ein weiterer umgekommen ist, einen Haftbefehl gegen ihn. Und es gab noch einen Haftbefehl für den Tod eines Grenzwächters bei Brusio/GR, für den er 89 von Staatsschutz und Medien verantwortlich gemacht wurde. Der bevorstehende, rund einen Monat dauernde Prozess vor dem Geschworenengericht wird den Ausbruch und die Geschichte in Brusio behandeln.
Natürlich geht es da um mehr, als auf dem Papier steht. Abgeurteilt werden soll nicht zuletzt Marcos Entscheidung, militant gegen die Herrschenden zu kämpfen. Er soll auf Biegen und Brechen ein weiteres Mal verknackt werden, damit allen wieder einmal bewiesen wurde, dass es sich nicht lohnt so zu kämpfen. Zudem kann der Prozess von der jüngsten europaweiten Repressionswelle gegen die revolutionäre Linke nicht losgelöst betrachtet werden.
Zurück in der Schweiz
Seit Marco wieder in der Schweiz ist, wurde er von einem Loch ins andere Verschoben. Er war der Willkür der jeweiligen Knastleitung und den Weisungen der mit den Untersuchungen beauftragten Zürcher Bezirksanwältin (und Tochter des langjährigen NOK-chefe) Wiederkehr unterworfen. Das bedeuete andauernde Isolationshaft, unzureichende medizinische Versorgung, Trennscheibe bei Besuchen, oft verhinderte bzw. absichtlich verlangsamte Briefpost usw. Die Schikanen sollten ihn, der eine Zusammenarbeit mit der Justiz ablehnt, zerbmürben, sollten ihn menschlich und politisch brechen. Marco wehrte sich und konnte dabei auf die aktive Unterstützung einer internationalen Solidaritätsbewegung zählen.
Zunächst sass er in Pfäffikon/ZH, dann verlegten sie ihn kurz vor einer angekündigten Demo im Dez. 02 in die Knastfestung Thorberg bei Bern. Wegen den äusserst schlechten Haftbedingungen im Thorberg, aber auch, weil das World Economic Forum in Davos tagte, trat er im Januar 03 in einen befristeten Hungerstreik - die Initiative war eingebettet in internationale Aktionstage, an denen sich Gruppen in Europa und Lateinamerika beteiligten. Erreicht wurde dadurch seine Verlegung nach Chur in den Normalvollzug. Im April 03 verlegten sie ihn unverhofft wieder zurück nach Pfäffikon, auf Geheiss des Zürcher Staatsanwalts Weder, der angeblich um die Sicherheit in Chur besorgt war. Natürlich wurde das Haftregime wieder verschärft.
Im Herbst 03 wurde zunächst Marcos Zelle, eine Woche an die hundert Wohnungen und Büros von GenossInnen und UnterstützerInnen in Italien von Spezialeinheiten der Carabinieri durchsucht. Der lächerliche Vorwand: Er sei der capo einer sog. 'terroristischen Vereinigung' und habe aus seiner Zelle heraus Anschläge angeordnet. Angesichts dessen wurde am 2. Nov. 03 ein weiterer internationaler Aktionstag durchgeführt. Kurz vor der an diesem Tag angekündigten Demo nach Pfäffikon verlegten sie ihn noch einmal. Diesmal in den Flughafenknast bei Zürich, wo er bis jetzt sitzt.
Solidarität
Mit unterschiedlichen Aktionen, regelmässigen Knastspaziergängen und einigen Veranstaltungen versuchten wir in den letzten zwei Jahren, zum einen Marco als politischen Gefangenen konkret zu unterstützen, zum anderen seine Geschichte als Teil militanter Kämpfe in den Metropolen nach 68 zu vermitteln. Besonders wichtig war und ist uns dabei, ihn in die laufenden Kämpfe miteinzubeziehen.
Eine Stärke der internationalen Solidaritätsbewegung ist die erreichte politische Vielfalt. Und die ist gerade jetzt, beim anstehenden Prozess, wichtig. In diesem Sinne: Beteiligt euch mit eigenen Aktionen, Veranstaltungen, Konzerten, Discos, Voküs, Bars und - falls möglich - mit Spenden (der Prozess überschreitet unsere Mittel bei weiterm) an der Mobilisierung!
Klar, wir werden unseren Genossen im Gerichtssaal nicht alleine lassen. Es gilt, der zu erwartenden Hetze, der versuchten Entsolidarisierung, Vereinzelung und Entpolitisierung unser kämpferische Solidarität und die Kontinuität des Widerstands entgegenzusetzen: Betroffen ist einer, gemeint sind viele! Nicht zuletzt deshalb haben wird internationale ProzessbeobachterInnen eingeladen, deren politische Erfahrungen und Geschichten als Militante, UnterstützerInnen, Angehörige usw. Marco als Einzelperson ein Stück weit kollektiv aufzuheben vermögen. Geplant ist zudem eine Prozessberichterstattung, damit alle auf dem neuesten Stand sind. Dazu brauchen wir aber eure Unterstützung, meldet euch bei uns.
Im Vorfeld des Prozesses werden wir in einigen Schweizer Städten Infoveranstaltungen durchführen, bei denen Marcos Geschichte, die Geschichte des Anti-AKW-Kampfs und die Mobilisierung auf den Prozess im Mittelpunkt stehen:
- Samstag 3. April 04: Lugano, CSA Molino - Montag 5. April 04: Schwyz, Café Kabul - Dienstag 6. April 04: Luzern, Infoladen Romp - Mittwoch 7. April 04: Bern, Reitschule - Donnerstag 8. April 04: Winterthur, Infoladen Rabia - Freitag 9. April 04: Bremgarten, Kuzeb - Montag 12. April 04: La Chaux-de-Fonds, ADC - Dienstag 13. April 04: Chur, Ort noch unklar - Mittwoch 14. April 04: Zürich, Volkshaus (Gelber Saal) - Donnerstag 15. April 04: Elsässerstr. 11
Mittwoch, den 28. April 04: „Solikonzert für Marco Camenisch und einen revolutionären 1. Mai“. Kanzleiturnhalle in Zürich (Kanzleistr.). Ab 19h Bar und Infoblock mit Redebeiträgen und aktuellen Infos, Info- und Bücherstände, ab 21h Konzert mit diversen Bands (siehe www.sri-rhi.org). Wird streckenweise von Radio LORA live übertragen
Am Wochende vor dem Prozessbeginn finden weitere Mobilsierungsveranstaltungen statt:
- Samstag 8. Mai 04: Demo 'Freiheit für Marco Camenisch - Solidarität mit den politischen Gefangenen - gegen Repression', 14.00 Hechtplatz, Zürich; am Abend: Veranstaltung mit internationalen ProzessbeobachterInnen, 20.00 Volkshaus, Zürich - Sonntag 9. Mai 04: Brunch und Diskussion mit ProzessbeobachterInnen, ab 11.00 Squat Kalkbreite, Zürich
Und selbstverständlich rufen wir alle auf, an den öffentlichen Prozess zu gehen. Für den ersten Prozesstag: Montag 10. Mai 04, 8.30 vor dem Obergericht (Hirschengraben 15, Zürich)
Zeigen wir Marco, dass er nicht alleine ist - schliesst euch der Mobilisierung an! Solidarität ist eine Waffe!
FreundInnen und UnterstützerInnen von Marco Camenisch März 04
Kontakt: marco_camenisch@bluemail.ch Informationen: www.freecamenisch.net, www.indymedia.ch, www.sri-rhi.org, apa.online.free.fr Solikonto: PC 87-112365-3 (PAN-IG, 8000 Zürich) schreibt Marco: Marco Camenisch, Flughafengefängnis, Abteilung Untersuchungshaft und Vollzug, CH-8058 Zürich-Flughafen
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© So Oder So
Dokument veröffentlicht am 03.04.2004 um 13:01 Uhr durch admin
zuletzt geändert am
17.06.2005 - 07:31
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