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Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir in Zeitungsberichten nicht die Schreie unserer Kinder in den Gefängnissen oder während ihrer Festnahme hören. Es vergeht kein Tag, an dem wir MenschenrechtlerInnen die Berichte über Folter und Misshandlung von Kindern durch die bei uns eingehende Anträge untersuchen müssen. Um mit einem Beispiel das Erlebte zu konkretisieren: Schauen wir uns das Gefängnis Aydin an, in das auch die Untersuchungskommission für Menschenrechte des Grossen Türkischen Nationalparlamentes eine Delegation sandte:
Den Berichten von MenschenrechtlerInnen und Mitgliedern der Untersuchungskommission für Menschenrechte des türkischen Parlaments zufolge, die in den vergangenen Sommermonaten im E-Typ Gefängnis von Aydin eine Untersuchung durchgeführt haben, sind die Kinder durch das Gefängnispersonal Folter und Misshandlungen ausgesetzt. Die Situation unsere Kinder, die unsere Zukunft sind, sieht demnach folgendermassen aus: “Ausnahmslos waren die Oberkörper aller Kinder nackt und ihr Oberkörper voller Wunden. Mit allem was sie finden konnten, Rasierklingen, Eisenstücke, Kacheln haben sie sich verwundet. Frisches Blutgeruch war in der Luft, als wir da waren. In den Zellen waren statt Betten nur vom Dreck fast schwarz gewordene Matratzen. Bettbezüge oder Decken waren nicht vorhanden. In der Zelle in die wir ohne Gefängnispersonal hineingingen, haben uns die Kinder erzählt, dass sie von den Wächtern gefoltert werden.” Es sind die Kinder unserer Zukunft, die erzählen, dass vier Kinder der Kinderzelle ständig von 12 Personen vergewaltigt werden und einer berichtete, dass er sich freiwillig in die Einzelzelle einschließen ließ, weil sie auch ihn vergewaltigen wollten.
Eine andere Botschaft unserer Kinder, die die Zukunft der Menschheit sind, aus den Gefängnissen und Polizeistationen ist, in wieweit sie vergessen wurden. Während die Kinder ihres Alters in anderen Ecke dieser Erde die mit Computer und bunten Farbstiften aufwachsen, ist es eine Leben in der Farbe des Blutes, das ihnen das Gefängnispersonal für angemessen hält.
Die Menschenrechtsverletzungen in den türkischen Gefängnissen haben eine alamierende Dimension angenommen. In den F- und D-Typ Gefängnissen, in die die politischen Gefangenen verlegt werden, wird die Isolation angestrebt. Die Rechte auf Kommunikation, Verpflegung und Information werden verletzt. Uns ist auch bekannt, dass nicht politische Gefangene ebenfalls unter unhygienischen Bedingungen festgehalten werden. Die Gefängnisse in der Türkei, vor allem die Gefängnisse für Frauen und Kinder, sind Orte in denen viellerlei Rechte, vor allem das Recht auf Gesundheit systematisch verletzt werden.
Im weiteren sind wir sehr besorgt darüber, dass in den Gefängnissen mit Einzelzellsystem, in denen die Isolation der Gefangenen angestrebt wird, unklare Todesfälle zunehmen. Rıdvan Saday (17) wurde wegen dem Versuch, sich einer illegalen Organisation anzuschließen, verhaftet und in das Gefängnis von Mardin gebracht. Weil sein Antrag, zu den politischen Gefangenen verlegt zu werden abgelehnt wurde, begann er einen Hungestreik und wurde am 11.01.2004 in der Einzelzelle tot aufgefunden. Nachdem die Gefängnisverwaltung den Vorfall als “Selbstmord” darstellte, die Familie hingegen beim IHD einen Untersuchungsantrag stellte, nahm eine AnwältInnen-Delegation des IHD die Untersuchung auf. Das Ergebnis der Untersuchung lautete, dass der Tod zweifelhaft sei und der Vorfall zu untersuchen ist.
Kurzum: Es sind unsere Kinder, die in den Zentren in denen sie festgenommen werden, gefoltert werden, Misshandlungen ausgesetzt sind, unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten und vergewaltigt werden und deren Lebensrecht bedroht ist. Wir können die Stimme derer sein, die die lautlosen Schreie in sich fließen lassen, d.h. wir, die wir die Welt von unseren Kindern nur ausgeliehen haben…
Gestern war es das Gefängnis von Ayin, heute ist es das Gefängnis von Mardin und morgen kann ein anderes Gefängnis auf der Tagesordnung stehen. Dabei liegt es in unserer Hand, dass unsere Zukunft mit Kinderlächeln und Regenbogenfarben gefüllt ist. Wir tragen also die Verantwortung, die Gründe für die Inhaftierung unserer Kinder aus der Welt zu räumen.
An dieser Stelle möchte ich erneut die Öffentlichkeit dazu aufrufen, zu den Dramen in den Kindergefängnissen nicht zu schweigen und ihrer Verantwortung nachzukommen.
Reyhan Demirkan
Stellvertretende Vorsitzende des türkischen Menschenrechtsvereins İHD
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© So Oder So
Dokument veröffentlicht am 13.03.2004 um 21:09 Uhr durch Libertad_Sued
zuletzt geändert am
17.06.2005 - 06:31
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