|
Trauriges Bethlehem
Von Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren - 5. Dezember 2000
TRAURIGES BETHLEHEM
Jedes Jahr um diese Zeit schreibe ich einen Bericht über die Weihnachtsvorbereitungen in Bethlehem, der traditionellen Geburtstadt von Jesus. Voriges Jahr noch waren es die fieberischen Vorbereitungen zu den großangelegten Millenium Weihnachtsfeiern, über welche ich berichtete. Dieses Jahr muss ich aber die traurige Nachricht bringen, dass die Stadt und christliche Gemeinde von Bethlehem, die Bischöfe im Land beschlossen haben, angesichts des gegenwärtigen Zustandes, der brutalen kriegerischen Gewaltmaßnahmen der israelischen Besatzer die sonst normalen Weihnachtsfestlichkeiten abgesagt werden mussten.
Was kann ich da sagen ? Gestern, am 4. Dezember, dem vierten Adventstag, beschossen die Besatzer vier Stunden lang Bethlehem, das nahegelegene Flüchtlingslager Aida, Beit-Dschallah, Beit Sahour mit dem, für das Christentum heilgen Feld der Hirten. Die kriegerische Auseinandersetzung begann, wie schon oft, um die für gläubige Juden, Christen und Muslims heilig gehaltene traditionelle Grabstätte der biblischen Prophetenmutter Rachel. Israelische Besatzertruppen verhinderten, wie letztens üblich, den Muslimen, welche ihre Ramadan Gebete an der auch für sie heilgen Stätte abhalten wollten. Steine flogen, Schüsse fielen von beiden Seiten. Und dann griffen die israelischen Kampfhubschrauber ein und feuerten wieder Raketen in die Stadt, zerstörten und beschädigten mehrere Gebäude. Israelische Panzer feuerten ebenfalls Granaten in die Menge und auf Gebäude im Vorfeld der von Israel befestigten Grabstätte von Rachel und dem anliegenden muslemischen Friedhof. Die Palästinenser meldeten von mehr als hundert teils schwer verletzten Einwohnern.
Bethlehem in diesen Vorweihnachtstagen. Was kann ich noch der schon vor einigen Tagen in der palästinensischen Tageszeitung Al-Hayyam erschienenen Beschreibung hinzufügen ?:
“Bethlehem ist traurig” berichtet die Zeitung. “Seine Einwohner leiden unsäglich. Ihre Nächte sind dunkel, der Strom versagt und die Zukunft erscheint blass. Israelische Panzer und Hubschrauber bombardieren nahezu allnächtlich Bethlehem und seine Schwesterstädte Beit-Dschalah und Beit-Sahour. Bethlehem ist, wie alle Städte und Dörfer in Palästina von Panzern und Besatzerblokaden umzingelt und abgeriegelt, von der Welt abgeschlossen. Die Menschen haben keine Bewegungsfreiheit. Israelische Besatzertruppen sind an allen Ein- und Ausgängen der Städte und Ortschaften stationiert, lassen niemanden durch. Israelische Panzer sind auf allen die Gegend beherrschende Höhen schussbereit aufgestellt. Sie machen Jagd auf die Bevölkerung und ihre Häuser in Bethlehem und den benachbarten Städten. Ohne Ende rauben sie unseren Boden, um immer noch mehr jüdische Siedlungen und überflüssige strategische Landstraßen anzulegen. Bethlehem ist nicht in der Lage dieses Jahr Weihnachten zu feiern. Seine Einwohner wehren sich gegen die Besatzer, behandeln ihre Wunden, beweinen ihre toten Martyrer und versuchen die Belagerung und Bombardierungen zu überleben....”.
Klar, dass dies auch die alljährlich anreisenden Pilger abhält zu kommmen. Die wirtschaftliche Härte wird Bethlehem, das zum Teil von der Weihnachtstouristenwelle lebt, schwer belasten. Durch die israelische Abriegelung, der Verhinderung von Arbeitskräften zu ihren Arbeitstätten zu gelangen, beträgt schon jetzt die Arbeitslosigkeitsrate unter der Bervölkerung in Bethlehem mehr als 40 Prozent der werktätrigen Bevölkerung. Hunger nagt in zahlreichen Familien, Kinder gewöhnen sich daran, hungrig ins Bett zu gehen. So sieht Vorweihnachten dieses Jahr in Bethlehem aus. Das sollte sich jeder gläubige Christ auf der ganzen Welt an diesem Weihnachen vor Augen halten und gegen die Gewaltmaßnahmen der, dem Völkerrecht zuwiderlaufend das Land beherrschende israelische Besatzung, gegen den Bombenterror aus Luft, Panzern und Geschützen, die Ghettoisierung und Einsperrung der Bevölkerung protestieren, sich mit den geknechteten Palästinensern, die um ihre Freiheit ringen, solidarisieren.
Dies ist der Ruf, der dieses Weinachten von Bethlehem in alle Welt hinausgeht.
[ document info ]
CopyLeft
© So Oder So
Dokument veröffentlicht am 05.12.2000 um 16:32 Uhr durch Libertad_Saar
zuletzt geändert am
17.06.2005 - 06:31
[HOCH] Artikel
kommentieren (0) empfehlen drucken
verfassen oder
versenden:
|