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EINSEITIGE HEUCHELEI

 



Israels Regierungschef Barak wendet sich an alle Nationen der Welt und sendet seine Gefährten, seinen jüngst zum amtierenden Aussenminister gekürten Polizeiminister Ben-Ami und den sich um einen globalisierenden, im Interesse der transnationalen Corporationen liegenden Frieden in der Nahost Region bemühenden Minister Peres, in die weite Welt hinaus


EINSEITIGE HEUCHELEI

Von Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren - 19. August 2000

Israels Regierungschef Barak wendet sich an alle Nationen der Welt und sendet seine Gefährten, seinen jüngst zum amtierenden Aussenminister gekürten Polizeiminister Ben-Ami und den sich um einen globalisierenden, im Interesse der transnationalen Corporationen liegenden Frieden in der Nahost Region bemühenden Minister Peres, in die weite Welt hinaus, um die Potentaten der Nationen aufzurufen, einer, von den Palästinensern einseitig, d.h. von Israel nicht abgesegneten, Staatsgründung nicht zuzustimmen. Und leider musste der Palästinenser Präsident Arafat bei seinen jüngsten Besuchen in den Hauptstädten vieler Staaten, insbesondere in Europa, darunter auch in Berlin (Oskar Fischer), dass eine ganze Reihe seiner besuchten Gesprächspartner von der israelischen Warnung vor einer angeblich einseitigen Staatsausrufung durch die Palästinenser beeiflußt waren.

Ist doch nach israelischer Auffassung die absolute Einseitigkeit politischer und staatlicher Beschlüsse und Aktivitäten das alleinige Privileg Israels und seiner zionistischen Führungskreise, ob von rechter oder von angeblich „linker“ Prägung. Lasst uns doch einmal historische, sich selbst usurpierte Einseitigkeiten der herrschenden zionistischen und israelischen Kreise aufzählen - und die im Folgenden angeführte Reihe ist weit ab von einem Anspruch auf Vollzähligkeit.

Die zionistische Parole und aktive Politik einer „Eroberung des Bodens“ und „Eroberung der Arbeit“, oder praktish der Raub des Bodens und den Arbeitsplätzen von den eingeborenen und ansässigen Palästinensern in dem von ihnen, unter der Ausrede einer vor vielen Jahrtausenden „von Gott verheissenen Vorsehung“ und eines ehemaligen jüdischen Staates, der von den Juden vor zwei Jahrtausenden verlassen wurde, wird in Palästina schon seit 120 Jahren ganz einseitig realisiert. Zuerst wurden diese Parolen von jüdischen, den Pogromen und der Ghettoisierung in dem damaligen Zarenreich ausweichenden Einwanderern praktikziert. Dabei nutzten sie korrupte arabische, meist nicht im Lande lebenden Großgrundbesitzer, sowie mit Geld geschmierte Handlanger unter der ebenfalls korrupten Beamtenschaft der türkisch-ottomanischen Kolonnialverwaltung (bis zum ersten Weltkrieg) für sich aus. Danach ging das weiter, jetzt mit Hilfe der nicht weniger korrupten britischen Mandatsverwaltung. Bei all dieser Eroberung des Bodens wurde die ethnische Säuberung des eroberten Bodens von der einheimischen arabisch-palästinensischen Bevölkerung, vertraglich mit den Großgrundbesizern, und wenn notwendig, mit brutaler Gewalt und der Hilfe der jeweiligen Kolonialmacht und deren Polizheikräften, durchgeführt. Man erinnere nur an die während der zwanziger Jahre des vorigen 20. Jahrhunderts angewandte gewaltsame Säuberung der damals so viel besungenen, von Sümpfen trocken gelegten Jesre‘el Talebene. Diese wurde während der jüdischen Besitznahme von den zehntausenden von einheimischen arabischen Ackerbauern und Viehzüchteren bewohnten 27 dort seit Generationen bevölkerten Dörfern und dem städtischen Marktflecken Al-Fuleh, welcher dann von den Eroberern in das heute zur Großstadt entwickelten Afula umbenannt wurde. Dasselbe gilt für die Gebiete um die heutige Stadt Hadera (früher arabisch Chadra) und seiner fruchtbaren Umgebung, welche gleich nach der Eroberung der Jesre`el Ebene durchgeführt wurde. Noch zu Ende des 19. Jahrhunderts „eroberte“, von gewissen Grossgrundbesitzern billigst ergaunerte Gebiete um Rischon Le-Zion, Petach-Tiqwah, Rehovot, Gedera, usw. und mit Hilfe geschmierter türkischer Beamten und Polizei araberrein besiedelt. Alles dies und noch viel mehr wurde von den zionistischen Herren und ihren meist irregeführten „Pionieren“, Einwanderer, welche im Allgemeinen keine Ahnung der Eroberungsvorgeschichte hatten, völlig einseitig und ohne Einwilligung der das Land bearbeitenden Bevölkerung durchgeführt, welche ja sowieso von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden. (All das kann man, wohl dokumentiert in dem von mir verfasssten 1982 um Verlag „Marxistische Blaätter“ und erweitert 1984 im Dietz Verlag erschienenen Buch „Die Palästinenser - Geschichte und Gegenwart“ lesen.)

Um die zionistische Weltbewegung während der Besitzergreifung Palästinas durch die britische Kolonialarme während des ersten Weltkriegs von einer angedrohten möglichen Zusammenarbeit mit dem deutschen Kaiserreich und ihrem Verbündeten, dem türkisch Osmanischen Reich abzuhalten, versprach der britische Aussenminister, Sir James Balfour in einem Brief and den französischen Edmond de Rothschild, dass die britische Regierung „die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina“ mit Wohlwollen betrachte“. Allerdings machte Balfour in diesem, als „Balfour Deklaration“ in die Geschichte eingegangenen Brief die Einschränkung, dass die religiösen und bürgelichen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung des Landes davon nicht beeinträchtigt werden dürften. Dieser weite Teil des Briefes wird von den Zionisten bezeichenderweise verschwiegen. Weder die einheimische arabisch-palästinensische Bevölkerung, noch deren nationalen Führungskräfte, wurden vorher über ihre Meinung befragt. Die zionistische Weltorganisation deutete dies dahin, dass auch sie berechtigt seien, eine völlig einseitige Auslegung dieser versprochenen „Nationalen Heimstätte für die Juden“ beanspruchen zu können. Dies schlug sich dann in dem, von der Delegation der zionistischen Weltbewegung unter der Leitung von Dr. Chaim Weizman, dem späteren ersten Staatspräsident von Israel, 1919 der (Alliierten-türkischen) Friedenskonferenz in Paris vorgelegten Dokument nieder. Darin forderte die zionistische Bewegung völlig einsetig, die Grenzen des in der Balfour Deklaration versprochenen „Heimstatte“ festzulegen. Diese Grenzen sollten ausser ganz Palästina auch weite Gebiete im Süden von Libanon, von Syrien (die Golanhähen bis an die Stadtgrenze von Damaskus), die gesamten Gebiete von Transjordanien (dem heutigen Jordanien) westlich der von den Deutschen erbauten Hedschas Bahnlinie, sowie Gebiete im Norden der ägyptischen Sinai Halbinsel einschliessen.

Ausserdem ernannte die zionistischen Bewegung, ebenfalls ganz einseitig den, den Aufstand der Araber im Hedschas (dem heutigen Saudi Arabien) und Transjordanien anführenden Haschemiten Emir Faisal aus dem Hedschas als Vertreter und Sprecher der einheimischen arabischen Bevölkerung von Palästina. In dieser, von den Zionisten angemaßten Funktion traf sich 1919 Faisal mit Weizman. Faisal trat aber sofort von dem, bei dem Treffen verabredeten Komplott zurück. Die Briten versuchten dann auch, Faisal als „König von Jerusalem“ einzusetzen, aber die Palästinenser vertrieben den neuen König schon nach ein paar Tagen aus Jerusalem und Palästina (später wurde er dann auf Betreiben der Briten zum König von Irak gekrönt.) Die Tendenz, nicht-palästinensische Potentaten zu Vertretern und Sprechern der Palästinenser zu erküren, setzten die Zionisten, sowie die israelischen Regierungen bis 1993 fort. Da wären verschiedene britische und dann amerikanische Ersatzvertreter, und im Friedensabkommen von 1979 mit Ägypten Präsident Anwar Sadat zu nennen, welcher der von Israel völlig einseitig vorgebrachten sogenannten „Lösung“ des israelisch-palästinensischen Konflikts zustimmte, obwohl dabei wiederum die damals international bereits anerkannte Führung der Palästinenser, die PLO, weder befragt, noch das Recht auf Selbstbestimmung dieses Volkes berücksichtigt wurde.

Erst 1993, nachdem die israelischen Herrscher einsehen mussten, dass sie den nahezu sechs Jahre andauernden Volksaufstand, die Intifada, trotz Anwendung brutaler Gewalt und Unterdrückung nicht mit militärischen Mitteln erledigen konnten, anerkannten sie offiziell die PLO, die palästinensische Befreiungsbewegung und ihre Führung unter Yassir Arafat, als Vertretung ihres Volkes. Wenn auch die Auswirkung der damals unterzeichneten Prinzipienerklärung über einen stufenweisen Weg zu Frieden angezweifelt werden kann, so war diese erstmalige Anerkennung eines wirklich palästinenischen Verhandkungspartners ein grosser Schritt vorwärts. Allerdings verhinderte diese Anerkennung nicht, dass Israel ihren Alleinanspruch auf einseitige Handlungen aufgegeben hätte. Im Gegenteil, die Politik einer einseitigen „Eroberung des Landes“ ging, und geht noch immer, auf Hochtouren weiter.

Am 14 Mai 1948 deklarierte der Vorsitzende des zionistischen Kongresses und des Volksrats der jüdischen Bevölkerungsgruppe in Palästina, David Ben-Gurion, die Errichtung des Staates Israel. Dies geschah ausdrücklich auf Grund einer völlig einseitigen Auslegung des Beschlusses der Generalversammlung der Vereinten Nationen (29. November 1947), welcher die Errichtung zweier Staaten, eines jüdischen und eines arabischen, beinhaltete. Zum Zeitpunkt dieser einseitigen Staatsgründung hatten die bewaffneten Einheiten der jüdischen Bevölkerung bereits weite Teile des für den arabischen Staat vorgesehenen Gebietes militärisch besetzt und hunderttausende von Araber aus ihrer Heimat vertrieben, oder durch Massaker entfachte Panikmacherei zur Flucht getrieben. Alles völlig einseitig, versteht sich. Die nicht, oder kaum mit veralteten Waffen bewaffnete palästinensische Bevölkerung war praktisch wehrlos gegenüber den bis zu den Zähnen mit damals modernen Waffengattungen ausgerüsteten israelischen Armee, welche von einem, während des zweiten Weltkriegs und danach von den Briten ausgebildeten Offizierskorp kommandiert wurde. Die, nach der Ausrufung des Staates Israel von Grossbritanniens „verbündeten“ Liga der arabischen Staaten und deren, grossteils von britischen Offizieren kommandierten Armeen initiierte Invasion nach Palästina war von Seiten der arabischen Armeen nicht genügend motiviert und wurde deshalb auch erfolgreich zurückgeschlagen.

Was dann ab 1967, nach der einseitigen militärischen Eroberung von den 1948 noch verschonten Teilen von Palästina, sowie den danach von Israel einseitig annektierten syrischen Golanhöhen, und der völlig einseitig geraubten Ländereien und deren rein jüdischen Besiedlung in diesen Gebieten geschah, und noch geschieht, braucht man hier nicht nochmals beschreiben.

Und jetzt erheben die israelischen Regierungskreise, von der Rechtsopposition begleitet, ein weltweites Zeter und Mordio Geschrei über die Absicht der Palästinenser von ihrem verbrieften Recht auf Selbstbestimmung und Eigenstaatlichket einseitig und ohne ein O.K. von Barak und seiner Regierung zu erhalten, am 13. September, oder überhaupt, Gebrauch zu machen. Mehr noch, dieses Geschrei ist bekanntlich mit einer Drohung verbunden, wieder einmal die militärische Gewalt einseitig gegen die Palästinenser einzusetzen, sollten diese es wagen, ihren Staat ohne ein israelisches grünes Licht zu deklarieren.

Was für eine grandiose Heuchelei und Irreführung der öffentichen Meinung !!!


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Dokument veröffentlicht am 19.08.2000 um 12:34 Uhr durch Libertad_Saar
zuletzt geändert am 17.06.2005 - 06:31
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