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Barak droht mit Bombenterror auch nach Rückzug aus dem Libanon

 

Sollten Angriffe auf israelische Bürger auch nach dem (israelischen) Rückzug aus dem Libanon hinter die internationalen Grenzen erfolgen, wird Israel genau so reagieren wie bisher.

BARAK DROHT MIT BOMBENTERROR AUCH NACH RÜCKZUG AUS DEM LIBANON

Von Hans Lebrecht, Kibbutz Beit-Oren - 7. Mai 2000

Sollten Angriffe auf israelische Bürger auch nach dem (israelischen) Rückzug aus dem Libanon hinter die internationalen Grenzen erfolgen, wird Israel genau so reagieren wie bisher. Sogar Syrien, oder irgend ein anderes Land, welches die libanesischen „Terroristen“ unterstützen sollte, würden nicht ungestraft davon kommen, drohte Israels Ministerpräsident Barak in einem Fernsehinterview am Freitag (5. Mai) nach dem Bombenhagel der israelischen Luftwaffe auf zivile Ziele im Libanon, welcher erheblichen Schäden an der wirtschaftlichen Infrastruktur des Landes anrichteten. Zynischerweise gaben die israelischen Luftpiraten dieser Aktion den Kodenamen „Aufbauaktion“.

Die ausgesuchten Ziele dieses erneuten Bombenterrors gegen Libanon waren zwei zentrale Transformatorenanlagen, welche große Teile der Hauptstadt Beirut und Tripoli im Norden Libanons verdunkelten und Industrieanlagen zum Stillstand verdammten. Wieviele Menschen dabei ums Leben kamen, oder verletzt wurden, ist noch nicht klar. Die Fernschaussee Beirut-Damaskus wurde zerbombt und ein in unmittelbarer Nähe syrischer Truppenlager im Osten des Landes als von den israelischen Militärs als Waffen- und Munitionsdepot der Hisbollah Guerrillas bezeichnetes Gebäude in die Luft gejagt. Die materiellen Schäden werden auf Hunderte von Millionen Dollars geschätzt und die Reparaturen werden voraussichtlich viele Monate beanspruchen.

Die Lage in und um die Unsicherheitszone in Süden Libanons, welche von Israel schon seit 1982 besetzt gehalten wird, ist schon seit einigen Wochen gespannt. Feuergefechte zwischen den libanesischen Guerrillas, hauptsächlich derjenigen der islamisch-schiitischen fundamendalistischen Hisbollah (Gottespartei) und der linken Amal Bewegung einerseits und andererseits der israelischen Besatzertruppen und der von Israel ausgehaltenen Söldnermilizen der sogenannten „Südlibanesischen Armee“, sind an der Tagesordnung, wie auch die nahezu alltäglich gewordenen Luftterrorangriffe der israelischen Luftwaffe auf Ziele im Libanon.

Die jüngste Eskalation wurde dadurch ausgelöst, dass vorige Woche eine israelische Luft-Boden Rakete vor einem Haus in dem Städtchen Habusch einschlug, dieses Haus zertörte und Autos und Menschen auf der Straße traf. Eine 80-jährige Frau und ihre 40-jährige Tochter wurden getötet und 14 Menschen zum Teil schwer verletzt. Sprecher der israelischen Luftwaffe behaupteten danach, die Rakete wäre „ausversehen“ und „irrtümlicherweise“ auf diesem Ort abgefeuert worden. Aber erstaunlicherweise gehört das getroffene Haus einem führenden Mitglied der Amal Guerrilla Bewegung. Die beiden ermordeten Frauen sind dessen Familienangehörige. Der Besitzer des Hauses war allerdings zur Zeit des Anschlags nicht zu Hause. Das läßt natürlich viele Fragen offen

Am Donnerstag vorabend trafen etwa 30, von der Hisbollah als Vergeltung abgefeuerte Katyuscha Raketen die Stadt Kiryat-Schmonah im israelischen Nordgalilea und weitere Raketen das israelische Städtchen Schlomi und andere Ziele im Norden Israels. Ein israelischer Offizier wurde getötet und einige Zivilisten wurden verletzt. Aber größere Verluste wurden dadurch vermieden, daß die Bevölkerung, von den Sicherheitsbehörden rechtzeitig gewarnt, die Luftschutzkeller aufsuchten.
Dieser Katyuscha Angriff wiederum veranlasste die Barak Regierung, in den früh-nächtlichen Morgenstunden des Freitags mit dem oben erwähnten eskalierten Luftterror, als Vergeltung, sowie ausdrücklich als „Warnungsmaßnahme“ für die Katyuscha Angriffe zu antworten. Als danach noch einige, aus dem Libanon abgefeuerte Katyuscha Raketen auf israelischem Territorium einschlugen, beschloß das Sicherheitskabinett der Barak Regierung, vorerst auf weitere Vergeltungsschläge zu.verzichten. Man habe einstweilige „Zurückhaltung“ beschlossen, hiess es offiziell.

Bekanntlich plant Israel den Rückzug aus dem Libanon noch nächsten Monat, spätestens Anfang Juli, durchzuführen, mit oder ohne Abkommen mit Syrien und dem Libanon. Eine verstärkte UNO Truppe solle die Sicherheit aus der verlassenen Unsicherheitszone sichern. Das heisst, die Truppe solle die Freischärler davon abhalten, israelische Grenzsiedlungen weiterhin mit Katyuschas und anderen Kampfmittlen zu belästigen. Ob allerdings der erstaunlicherweise von der ach so „Freien Welt“ schon seit Jahren geduldete israelische Bombenterror gegen Ziele im Libanon ebenfalls aufhören soll, ist sehr unwahrscheinlich. Die eingangs erwähnte Drohung aus dem Munde von Barak lässt Bände sprechen. Erfahrungsgemäss kann, wenn man so will, jederzeit ein Anlass gefunden werden, irgend etwas zu vergelten. Der angekündigte baldige Rückzug Israels aus dem Libanon betrifft sowieso, offiziell ausdrücklich betont nur die Landstreitkräfte und nicht die Luft- und Seestreitkräfte, welche weiterhin Ziele im Libanon im Visier hätten.

Israelische Friedenskräfte aus dem Lager der demokratischen Chadasch Front mit den Kommunisten der KPI, sowie des kommunistischen Forums, des Gusch-Schalom Friedenblocks und der links-alternativen Bewegung, hielten am Freitag mittag eine Mahnwache vor dem Verteidigungsministerium in Tel-Aviv ab und verstärkten die wöchentlichen Mahnwachen der „Frauen in Schwarz“ in Jerusalem und Tel-Aviv mit Losungen, welche die Regierung vor einer weiteren Eskalation im Libanon und dem Norden des Landes warnten. In einem Aufruf des Gusch-Schalom wird die Regierung aufgerufen, nicht dem Druck der Hisbollah und den rechtsradikalen Kriegstreibern in Israel nachzugeben und von weiteren kriegerischen Abenteuern abzusehen. Die Regierung solle den Rückzug aus dem Libanon beschleunigt durchführen, sowie ihre starrsinnigen Vorbedingungen für einen Frieden mit Syrien und dem Libanon und vor Allem mit den Palästinensern aufgeben um einem dauerhaften Frieden den Weg zu ebnen. Sollte sie nicht diesen Weg gehen, sei es offensichtlich, dass dies zu weiteren kriegerischen Ereignissen, zu weiterem Blutvergiessen führen werde, dessen Ausmaße und Ende nicht abzusehen seien, warnt Gusch-Schalom. Eine Verlautbarung des kommunistischen Forums betont außerdem, dass nur gerechter Frieden auf Grund des Völkerrechts und der Beschlüsse der Vereinten Nationen und dessen Sicherheitsrates, auf Grund der Menschenrechte und des Menschenverstandes der Frieden erreicht und die Sicherheit der Völker der Region, einschließlich des israelischen Volkes, gewährleistet werden würden.


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Dokument veröffentlicht am 07.05.2000 um 16:35 Uhr durch Libertad_Saar
zuletzt geändert am 17.06.2005 - 06:31
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